Linkschau #27

Ich bin zu spät! Das liegt daran, dass ich erst langsam wieder in den Alltag zurückkomme. Und ich war ja auch noch ein bisschen dort, wo es keine Umlaute gibt. Was an sehr vielen Orten sein könnte. Haha. Da habe ich Deutschlandradio gehört, um auf dem neuesten Stand mit den Dingen in der Welt zu bleiben. Wie bürgerlich kann es noch werden?

Ein bisschen Links gibt es trotzdem.

Noah Sow erklärt, warum sie das Wort „fair“ für problematisch hält. [Video]

Bei Qantara schreibt Gustab Seibt über eine Ausstellung in Berlin zum Zusammenhang von Christentum, Judentum und Islam und dem etwas verkehrten Weltbild, was wir dazu haben.

Angela Köckritz schreibt in der ZEIT über moderne Sklaverei, und was Europas Migrationspolitik damit zu tun hat.

Bei kleinerdrei schreibt Juliane gegen den Entspanntheitswahn um Weihnachten herum, den kaum ein Mensch gerecht werden kann.

Dr. Vulva schreibt, auch bei kleinerdrei, über ihre Erfahrungen mit Polyamorie.

In diesem Video macht der Nerdwriter ein Gedankenexperiment, wie der Film Passengers besser sein könnte, und ich muss ihm eindeutig Recht geben. [Englisch]

Und zu guter Letzt ein Artikel von 2012 von Stepahnie Hegarty bei der bbc zu unserem Schlafrhythmus, und dass wir früher anders geschlafen haben. [Englisch]

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Linkschau #26

Jedes Mal muss ich nachgucken, bei welcher Zahl in dieser Reihe ich angekommen bin. Mittlerweile also wohl zum 26. Mal und zum letzten Mal in diesem Jahr. Credit where credit is due. Ich habe so viele Beiträge in der pipeline, aber keinen Kopf und keine Zeit, um mich damit zu befassen. Viele Ideen. Alle verschwinden im Sand.

In der New York Times schreibt David Finch über Liebe und die RZB (Romantische Zweier-Beziehung) und wie er gelernt hat, Verantwortung für sein eigenes Glück zu übernehmen. [Englisch]

Simone schreibt bei der Mädchenmannschaft über Rassismus und Fremd- und Selbstwahrnehmung.

Im Legal Tribune Online schreibt Ulrike Lembke über Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, den legalen Rahmen und den Prozess gegen Kristina Hänel.

Ibrahim Arslan schreibt in der ak über das Erinnern an die Opfer rechter Gewalt und wie schwierig es ist, das Schweigen zu brechen.

Bei kleinerdrei schreibt Levi über Leitkultur und Jüdisch-Sein in Deutschland.

Auf „Don’t degrade Debs, Darling!“ geht es dieses Mal um Namen.

Konrad Litschko schreibt in der taz über den NSU-Prozess und die Reden der Nebenkläger*innen/Angehörigen der Opfer.

Anna Akana hat ein Video darüber gedreht, dass es okay ist, nicht okay zu sein (so heißt auch das Video, duh) und dass es wichtig ist, auch die Gefühle zuzulassen, die oftmals scheinbar nicht okay sind. [Englisch]

Robot Hugs hat einen Comic über sexuelle Gewalt an Kindern gemacht. [Englisch; TW: sexuelle Gewalt, grooming]

In an.schläge schreibt Brigitte Theißl über Klassismus und Sprache, und dass es eine Lösung dafür braucht.

Linkschau #25

Wie immer um diese Zeit finden sich hier die Gedanken anderer Menschen.

Auf „Don’t degrade Debs, Darling!“ findet sich in wichtiger Kommentar zum #metoo, was den gesellschaftlichen Umgang mit sexualisierter Gewalt angeht. Der Beitrag diskutiert sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung.

Und auch Hannah schreibt über #metoo und daüber wie Gewalt nur aufhören kann, wenn wir als Menschen Verantwortung für unser (gewaltvolles) Handeln übernehmen.

Marina von marinashutup erklärt in diesem Video den #metoo, wie es dazu kam, welche Rolle Harvey Weinstein dabei spielt und warum wir über rape culture reden müssen. [Englisch]

Wolf Wetzel schreibt im Migazin über den NSU-Prozess und die Bundesanwaltschaft.

Ein paar Gedanken zum Krankfeiern gibt es auf „auf einmal frei“. Was Ihr dazu denkt, könnt Ihr Euch dann selber überlegen, der Artikel hat schon mal ein paar interessante Anregungen.

Levi schreibt bei kleinerdrei über Erfahrungen mit Antisemitismus im öffentlichem Raum und einem möglichen Umgang damit.

Und auch bei kleinerdrei schreibt Dr. Vulva dieses Mal über Sexnormen, wie es in dieser Gesellschaft ist, keinen Sex gehabt zu haben und wie wir mit Menschen umgehen, die (noch) keinen Sex hatten.

