Linkschau #22

Es kommt ein bisschen spät, und es gibt diesen Monat auch nicht viel zu empfehlen. Und hier ist es also:

Kersten Augustin schreibt in der taz über Arbeit. Oder weniger Arbeit.

Auf der VidCon spricht Francesca Ramsay darüber, dass unser Handeln nicht immer ein Publikum braucht. [Video]

Sinthujan Varatharajah schreibt bei der Böll-Stiftung über die Gründung von Unternehmen, um Geflüchteten zu helfen, und dem Problem ihres Weiß-Seins.

Und dann zwei Comics von Zen Pencils: In Anonymous Creativity geht es darum, dass unsere Kreativität größer sein kann, wenn wir sie nicht für ein Publikum und für unseren eigenen Ruhm machen. In The Eternal Struggle geht es darum, dass das Ausleben von Kreativität immer ein Kampf ist, dem wir uns immer wieder stellen müssen. [beide Englisch]

Im Migazin schreiben Isabella Greif und Fiona Schmidt über den NSU-Prozess und wie der Stand, im Versuch sich selbst zu schützen, die Aufklärung weiterhin verhindert.

Glokal hat mit anderen Unterzeichner*innen einen Aufruf veröffentlicht, um das Schweigen über den Umgang mit Geflüchteten auf dem Mittelmeer zu brechen. Relevant und deswegen unbedingt lesenswert.

Dance it out

Erwiesenermaßen bin ich ein Fan von Grey’s Anatomy. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich hier schon mal erwähnt habe, dass ich die Serie nun seit fast zehn Jahren verfolge. Diese Charaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen, sie sind fast wie Freund*innen, mit denen ich nicht reden kann, deren Leben ich aber verfolge. (Das klingt jetzt ziemlich stalkerig. Zum Glück geht es hier um eine Fernsehserie, und nicht um Freund*innen aus dem Alltag.)

Erwiesenermaßen sind Meredith Grey und Cristina Yang sehr gute Freundinnen. „You’re my person“, sagen sie einander. Nicht irgendein Mann ist „the person“ („der Mensch“), sondern die beste Freundin. Irgendwann wollte ich mal einen Post über die Freundinnenschaft der beiden schreiben, und leider bin ich nie dazu gekommen. Ich vermute, dass ich dann nochmal einen Grey’s Anatomy-Marathon durchziehen und alle (!) wichtigen Dinge rausschreiben müsste. Und dafür habe ich gerade überhaupt keine Zeit. Wahrscheinlich auch später nicht mehr. Halten wir also nur fest, dass die beiden die besten Freundinnen sind und sich gegenseitig unterstützen und halten, durch den ganzen Scheiß, durch den sie gegangen sind. (Wenn ich mir Cristinas Geschichte mit Männern angucke, bin ich irgendwie getröstet. Cristina durfte nämlich keinen Derek haben, so wie Meredith. Und ich schweife ab.)

[Spoiler!] Erwiesenermaßen ist Cristina dann irgendwann gegangen. (Lange Geschichte. Guckt doch einfach die Serie selbst.) Und Meredith hat noch andere Freund*innen (allen voran Alex, Alex FTW), und auch zwei Schwestern. So. Worauf will ich hinaus?

Meredith und Cristina hatten so ein Ritual, das sie durchgezogen haben, immer wenn es scheiße lief im Leben. Und das Ritual ist „dance it out“. Laute Musik, Freund*innen, Tanzen. Auch andere Menschen haben immer wieder beim Tanzen mitgemacht. Manchmal hat es auch eine alleine gemacht. Und immer wieder wird getanzt. Mit oder ohne Alkohol. Auf Partys, alleine, im Wohnzimmer, in der Küche, im Krankenhaus, auf dem Tisch. Zu jedem Problem. Tanzen löst vielleicht das Problem nicht. Und tanzen hilft.

