Kampftag

Es ist der 08. März, liebe Leute, Frauen*kampftag oder Frauenkampftag oder Internationaler Frauentag. Wie auch immer ihr ihn nennen wollt. Bevor ich dazu weiter was sage, will ich was ganz Anderes sagen, was im Moment total untergeht, oder schön geredet wird, weil alle über Corona reden.

Die EU macht push backs an der EU-Außengrenze in Griechenland und alle finden’s spitze. Frau von der Leyen und alle möglichen europäischen Regierungen stehen, scheinheilig, hinter der griechischen Regierung, die auf Migrant*innen schießt und sie davon abhält, die Grenze zu überqueren. Und alle finden das richtig. Und dann drehen wir uns um und reden darüber, wie vorbildlich Europa (alternativ die EU) ist, was Menschenrechte angeht. Scheiß auf Eure Menschenrechte, wenn sie darin bestehen, Menschen im Niemandsland verrecken zu lassen.

Nicht, dass das alles irgendwas Neues wäre. Die EU versucht seit Jahrzehnten ihr Möglichstes, Menschen davon abzuhalten, in die EU einzureisen. Ausnahmen (2015) bestätigen bekanntlich die Regel. Und wenn die EU nicht selber auf Migrant*innen schießt, dann lässt sie es ja auch einfach andere machen. Auch das nichts Neues. In den Lagern in Libyen wird gefoltert, mit dem Wissen der EU. Jetzt ist alles ein bisschen näher gerückt. Nicht, dass ich besonders toll finde, was Erdogan macht, der die Menschen auch ihrem Schicksal im Niemandsland überlässt und sich einen Scheißdreck um ihr Wohl oder ihre Rechte schert. Nur was die EU gerade tut, ist auf unser Asylrecht zu scheißen. Denn wir haben ein Asylrecht, und der EU sind push backs nicht gestattet. Weder auf dem Mittelmeer noch an den Landgrenzen. Menschen, die flüchten, müssen aufgenommen werden. Sie zurück über die Grenze zu drängen (= push back) ist illegal.

Und der Kackhaufen, der Dublin I, II oder III heißt, sorgt dafür, dass Menschen auf Lagern auf griechischen Inseln (siehe Lesbos) in den schlimmsten Bedingungen hausen und die griechische Regierung überhaupt nicht nachkommt, sich um diese Menschen zu kümmern. Dublin hat ja seit es beschlossen wurde noch nie funktioniert, weil es die Verantwortung für Geflüchtete bei einzelnen Ländern belässt und sich alle anderen beruhigt die Hände rein waschen. Nichts daran ist okay. Nichts daran ist gut. Nichts daran ist irgendwie zu rechtfertigen. Ich weiß, das kommt allen immer irgendwie so weit weg vor, und wir haben ja auch mehr Mitgefühl mit weißen Menschen anstatt mit Schwarzen. Ich will nur noch mal ganz klar sagen, dass wir hier von Menschen sprechen. Jedes einzelne Leben, genauso ein Leben wie Deins. Genauso voller Wünsche, Sorgen, Gefühle, Beziehungen, schlechten Angewohnheiten. Gestrandet im Niemandsland zwischen Griechenland und der Türkei, Türkei und Syrien, auf griechischen Insel oder Malta, in Lagern in Libyen, Ägypten, Tunesien, Marokko, Libanon. Und es gibt keinen guten Grund dafür, warum es so sein sollte.

Um den Bogen zu schlagen zum ersten Absatz: am meisten leiden auch in diesem Fall Frauen und Kinder. Die deutsche Regierung hat dagegen gestimmt, besonders vulnerable Personen aus der Grenzregion aufzunehmen. Es ging dabei vor allem um Kinder, Schwangere, alleinreisende Frauen und Kranke. Für all diese Gruppen ist die Lage am schlimmsten, und die Politik der EU trägt nicht dazu bei, die Lage der Menschen zu verbessern.