Anna Akana hat auf ihrem Youtube-Channel einen Teil aus ihrem Buch verfilmt, in dem es um Schwangerschaftsabbrüche geht. [Englisch]

Auf ihrem Blog schreibt Laura Gehlhaar über ihre Wut über den Umgang der Gesellschaft mit Be_hinderung.

Vom Kika gibt es die Reihe „Schau in meine Welt“, in der hier Leah über ihr jüdisches Leben in Dresden berichtet.

Bei kleinerdrei schreibt Alwina über „Migration aus Kinderaugen„. Mehr will ich dazu gar nicht sagen, lest selbst.

Und nochmal bei kleinerdrei schreibt Alice über ihre Gedanken zum Bundestagswahlsonntag im September als Schwarze Frau in Deutschland.

 

Der Mythos vom Schicksal*

Wir haben alle schon Sprüche gehört wie „Das kann kein Zufall sein“, „Es kommt, wie es kommen muss“ oder „Wenn es sein soll, dann wird es auch passieren“. Ich glaube, dass wir mit einem Glauben an das Schicksal oder Vorbestimmung aufwachsen. Und auch wenn wir nicht (mehr) christlich oder gläubig sind (ich spreche hier vom Christentum, weil ich damit aufgewachsen bin und dazu am meisten sagen kann), tragen wir den Glauben an das Schicksal weiter mit uns rum. Ich sehe das in Büchern, Filmen oder Serien. Schicksalshafte Liebe, schicksalshaftes Drama, „meant to be“. Ganz besonders ist es mir noch von Christoph Marzis Roman „London“ in Erinnerung: wie in den vorherigen Büchern der Reihe wiederholen die Charaktere mantrahaft den Satz „Es gibt keinen Zufall“. Für mich schwingen dabei zwei Dinge mit:

  1. Wenn es kein Zufall ist, dann muss es Schicksal sein. (Interessant auch, dass diese beiden Konzepte sich als Gegenteile darstellen, und sich vermeintlich gegensetig ausschließen. Vielleicht muss ich darüber auch nochmal nachdenken und dann darüber schreiben.)
  2. Wenn es kein Zufall ist, dann muss es einen Grund/Sinn geben, den es herauszufinden gilt.

Beides ist für mich schwierig.

1) Ich glaube nicht an Schicksal. Ich glaube nicht, dass es Mächte gibt, die unser Leben lenken und die einen Plan für uns haben. Ich glaube nicht, dass uns bestimmte Wege vorbestimmt sind. Ich glaube, dass unsere Leben aus Aneinanderreihungen von Zufällen bestehen. Klingt chaotisch und unkontrolliert, und das ist es auch.

Ich glaube auch nicht, wenn Schicksal nicht Vorbestimmung ist, dass es einen bestimmten Weg gibt, den wir einschlagen sollen, wir bestimmte Dinge lernen sollen oder sich die Dinge magischerweise so entwickeln, wie es für uns passt (nicht unbedingt in einem positiven Sinne à la „wie wir es wollen“, sondern „wie es sein soll, damit wir uns ‚richtig‘ oder ‚gut‘ entwickeln“). Es gibt keinen Weg oder Faden, dem wir folgen sollen. Es gibt keine Menschen, die für uns oder für die wir bestimmt sind. Es gibt keine Lektionen, die wir lernen müssen, um dahinzukommen, wo wir hingehören. Es gibt keine ‚richtigen‘ oder ‚falschen‘ Entscheidungen. Es gibt kein „dem Schicksal folgen“ oder sich dagegen „auflehnen“. Ich glaube das nicht, weil es keinen Grund gibt, daran zu glauben. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass es so ist.

Das soll nun nicht heißen, dass ich nicht glaube, dass es Menschen gibt, die zentral für uns sind, von denen wir wertvolle Dinge lernen können oder die immer wichtig für uns sein werden, egal was passiert. Ich glaube, dass wir uns diese Menschen aussuchen, oder dass sie uns aussuchen. Dabei handelt es sich um Entscheidungen, die wir treffen. Ich glaube auch, dass wir im Leben einiges lernen können. Dabei gibt es aber kein für uns besonders bestimmtes Wissen. Es gilt, die Situationen zu nutzen, in denen wir uns wiederfinden und daraus das zu lernen, was wir können/brauchen/was uns nützlich ist. Manchmal schmerzt dieses Wissen auch. Und oft ist es nicht leicht, sich dieses Wissen anzueignen. Es erfordert Willen und Mut und Kraft, und passiert nicht von alleine.

Ich glaube, dass es Zufall ist, wen wir treffen im Leben. Das hat keinen inhärenten Sinn, aber Gründe. Da liegt für mich ein Unterschied, und damit bin ich auch schon bei

2) Gründe sind unsere eigenen Entscheidungen, und die von anderen Menschen, die uns an Orte führen, an denen wir andere Menschen treffen. Sinn ist dann, was wir daraus machen.

