Linkschau #17

Dieses Mal ist die Liste besonders lang. Zumindest ist das mein Eindruck. Los geht’s also!

Frau Gehlhaar schreibt über Dating mit ihrer Behinderung. [Englisch]

Mark Terkessidis schreibt in der taz-Reihe „Über Rassismus reden“ über Rassismus und die eigene deutsche Geschichte damit, im Gegensatz zur amerikanischen Rassismusgeschichte.

Bei der Mädchenmannschaft schreibt Nadia über Frauen und die Angst vorm Autofahren. Und wie sie diese überwunden hat.

Bei umstandslos schreibt eine anonyme Autorin über Sex nach der Trennung von ihrem langjährigen Partner.

Jennifer Trafton schreibt bei The Rabbit Room über La La Land und spricht mir teilweise aus der Seele. Mehr dazu in meinem nächsten Artikel zu La La Land und Diversität. [Englisch]

kaptainkristian hat auf seinem Channel ein Video zu Who Framed Roger Rabbit gemacht, das ich wärmstens empfehlen kann. Vor allem, weil ich Leute dazu animieren möchte, den Film auch zu gucken. [Englisch]

fuckermothers schreibt über das Alter von Eltern und das gesellschaftliche Bedürfnis, dieses Alter zu kommentieren. Ganz gleich, ob eins nun angeblich „zu jung“ oder „zu alt“ ist. Mit historischer Erklärung.

Georg Löwisch, Chefredakteur der taz, schreibt in ebendieser über die Verhaftung von Deniz Yücel durch den türkischen Staat.

Julie schreibt zum Equal Care Day darüber, wie in ihrer Familie die Care-Arbeit aufgeteilt ist.

Das Nuf schreibt über Computerspiele, und warum diese von Eltern im Gegensatz zu Büchern als so schädlich wahrgenommen werden.

Bei umstandslos schreibt Susi Krautgartner über Künstlerin-Sein und Mutter-Sein.

In der Zeit gibt es ein Interview mit Dirk und Jeanette van Laak, Historiker*innen, über die Erinnerungskultur in Deutschland und Geschichte.

Shawn Taylor schreibt bei the Nerds of Color über die aktuelle Black Culture sowie die Filme Moonlight und Get Out. [Englisch]

Zen Pencils hat einen neuen Comic zu Stephen King.

Naekubi schreibt auf ihrem Blog über ihren Medienkonsum und ihre sehr persönliche Bindung zu Heidi.

Bei von guten Eltern schreibt Anja über die Probleme, die entstehen, wenn niemand mehr Hebamme werden möchte.

Sarah Kurchak schreibt bei The Establishment über Depressionen und Sport. [Englisch]

Auf kleinerdrei schreib eine anonyme Autorin einen Brief an ihren Vergewaltiger. [TW: sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung]

Und noch in Artikel von Sarah Kurchak bei The Establishment, diesmal über den Film The Accountant und die Rolle von Autismus in Kunst.

Minusch schreibt bei umstandlos über Gewalterfahrungen in ihrer Beziehung. [TW: häusliche Gewalt]

Und auch bei umstandslos schreibt Li-Ming über die Kleinfamilienfalle.

Und zu guter Letzt schreibt sookee bei broadly. wie sie Feministin geworden, und warum das wichtig ist.

Linkschau #12

Nicht nur ich, auch andere Menschen denken Dinge. Ha!

Emma Lindsay schreibt übers Single-Sein. [Englisch]

Marco macht wie immer tolle Fotos und schreibt über den Kaukasus. Dieses Mal über Batumi, Georgien.

In The New York Times schreibt Viet Thanh Nguyen über die Erfahrung, ein refugee zu sein. [Englisch]

Die Künstlerin Yana Mazurkevich widmet sich in ihren Bildern sexueller Gewalt, worüber Alanna Vagianos in ihrem Artikel schreibt. Der Artikel zeigt alle von Mazurkevichs Bildern, die sehr deutlich sind. Trigger Warnung: Rape/Vergewaltigung, sexuelle Gewalt. [Englisch]

Fuckermothers schreiben auf ihrem Blog über Alternativen für die Lohnarbeit und warum die meisten Menschen heute zu müde sind, um dafür zu kämpfen.

In diesem TedTalk erklärt Chimamanda Ngozi Adichie, warum wir alle Feminist*innen sein sollten.

Bei umstandslos schreibt Maren über Trauer und wie andere Menschen helfen können.