Am schlimmsten ist, dass alle so tun, als sei es überraschend oder neu, was hier passiert. Die EU macht ja schon seit Jahren nichts Anderes, als ihre eigenen Grenzen zu schützen. Vor schutzlosen Menschen. Darüber kann ja jede*r selber nachdenken.

Und um noch mal eine andere Sache anzusprechen, bei der auch alle so tun, als sei es irgendwie überraschend oder neu: Die rechtsterroristischen Anschläge von Halle und Hanau sowie der Mord an deutschen Kommunalpolitikern sind es nämlich auch nicht. Die rechten Netzwerke gibt es seit Jahren, sie sind seit Jahren aktiv, waren nie verschwunden und haben auch früher schon Menschen umgebracht. (Und auch nicht überraschend, dass diese Netzwerke bis in gesellschaftliche Institutionen wie Unis hineinragen.) Einwurf Ende.

Zurück zum Tag der Frauen(*). Frauen sind in unserer ach so schönen Welt immer noch nicht gleichberechtigt. Es macht mich schon erschöpft, diesen Satz überhaupt zu schreiben. Denn auch er ist (you guessed it) nichts Neues. Wir reden uns seit Jahren den Mund fusselig, und dann führe ich immer noch Diskussionen darüber, ob Männer bessere Musik machen als Frauen oder die Musikindustrie einfach biased gegenüber Frauen ist (ganz abgesehen von den Hörer*innen). Hier mehr.

Frauen wissen auch tendenziell weniger über Geld, Finanzen, Vermögen als Männer. Nicht nur, dass sie also weniger verdienen oder öfter in Teilzeit arbeiten oder mehr Care-Arbeit übernehmen.

Dazu die wichtige Frage, wie feministisch es eigentlich ist, eine Putzhilfe zu engagieren. Denn wie ich schon gesagt habe, weiße Frauen sind anderen Frauen gegenüber immer noch privilegiert. Das Patriarchat ist nicht unser einziges Problem (re: Frauen an der Grenze).

Und wer nicht nur negative Schlagzeilen lesen will, kann ja auch was Positives über Frauen lesen. Es gibt so viele beeindruckende Frauen auf der Welt, und sie werden viel zu schnell vergessen, unterschlagen, ignoriert. Hier eine kleine Auswahl, teilweise habe ich das schon mal gepostet, nur es kann ja nicht schaden. Gebt Euch Mühe, die Frauen zu entdecken in den Bereichen, für die Ihr Euch interessiert. Ich garantiere, dass es sie gibt. Es gibt uns überall.

  • Fran Drescher (aka Die Nanny) war eine der ersten jüdischen Schauspielerinnen, die eine jüdische Frau im Fernsehen gespielt hat
  • Cha Myung-sook hat beim Gwangju Upising in Südkorea für die Demokratie gekämpft und ist dafür ins Gefängnis gegangen (mehr zum Gwangju Uprising und der Rolle der USA hier)
  • Warum wir alle aufhören sollten, Fangirls fertig zu machen [Video]
  • St. Gertrude (Frauen waren auch schon früher dope)
  • Warum wir in den Medien, die wir konsumieren, nicht nur starke Frauen brauchen, sondern alle Frauen
  • Harley Quinn braucht keinen Mann (repost)
  • Wie das Leben von Nonnen heutzutage aussieht
  • ‚I Will Survive‘, LGBTQ+ und HIV
  • Reyhan Şahin über Diskriminierung in der Uni
  • Guckt einfach Little Women, wenn Ihr könnt (repost)
  • Frauen sind in der Literatur einsam (und deswegen miserabel), Männer hingegen sind alleine (und heldenhaft)
  • und dann schreiben Frauen übrigens auch

 

Linkschau #36

Es ist der erste richtig kalte Tag dieses Jahr, habe ich das Gefühl. Heute Morgen war’s mir wichtig kalt an den Beinen, und das erst im November! Klimawandel und so. Natürlich gibt es wie jeden Monat auch die Gedanken anderer Menschen. Meine eigenen Gedanken teile ich ja nicht mehr so häufig. Immerhin schreibe ich noch.