Es gibt im Leben keinen Sinn zu entdecken, oder den einen Sinn des Lebens, der für uns alle gilt. Das Leben und die menschliche Existenz haben keinen Sinn. Es gibt Leben und Tod und nach dem Tod ist nichts. Also leben wir, bis es vorbei ist. Und das Leben hat Sinn, wenn wir ihm Sinn geben. Und die Dinge sind relevant, denen wir Relevanz beimessen.

Gründe sind eine andere Nummer. Gründe für Ereignisse gibt es viele. Die liegen in den Menschen beGRÜNDEt, die Entscheidungen treffen, die dann zu Ereignissen/Ptozessen/Begegnungen usw. führen. Menschen haben meist auch nicht nur einen Grund, sondern viele für ihre Entscheidungen. Die Suche nach Gründen und das Bedürfnis nach Verständnis kann ich sehr gut nachvollziehen. Das ist auch das, was mich antreibt: Verständnis der menschlichen Existenz, wie wir sie uns machen. Das hat aber nichts mit Sinn zu tun.

Warum glaube ich also, dass wir mit einem Glauben an das Schicksal aufwachsen? Nun, das ist so: Jetzt habe ich in ziemlich vielen Zeilen dargestellt, was ich über Schicksal/Zufall und Sinn/Gründe glaube, was ich mir selber mit meiner Lebenserfahrung, meiner Ausbildung und meinem Verstand hergeleitet habe. Das macht Sinn und es fühlt sich richtig an. Und dann merke ich, dass ich immer wieder innerlich in so einen schicksalshaften Tenor hineinfalle. Dann sage ich mir selber Dinge wie „Wir sind füreinander bestimmt“, „Das kann so nicht enden“ oder „Das kann jetzt in meinem Leben nicht so passieren“. Dinge, von denen ich weiß, dass sie nicht stimmen. (Wir sind nicht füreinander bestimmt, niemand ist für irgendwen bestimmt. Alles kann enden. Und in meinem Leben sind einige Dinge passieren, mit denen ich weder gerechnet habe noch die ich so haben wollte.) Diese Dinge ploppen ungefragt in meinem Kopf auf. Dafür muss ich nicht viel machen. Das zeigt mir, dass dieser Glaube an das Schicksal älter ist als die vorher dargelegten Dinge und ich ziemlich lange damit sozialisiert worden sein muss.

Das Schicksal hat ja auch was Romantisches. Wenn es sein soll, dann wird es so werden. Die Welt wird schon dafür sorgen.

Das nimmt mir ja auch die Verantwortung zu handeln. Und das ist die Gefahr an diesem Mythos. Die Verantwortung zu handeln, wenn ich etwas möchte oder wenn mir etwas nicht passt, kann ich nie abgeben. Die liegt immer bei mir. Wenn wir nicht handeln, dann ist es uns nicht wichtig genug, oder wir sind zu faul, wir haben Angst oder es ist zu anstrengend. Ich glaube, es ist wichtig, sich das vor Augen zu führen und das auch zuzugeben anstatt Verantwortung immer wieder auf Andere (in diesem Fall das Schicksal) zu schieben. Nur dann können wir uns bewusst für Dinge entschieden und diese auch verfolgen.

—–

(* Das ist mein 600. Beitrag! >.<)

Linkschau #18

Es geht weiter mit dem üblichen Programm. Diesen Monat nicht so viel, denn wie bereits erwähnt, hatte ich im März kaum Kapazitäten für irgendwas und war auch die letzten Wochen eher beschäftigt.

Bei der taz schrieb Hengameh Yaghoobifarah über (Online-)Feminismus und das Verzeihen.

Und auch in der taz gab es ein Interview mit Norbert Fischer über die Feuerbestattung und das Christentum.

Im LowerClassMagazine gibt es einen Artikel darüber, wie wir revolutionär leben können.

Mareice Kaiser gibt im Missy Magazin einen Buchtipp, in dem um Frauen in der Geschichte geht.

Bei autostraddle schreibt Heather Hogan über Beauty and the Beast und die Entwicklung von schwulen Charakteren bei Disney. [Englisch]

Juliane Löffler schreibt bei kleinerdrei über die Frage, wie öffentlich ihre Liebe als nicht-heterosexuelle Frau sein muss.

In ihrem Blog gibt Noah Sow ein Update zum Allgemeinen Gleichstellungsgesetz.

Naekubi schreibt in ihrem Blog über Whitewashing von asiatischen Charakteren und die besonders fragwürdige Legitimation dieser Praxis.

Und nochmal bei autostraddle finden ihr Yao Xiao’s Comic zum Thema Psychotherapie.