The belle jar schreibt über Depressionen und die Auswegslosigkeit, die Depressionen haben können. Trigger Warnung: Suizid. [Englisch]

Bei ze.tt schreibt Gunda Windmüller über ein Phänomen, das viele Menschen in meiner Umgebung auch kennen und sich entweder sehr wohl darin fühlen, oder sehr unzufrieden damit sind: die Nicht-Beziehung. Danke an L. fürs Teilen.

Hannah schreibt über den Mut, die eigene Stimme zu erheben, für sich selbst.

Bei kleinerdreit schreibt Kati über die Call-Out-Kultur, in der wir zum Teil leben, und was sie daran problematisch findet.

Und das war’s für dieses Mal. Viel Spaß mit den Gedanken, macht Euch Eure eigenen und so.

Linkschau #11

Woop woop! Gedanken anderer Menschen und so. Weil alle meine Gedanken in die Masterarbeit fließen…

Houssam Hamade schreibt in der taz über die Linke und die dortige Rezeption des Islams (Spoiler Alert: Kritik am Islam ist meist nur eine Bestätigung rassistischer Diskurse).

Your Fat Friend schreibt über Körperbilder und Fett. [Englisch]

In der Zeit Campus schreiben drei Autor*innen über die neue radikallinke Bewegung und ihre Kritik an der Gesellschaft, in der wir leben.

Eva Marie Kogel schreibt in der Welt über (sexuelle) Gewalt an Frauen in Syrien. [TW: Vergewaltigung, Folter, Gewalt]

In der Jungle World schreibt Sebastian Weiermann über die Notwendigkeit innerhalb der Linken, sich wieder mit Arbeit zu beschäftigen.

Hannah Witton hat auf youtube eine neue Kolumne gestartet, in der sie von ihrem Weg weg von der Pille erzählt. Bisher gibt es eine Folge. [Englisch]

Bei ustandslo schreibt Frau Taugewas über die Beziehung zu ihrem Kind und den Begriff „Wunschkind„.

Mirna Funk gibt bei der Zeit einen Einblick in das Leben jüdischer Menschen in Deutschland.

Bei der taz schreibt Hülya Gürler über den Streit in Berlin über ein Mahnmal für die Opfer des Massakers von Dersim in der Türkei.

Jan Werkener schreibt im Tagesspiegel über den Horror, der sich in geheimen Gruppen bei facebook auftut, in denen Menschen laufen rechte Straftaten begehen, die nach momentanem Stand nicht verfolgt werden können.

Und zum Abschluss zwei Videos: Nerdwriter erzählt von der Truman Show und was sie uns über Politik lehren kann (never accept the world). [Englisch] Und Rosianna spricht über Körperbilder bei Erwachsenen. [Englisch]

Linkschau #7

Ich habe wieder so viel im Kopf, aber keine Schreibmotivation. Und auch nicht so viel Zeit. Dafür Links von anderen Menschen!

Ein TEDTalk von R. Luke DuBois über Kunst und Daten und Leben und Gesellschaft. (Sehr aussagekräftig, ich weiß.)

In der taz gab’s ein Interview mit Enno Schmidt zum Bedingungslosen Grundeinkommen.

Und im WDR gibt’s eine Doku über die Ausländerbehörde in Hamm. Ich bin von der journalistischen Herangehensweise nicht so überzeugt, und es gibt auch so einiges an Schwarz-und-Weiß-Malerei und generell habe ich sehr viel dazu zu sagen, was nicht hierhin passt. Aber die Ausländerbehörde war eine der wenigen Ausländerbehörden, die überhaupt eine Drehgenehmigugn erteilt haben. Es geht in der Doku vor allem um Asylverfahren, Abschiebungen etc. (was nicht alles ist, was eine Ausländerbehörde macht, aber auch das ist eine andere Geschichte) und ist ein interessanter Einblick.

Nadia schrieb über den Fall Gina-Lisa Lohfink und ich wiederhole ihre Trigger Warnung „für alles“. Was da gerade abgeht ist die größte Scheiße aller Zeiten, leider nicht verwunderlich in dieser Gesellschaft. Und wer noch mehr dazu lesen will, kann ja auch noch diesen Spiegel-Artikel lesen.

Naekubi schreib einen Nachruf auf Rupert Neudeck, der sehr lesenswert ist.

Bei umstandslos schreibt Heidi über die ewigen Fragen anderer Menschen, ob ihr Kind schon „sauber“ sei. Und dazu stellt sie relevante Fragen.