Los geht’s mit Patricia von DasNuf. Sie schreibt über das Leben mit Kindern und wie sie irgendwann einfach gesigniert hat.

Ein Kommentar von Lara zum sexistischen Comic „Nie genug“ von Marvin Clifford und warum sein Verhalten nicht okay ist.

Lex Croucher erklärt in ihrem Video, warum Youtuber*innen aufhören sollen, Haul-Videos (d.h. Videos, in denen sie zeigen, welche Klamotten – und andere Dinge – sie alle gekauft haben) zu machen. [Englisch, Video]

In einem anderen Video erklärt kaptainkristian die Animationen von Disney und die Regeln, denen diese Animationen folgen. Und warum es manchmal aussieht wie Magie. [Englisch, Video]

Sarah Chavez von The Order of the Good Death schreibt zu den positiv konnotierten Wurzeln von Halloween und was sie mit dem Tod und Umgang mit Tod zu tun haben. [Englisch]

In anschläge. schreibt Lea Susemichel darüber, dass es das gute Leben ohne soziale Gerechtigkeit nicht geben kann.

Peter Schaber schreibt beim LowerClassMag zu Militanz.

In ihrem neuen Video erklärt Anna Akana, wie wir jetzt glücklich werden, auch wenn ihr der Rat selber nicht besonders gut gefällt. [Englisch, Video]

Und auf Zeitgeschichte online zwei Kommentare zu Höckes Rede letztes Jahr: Martin Sabrow erklärt, was den Zäsurcharakter der Rede ausmacht, und Maria Alexopoulou weist darauf hin, dass der blinde Fleck von Sabrow und vielen anderen Historiker*innen der Rassismus ist.

Das war’s auch schon wieder. Ich muss dazu sagen, dass es sich erheblich einfacher gestaltet, Links auf dem iPad einzufügen als am PC. Traurig, aber wahr.

Linkschau #33

Eigentlich wollte ich das gestern noch geschrieben haben, aber dann kam was dazwischen und jetzt ist es auch schon wieder spät. Egal. Es hat sich einiges aus den letzten beiden Monaten angesammelt, und ich habe immer noch so viele Tabs offen. Wo ist die Zeit schon wieder hin?

Bei kleinerdrei ein Beitrag über Sex, Sexunfälle und Verhütung, und die Panik, die entsteht, wenn was schief geht beim Sex mit Unbekannten. Mit ein paar guten Hinweisen zu Safer Sex, die über HIV hinausgehen.

Und Levi schreibt, auch bei kleinerdrei, was er über die Kippah-Demonstrationen in Deutschland denkt.

Das Calvert Journal berichtet darüber, dass es jetzt LGBTI*-Karten für die größten litauischen Städte gibt.

Katie Orwig schreibt beim Order of the Good Death über die möglichen Ursprünge des Vatertages in den USA.

In der Zeit schrieb Vanessa Vu über die Ursprünge des Rassismus.

Und aus der taz eine Geschichte über Liebe und das Leben von Kefah Ali Deeb.

Brigitte Theißl schreibt in an.schläge über Hetero-Sex (und Macht).

Daniel Kretschmar schreibt in der taz über die Asylrechtsverschärfung von CDU und CSU.

Bei AlJazeera schreibt Lewis Turner über die Dämonisierung von männlichen geflüchteten Kindern an den Grenzen der westlichen Welt. [Englisch]

Zu empfehlen ist außerdem diese Doku vom NDR über den kleinen Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Arbeitswelt. [Video]

Anna Akana spricht über Liebe und Tod. [Englisch, Video]

In an.schläge schreibt Nicole Schöndorfer über Hormone und die Libido (und das Patriarchat, aber das ist ja fast schon selbstverständlich).

