Anders

Die Welt ist ein seltsamer Ort. Zumindest die menschliche. Diese Woche habe ich einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, dass eine nichts zu dieser Situation zu sagen haben muss, weil wir gerade erst drin sind. Weil eine nicht immer zu allem was sagen können muss, sofort, ohne gründliches Nachdenken. Ich habe nichts zu Corona zu sagen. Ich gucke mir das an, und lese Artikel, und schaue, was passiert.

Ansonsten ist diese Woche, wie letzte Woche, alles anders. Kompliziert und nicht für diesen Blog geeignet. Auf jeden Fall wurde die Pfannkuchentradition durchbrochen, so wie alle anderen Rituale und Strukturen, die ich normalerweise so habe. Arbeiten ist deswegen gerade etwas schwieriger. Nächste Woche habe ich einige Meetings. Ich hoffe, dass das alles ganz gut läuft. Und die Internetverbindung hält.

Irgendwie ist schon Mai. Das Wetter hier ist seltsam. Gestern war es unglaublich schwül und anstrengend. Immerhin hat es geregnet, das ist ja ganz gut für die Erde. Und ich habe Campinggas gefunden, weeeeh! Voller Freude.Auch wenn die Essensauswahl also gerade nicht so pralle ist, gibt es immerhin warmes Essen.

So. Ich gebe jetzt ab an andere Menschen, denn ich habe im Moment nicht so viel Produktives, Konstruktives oder Interessantes zu erzählen. (Aus zwei Wochen, also mehr als sonst.)

 

Ungeplant

Ich wollte diese Blogbeiträge besser planen. Ich wollte sie auch sonntags posten. Weder das eine noch das andere scheint in den letzten Wochen besonders gut zu funktionieren. Nun ja. Deswegen ist das hier wieder ein Gedankensalat (ich empfehle den Podcast mit dem gleichen Namen, auch wenn ich ihn noch nicht gehört habe; hören also auf eigene Gefahr; ich habe gute Sachen darüber gehört! und es geht um Islam in der Moderne, klingt also spannend: klick!).

Ich bin zurück aus dem Urlaub und ich bin entspannter als vorher. Erfolg! Und ich bin fleißig am Sortieren. Ich habe mich für eine Sache beworben, für die ich heute ein Gespräch hatte, und das Gespräch war sehr freundlich und wohlwollend. Ich warte also ab. Außerdem habe ich ein paar andere Dinge in die Wege geleitet, um mein Leben zu ordnen, und heute schon ein paar interessante Tipps bekommen. Das Ganze ist irgendwie aufregend und beängstigend. Weil. Egal was kommt, ändern wird sich auf jeden Fall was. Und ich hab Angst.

Abgesehen davon ist alles beim Alten. Ich habe mich durch einen Berg von Mails gearbeitet und beginne morgen damit, Dinge zu korrigieren. Wenn das durch ist, dann kann ich mich auch wieder vordergründig der Diss widmen, was wie ein sinnvoller Plan klingt. Denn so viel Förderzeit bleibt nicht mehr übrig. Gut, dass ich zumindest heute motiviert bin, strukturiert zu arbeiten. Und konsequent. Ich glaube mittlerweile, dass Konsequent mein Problem ist. Das kann ich nicht so gut. Ich gebe mir Mühe!

In letzter Zeit denke ich viel über Ziele nach. Überall sollen wir Ziele haben. Ziele für ein Jahr. Ziele für in fünf Jahren. Ziele im Beruf. Ziele im Privaten. Ziele Ziele Ziele. Ich sträube mich gerade innerlich sehr gegen diese Omnipräsenz von Zielen. Ziele kommen mir so starr vor. So unflexibel. Ob das an den Zielen oder an mir liegt? Das frage ich mich auch manchmal. Gleichzeitig habe ich ja auch Ziele. Ich laufe nicht ganz ziellos durchs Leben. Ich hab die nur nirgendwo aufgeschrieben, vermutlich, weil sie mir dann flexibler vorkommen. Ich bin auch über Gedanken zu Zielen sehr dankbar. Also, falls jemensch was teilen möchte? Ja? Nein? Immer gerne auf jeden Fall.

Weil ich wieder so ohne Konzept hier bin und aus technischen Gründen nicht am Movie Club in diesem Monat teilnehmen kann (der ausgesuchte Film ist The Farewell, den ich sehr gerne sehen möchte, der leider nicht mehr im Kino läuft und erst ab März streambar ist), gibt es im Februar keine Rezension. Weswegen ich überhaupt in die Verlegenheit gekommen bin, für diese Woche etwas Anderes als eine Rezension schreiben zu wollen. Es gibt Schlimmeres. Im Folgenden: Gedanken anderer Menschen.