Und Hannah hat relevante Dinge zum Anschlag in Orlando zu sagen. Einen besseren Kommentar dazu habe ich noch nicht gefunden.

Und vielleicht schaffe ich es diese Woche, noch was Anderes zu formulieren. Ich habe schon angefangen. Vor allem schreibe ich aber Masterarbeit. >.<

Wie ich auf einem Schiff ein Buch las oder: Was ist eigentlich Belästigung?

Auf der Rückkehr von meinem Aufenthalt in Litauen ereignete sich folgende Situation auf der Fähre: Die Fährüberfahrt dauert ca. 22 Stunden. Das bedeutet, dass Menschen auf der Überfahrt auf jeden Fall irgendwie übernachten müssen.[1] Zur Auswahl gab es Kabinen oder einen großen Schlafraum mit vielen Schlafsitzen, der nicht abschließbar war. Mein Budget reichte nur für einen Schlafsitz in dem großen Schlafraum.

Die Überfahrt an sich war toll. Ich konnte mich gut von Litauen verabschieden und es gab Zeiten, in denen mensch kein Land mehr sehen konnte, sondern nur die Ostsee drum herum. Faszinierend und sehr schön. Ich hatte mir auch kein Buffet bestellt, sondern mein eigenes Essen mitgenommen, da Essen bestellen mit meinen Diäten immer besonders schwierig ist. Im Schlafraum hatte ich gleich drei Sitze für mich, da es auf hundert Sitze ungefähr zehn Menschen gab. In der Reihe hinter mir saß ein älterer Herr, der mich sehr freundlich auf Litauisch zuquatschte, mir eine Zeitung und einen Schokoriegel anbot. Alles auf sehr respektvolle und freundliche Weise.

Abends saß ich in einer der Sitzecken (es gab zwei Bars und einen Essbereich), aß mein eigenes Essen und las sehr eindeutig ein Buch. Irgendwann schon eher später (zwischen 22 und 23 Uhr) kam ein stark alkoholisierter junger Mann auf mich zu und sprach mich an.

  1. Ich war offensichtlich am Lesen und hatte keinerlei Interesse an einem Gespräch. Es ist mir immer wieder unerklärlich, wie Menschen lesende Menschen missverstehen können. Wir lesen. Das ist das Gegenteil von Reden.
  2. Der Typ kam mir gleich viel zu nah und begann Small Talk. Small Talk! Nichts ist schlimmer für mich, wenn ich lese, als Menschen, die Small Talk machen wollen. Du hast eine konkrete Frage? Okay, hau rein und zieh Leine. Du willst Small Talk machen? Alte*r, ich lese!
  3. Er war stark alkoholisiert. Stark alkoholisierte Menschen sind tendenziell eher unangenehme Gestalten. Es ist schwer einzuschätzen, wie sie worauf reagieren werden.
  4. Ich war allein und kannte auf dem Schiff niemenschen. Der Raum, in dem ich schlafen sollte, war nicht abschließbar.

Alles in allem war schon allein sein Ansprechen eine eher bedrohliche Situation. Er wollte sich mit eindeutig sexuellen Interessen mit mir unterhalten und mich kennenlernen. Darauf hatte ich keine Lust, also versuchte ich ihm das klarzumachen, indem ich ihn fragte, wie ich ihm helfen könne. Er versuchte für geschlagene zehn Minuten, mich in ein Gespräch zu verwickeln, das ich nicht führen wollte. Ich wollte mein Buch zu Ende lesen. Irgendwann schien er aus meinem einsilbigen Gesprächsverhalten zu verstehen, dass ich kein Interesse hatte und verschwand. Nur um fünfzehn Minuten später wieder zu kommen und dieses Mal direkt in meinem Gesichtsfeld zu stehen. Also wieder viel zu nah.

Ich war sofort total erschrocken (ich betone an dieser Stelle nochmal, dass ich in mein Buch vertieft war) und fragte ihn sehr ruppig, was er von mir wolle. Ich stellte mir vorsichtshalber die Frage, ob ich wohl mit meinem Ehering vor seinem Gesicht rumwedeln sollte, um ihn loszuwerden.[2] Er reagierte auf mein ruppiges Verhalten aber zum Glück mit einem sofortigen Abzug.

Das Ganze sorgte dennoch dafür, dass ich mich den Rest der Nacht unwohl fühlte. Mehrmals lief der Typ in meinem Sichtfeld vorbei und starrte mich an. Der Gedanke, dass ich schutzlos in einem Raum schlafen würde, der nicht abschließbar ist, kam mir ca. alle zehn Minuten.