Und dann noch ein Interview mit Christine Nöstlinger aus der taz. Wegen Franz und seinen Geschichten. Und weil sie tolle Sachen sagt.

Lea Diehl von der Zeit hat Anastassia Pletoukhina zu Antisemitismus interviewt.

Und Jasmin Schreiber, die sonst übers Sterben schreibt, hat einen sehr guten und eindrücklichen Text über Depressionen geschrieben. Because that’s how it feels.

<3

Linkschau #30

Woohoo, dreißig! Was für eine schöne Zahl! Dafür gibt es leider nicht so viel Inhalt, denn irgendwie habe ich nicht so viel konsumiert. Also, doch, ich habe schon alle Artikel gelesen, die mich interessiert haben. Und davon waren dann vermutlich nicht alle weiterempfehlungswert. Nun ja.

Bei den Femgeeks rezensiert Melanie das Buch Technically Wrong von Dara Wachter-Boettcher. Es geht um Technik und Sexismus.

Im Calvert Journal gibt eine Fotostrecke von Gus Palmer zu Nagorno-Karabach. [Beschreibungen auf Englisch.]

DasNuf schreibt über Körpernormen und Body-Egalness.

Bei RaceBaitr schreibt Hess Stinson darüber, wie soziale Erwünschtheit und Schönheitsnormen auch unsere Freund*innenschaften beeinflussen. [Englisch]

Hannah schreibt über „psychisch krank“, den Vorfall in Münster, und wie sie sich damit fühlt.

Und in der Zeit hat Vanessa Vu schon letzten Jahr über ihr Aufwachsen im Asylsystem geschrieben. Immer noch lesenswert.

Linkschau #25

Wie immer um diese Zeit finden sich hier die Gedanken anderer Menschen.

Auf „Don’t degrade Debs, Darling!“ findet sich in wichtiger Kommentar zum #metoo, was den gesellschaftlichen Umgang mit sexualisierter Gewalt angeht. Der Beitrag diskutiert sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung.

Und auch Hannah schreibt über #metoo und daüber wie Gewalt nur aufhören kann, wenn wir als Menschen Verantwortung für unser (gewaltvolles) Handeln übernehmen.

Marina von marinashutup erklärt in diesem Video den #metoo, wie es dazu kam, welche Rolle Harvey Weinstein dabei spielt und warum wir über rape culture reden müssen. [Englisch]

Wolf Wetzel schreibt im Migazin über den NSU-Prozess und die Bundesanwaltschaft.

Ein paar Gedanken zum Krankfeiern gibt es auf „auf einmal frei“. Was Ihr dazu denkt, könnt Ihr Euch dann selber überlegen, der Artikel hat schon mal ein paar interessante Anregungen.

Levi schreibt bei kleinerdrei über Erfahrungen mit Antisemitismus im öffentlichem Raum und einem möglichen Umgang damit.

Und auch bei kleinerdrei schreibt Dr. Vulva dieses Mal über Sexnormen, wie es in dieser Gesellschaft ist, keinen Sex gehabt zu haben und wie wir mit Menschen umgehen, die (noch) keinen Sex hatten.

Anna Akana hat auf ihrem Youtube-Channel einen Teil aus ihrem Buch verfilmt, in dem es um Schwangerschaftsabbrüche geht. [Englisch]

Auf ihrem Blog schreibt Laura Gehlhaar über ihre Wut über den Umgang der Gesellschaft mit Be_hinderung.

Vom Kika gibt es die Reihe „Schau in meine Welt“, in der hier Leah über ihr jüdisches Leben in Dresden berichtet.

Bei kleinerdrei schreibt Alwina über „Migration aus Kinderaugen„. Mehr will ich dazu gar nicht sagen, lest selbst.

Und nochmal bei kleinerdrei schreibt Alice über ihre Gedanken zum Bundestagswahlsonntag im September als Schwarze Frau in Deutschland.