 

Mir fehlen die Worte

Es ist gleichzeitig erschreckend wie banal, dass mir die Worte fehlen. Ich schreibe seit Jahren, ich schreibe seit Jahren auch über meine Gefühle und Gedanken. Mit Sicherheit waren sie ziemlich theatralisch, als ich so 15 Jahre alt war. (Ich traue mich ehrlich gesagt nicht, einen Blick in diesen Abgrund zu werfen. Zumindest nicht im Moment.) Ich kann schriftlich gut kommunizieren, ich kann mich gut ausdrücken. Mit Schreiben verdiene ich mein Geld, und Schreiben ist mein Job. Neben Bildern besteht mein Kopf vor allem aus Wörtern. Ich mag Worte. Worte sind wundervolle Gebilde, die wir uns ausgedacht haben und die eigentlich nichts bedeuten, und dann wieder doch. Ich liebe Worte, die es nur in einer Sprache gibt, ich mag, wie sich manche Bedeutungen nur erschließen, wenn eins die Sprache ziemlich gut kennt, ich mag Doppeldeutigkeiten. (In den Worten, im Leben finde ich das meist anstrengend.) Ich finde Sprache faszinierend und spannend und kann mich darüber begeistern und über die Wortgebilde anderer Menschen lachen und weinen. Ich mag, wenn Menschen es schaffen, Worte so anzuordnen, dass andere Menschen auch etwas fühlen. Es gibt Menschen, deren Texte ich lese, und bei denen ich denke, dass ich auch so schreiben können möchte. Menschen, die gut schreiben, inspirieren mich.

Meine Welt besteht vor allem aus Worten und aus Sprache, und sei sie noch so unzureichend und unzulänglich. Am Ende ist sie alles, was wir haben. Und seit Monaten fehlen mir die Worte.

Ich habe versucht, welche zu finden. Ich habe versucht, die Worte aneinander zu reihen, sie auszuprobieren. Angefangene Textfragmente auf irgendwelchen Rechnern und Festplatten. Und dann lese ich das und möchte kotzen. Weil es nicht die passenden Worte sind. Entweder, sie sind zu banal, oder sie sind zu übertrieben. Vielleicht liegt es auch nicht an den Worten, vielleicht liegt es auch an mir. Entweder ich finde die richtigen Worte nicht, oder ich treffe nicht den richtigen Ton. Oder beides. Fest steht, dass ich nicht ausdrücken kann, was ich fühle und wie es mir geht. Banal oder überdramatisch. Keine Worte lösen aus, was ich meine, was sie auslösen sollen. Keine Worte drücken den Schmerz aus, keine Worte die Verzweiflung, die Trauer. Nichts, was ich schreibe, reicht. Es gibt Redewendungen, und doch nicht genug Worte, die beschreiben, wie sich die Kehle zuschnürt, wie die Tränen im Kopf drängen, wie sie gegen die Augen drücken und sich irgendwann rausstehlen, auch wenn sie das nicht sollen. Wie der Kloß im Hals sich von oben nach unten bewegt und doch nie ganz verschwinden wird. Wie die Gedanken kreisen und kreisen und kreisen und kreisen, als ob sie niemals weggehen würden. Die Unendlichkeit der Endlichkeit. Das „was wäre wenn“ und „vielleicht doch“ und „irgendwann“ und die Stimme im Kopf, die sagt „Stopp!“.

All das ist hohl und nichtssagend und abgedroschen.

Vielleicht ist es auch, dass der Schmerz tatsächlich so normal und bekannt ist, dass das, was in meinem Kopf passiert, in so vielen Köpfen passiert, was die Worte unzulänglich macht. Die Erkenntnis, dass das, was passiert, nichts Besonderes ist, und ich deswegen auch keine besonderen Worte finden kann, sondern nur die alten und hohlen und abgedroschenen. Oder die dramatischen und übertriebenen. So viele Menschen vor mir und jetzt und in Zukunft, die sich so fühlen. Und die Worte, die nicht ausreichen, um die Erfahrung teilbar zu machen. Und dann doch die Hoffnung auf eine Person, die den Schmerz kennt, genau diesen Schmerz oder zumindest einen, der sehr ähnlich ist, und für die eins keine Worte finden muss, weil die Erfahrung durch Erfahrung teilbar wird. Ob es das wirklich gibt?

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Linkschau #29

Immer noch habe ich viele Ideen, angefangen sie aufzuschreiben, und doch keine Zeit, mich darum zu kümmern. Ab April wird alles besser.

In der taz schreibt Sibel Schick, dass es nicht grundsätzlich unemanzipatorisch ist, den Namen des Partners bei der Ehe anzunehmen.

Robot von RobotHugs hat einen Comic zu Be_hinderung und Barrierefreiheit gemacht, in dem es darum geht, dass Menschen als nicht be_hindert genug wahrgenommen und ihnen ihre Hilfsmittel o.ä. abgesprochen werden. [Englisch]

Bei Feminismus im Pott gibt es ein Interview mit Laura Gehlhaar zu Inklusion.