Eigentlich hatte ich mir in der Nacht noch einmal die Sterne anschauen wollen. Ich ging davon aus, dass mensch mitten auf dem Meer viel mehr Sterne würde sehen können als in einer Stadt. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Aus Angst traute ich mich jedoch nicht mehr aus dem Innenraum heraus. Wie einfach wäre es für den Typen (oder auch einen anderen Typen), mir einfach zu folgen und mich draußen weiter zu belästigen? Wie einfach wäre es, mich über die Reling zu schubsen mitten in der Nacht? Das würde ja keine Menschenseele mitbekommen.

Am nächsten Morgen habe ich mich extra über den Typen und sein Verhalten geärgert, weil mir aus Selbstschutz ein wahrscheinlich toller Anblick vorenthalten wurde. Ich fühlte mich belästigt, bedroht und in meiner persönlichen Freiheit eingeschränkt. Je mehr ich darüber nachdachte, diesen Eintrag zu schreiben, umso mehr begann ich mich zu fragen, was Belästigung denn eigentlich genau sei, und machte mich auf die Suche.

Dem Duden nach sind Synonyme zu Belästigung a) Behelligung, Störung, (salopp) Anmache, und b) Annäherungsversuche, Aufdringlichkeit, Zudringlichkeit, (salopp) Anmache. Laut dem Wiktionary ist die Bedeutung von Belästigung „nachhaltiges Einwirken auf Personen, was als unangenehm empfunden wird“. Sinnverwandte Wörter sind Aufdringlichkeit, Zudringlichkeit und östr. Sekkatur.

Im Gesetz taucht Belästigung vor allem im Sinne von sexueller Belästigung auf. Alles Andere scheint nicht strafbar zu sein. Aber was ist sexuelle Belästigung? Laut Wikipedia ist sexuelle Belästigung, die Form von Belästigung, die „insbesondere auf das Geschlecht der betroffenen Person abzielt“.

Die Frauenberatungsstelle Osnabrück hat ein Info-Heftchen rausgegeben „Tipps für die Wildnis bei sexueller Belästigung“ (Achtung, Downloadlink für PDF). Die Broschüre erklärt in ihrem Vorwort direkt, dass sexuelle Belästigung als gesellschaftliches Thema nicht ernst genommen, sondern eher verharmlost wird, und betont, dass was als sexuelle Belästigung definiert wird, vor allem von der belästigten Person abhängt.

Als sexuelle Belästigung wird „sexuell motiviertes Verhalten, das für die Betroffenen unerwünscht ist und sie als Person und/oder Frau herabwürdigt und dabei ihre persönlichen Grenzen verletzt“ definiert; dazu gehören u.a.:

  • Körperliche Berührungen und Übergriffe
  • Bemerkungen und Gesten mit sexuellem Inhalt
  • Exhibitionistische Taten
  • Aufforderungen zu sexuellen Handlungen
  • Sexuelle Angebote
  • Zweideutige Witze oder Sprüche
  • Sexuelle Anzüglichkeit
  • Beleidigungen mit sexuellem Inhalt

Aus den o.g. Definitionen und Erklärungen würde ich schließen, dass mir Belästigung widerfahren ist. Vielleicht sogar sexuelle Belästigung (nach Wikipedia), da es dem Typen klar um mein Geschlecht ging und um potentielles Kennenlernen/sexuelle Handlungen. Allerdings würde ich nicht unbedingt von sexueller Belästigung reden, da er keine sexuellen Handlungen angedeutet oder mich dazu aufgefordert hat. Belästigung war es meiner Einschätzung nach aber auf jeden Fall. Allerdings gibt es in solchen Fällen keine rechtliche Handhabe gegen die Täter*innen. Wie geht mensch am besten mit solchen Erfahrungen um? Wie kann mensch sich direkt in der Situation schützen? Wie können wir am besten den gesellschaftlichen Dialog über solche Erfahrungen öffnen und mehr Menschen dafür sensibilisieren?

[1] Oder an der Bar sitzen bleiben, sowas ist ja jeder*m selbst überlassen.

[2] Dies ist immer meine letzte Option, da ich es nicht einsehe, mich hinter einem anderen Mann zu verstecken. mMn sollte es ausreichen, wenn ich einem Mann sage, dass ich kein Interesse habe, unabhängig davon, ob ich vergeben bin oder nicht. Aber der Ring funktioniert auf jeden Fall.