Anne schreibt bei kleiner drei zu möglichen Strategien gegen Rechts und Rechtspopulismus, die effektiver sein und vor dem Aktivismus-Burn-Out bewahren sollen.

i,Slam haben ein Video gemacht, dass Rassismus einfach erklärt und mit Beispielen versieht. [Video]

Patricia von dasNuf schreibt über ihre Ferien- und Nebenjobs und philosophiert darüber, ob und was ihr das Arbeiten gebracht hat.

Umstandslos verändert sich und wie sie sich gerade fühlen (wütend, müde, solidarisch) schreiben sie als Abschluss vor dem Neuen.

Megan spricht darüber, wie wir mit der Trauer von nahen Menschen umgehen können. [Video, Englisch] Und weil mich das Thema gerade hat, kann ich auch noch den Podcast endlich. empfehlen, von dem ich erst die erste Folge gehört habe, die ich sehr gut fand.

Bei kleinerdrei schreibt Alena was zu Heimat. Von Sehnsucht, Solidarität und dem Heimatministerium.

Vina Yun schreibt im Missy Magazine, wie sie sich entschieden hat, ein Familienmitglied zu pflegen, wie sich das auf ihre persönlichen Beziehungen ausgewirkt hat.

Shawn Taylor schreibt über Black Panther, warum der Film eine neue Fankultur produziert hat und wieso er so wichtig ist für Schwarze Kunst und Kultur. [Englisch]

Alice schreibt bei kleinerdrei über Rassismus und Debatten über Rassismus.

Ihr merkt schon, das Thema Tod und Trauer sind sehr präsent. Hier also nochmal Megan zum Thema Friedhöfe in der Zukunft und bereits bestehenden alternativen Projekten zu Friedhöfen und Bestattungen.

Clara Rosa von Class Matters schreibt über Klasse und Gesundheit oder warum Armut krank macht.

Tiffany Martínez berichtet, was ihr in der Akademia alles an Vorurteilen entgegen geschlagen ist und wieso sie sich mehr anstrengen muss als weiße Menschen.

Bei biber schreibt Dudu Kücükgöl über Feminismus und Islam und warum sie sich nicht dazu berufen fühlt, immer wieder ihre Solidarität mit den Frauen im Iran zu bekunden oder andersherum: dass sie sich fragt, warum sich kopftuchtragenden Musliminnen gegenüber nicht solidarisch verhalten wird.

Außerdem gucke ich ja manchmal Kids Hiho (jajaja) und da haben die Kinder dem Illustratoren in einer der letzten Folgen beschrieben, was für sie Feminismus ist. [Video, Englisch]

arte sendet eine Doku über Sookee, die noch online gesehen werden kann und in der sie u.a. über Depressionen und psychische Gesundheit redet. Sehr persönlich und direkt. [Video]

Dann erklärt Anna Akana, wie wir unsere Freundinnen effektiv darauf hinweisen können, wenn sie scheiße zu sich selbst sind. [Video, Englisch]

Meine Erklärungen waren dieses Mal glaube ich nicht so gut. Verzeiht es mir, ich bin sehr müde.

Linkschau #27

Ich bin zu spät! Das liegt daran, dass ich erst langsam wieder in den Alltag zurückkomme. Und ich war ja auch noch ein bisschen dort, wo es keine Umlaute gibt. Was an sehr vielen Orten sein könnte. Haha. Da habe ich Deutschlandradio gehört, um auf dem neuesten Stand mit den Dingen in der Welt zu bleiben. Wie bürgerlich kann es noch werden?

Ein bisschen Links gibt es trotzdem.

Noah Sow erklärt, warum sie das Wort „fair“ für problematisch hält. [Video]

Bei Qantara schreibt Gustab Seibt über eine Ausstellung in Berlin zum Zusammenhang von Christentum, Judentum und Islam und dem etwas verkehrten Weltbild, was wir dazu haben.

Angela Köckritz schreibt in der ZEIT über moderne Sklaverei, und was Europas Migrationspolitik damit zu tun hat.

Bei kleinerdrei schreibt Juliane gegen den Entspanntheitswahn um Weihnachten herum, den kaum ein Mensch gerecht werden kann.

Dr. Vulva schreibt, auch bei kleinerdrei, über ihre Erfahrungen mit Polyamorie.

In diesem Video macht der Nerdwriter ein Gedankenexperiment, wie der Film Passengers besser sein könnte, und ich muss ihm eindeutig Recht geben. [Englisch]

Und zu guter Letzt ein Artikel von 2012 von Stepahnie Hegarty bei der bbc zu unserem Schlafrhythmus, und dass wir früher anders geschlafen haben. [Englisch]