Ich war nie eine passionierte Tänzerin. Ich habe mich in meinem Körper lange Zeit nicht wohlgefühlt. Ich finde, ich kann nicht besonders gut tanzen. Meistens tanze ich langweilig vor mich hin. Und manchmal tanze ich es raus. Ich habe erst im letzten Jahr damit angefangen. Warum eigentlich? Das weiß ich selber nicht so genau. Vielleicht weil ich mich in meinem Körper wohler fühle. Vielleicht weil ich genug Selbstbewusstsein dazu gewonnen habe. Vielleicht weil mir die Urteile anderer Menschen immer egaler geworden sind. Dann tanze ich halt langweilig. Immerhin tanze ich. Und tanzen genügt. Irgendwie. Tanzen hat noch keins meiner Probleme gelöst. Dafür hat Tanzen Hormone frei gesetzt. Und Tanzen fühlt sich gut an. Ich habe beim Tanzen geweint, gelacht, geschrieen. Ich tanze alleine oder mit Freund*innen. In der Küche, auf meinem Zimmer, auf Tischen in Brüssel, am Strand in Tel Aviv oder an der Nordsee. Mit laut aufgedrehter Musik oder mit Kopfhörern. Zu Musik in mindestens sechs verschiedenen Sprachen (Moment. Deutsch, Englisch, Französisch, Litauisch, Arabisch, Türkisch. Ja.) Zu verschiedenen Genres, von HipHop zu Elektro zu Folk.

Tanzen setzt Energie frei, und Emotionen. Tanzen befreit. Und Tanzen hilft. Ich plädiere für mehr Tanzen, ohne Scham, überall wo es uns überfällt und wenn wir es brauchen.

Und dann war da noch Nietzsche. „Und die, die tanzten, wurden für verrückt gehalten von denjenigen, die die Musik nicht hören konnten.“

Und jetzt hassen wir alle La La Land

[Der Text ist nicht spoilerfrei in Bezug auf La La Land!]

Ich hatte vor ein paar Tagen ein kurzes Gespfäch mit einer Mitbewohnerin, das mich zum Nachdenken gebracht hat. In dem Gespräch ging es eigentlich um Moonlight, aber dann auch irgendwie um La La Land. Ja, ich habe den Oscar-Fauxpax mitbekommen und finde ihn sehr traurig und peinlich. Und ja, ich habe beide Filme gesehen. La La Land lief hier in der OV Sneak Preview, also als Überraschungsfilm, im Dezember oder im Januar, ich bin mir gerade nicht so sicher, da habe ich ihn gesehen. Moonlight habe ich am Wochenende auch in der OV gesehen. Weiterlesen »

Linkschau #17

Dieses Mal ist die Liste besonders lang. Zumindest ist das mein Eindruck. Los geht’s also!

Frau Gehlhaar schreibt über Dating mit ihrer Behinderung. [Englisch]

Mark Terkessidis schreibt in der taz-Reihe „Über Rassismus reden“ über Rassismus und die eigene deutsche Geschichte damit, im Gegensatz zur amerikanischen Rassismusgeschichte.

Bei der Mädchenmannschaft schreibt Nadia über Frauen und die Angst vorm Autofahren. Und wie sie diese überwunden hat.

Bei umstandslos schreibt eine anonyme Autorin über Sex nach der Trennung von ihrem langjährigen Partner.

Jennifer Trafton schreibt bei The Rabbit Room über La La Land und spricht mir teilweise aus der Seele. Mehr dazu in meinem nächsten Artikel zu La La Land und Diversität. [Englisch]

kaptainkristian hat auf seinem Channel ein Video zu Who Framed Roger Rabbit gemacht, das ich wärmstens empfehlen kann. Vor allem, weil ich Leute dazu animieren möchte, den Film auch zu gucken. [Englisch]

fuckermothers schreibt über das Alter von Eltern und das gesellschaftliche Bedürfnis, dieses Alter zu kommentieren. Ganz gleich, ob eins nun angeblich „zu jung“ oder „zu alt“ ist. Mit historischer Erklärung.

Georg Löwisch, Chefredakteur der taz, schreibt in ebendieser über die Verhaftung von Deniz Yücel durch den türkischen Staat.

Julie schreibt zum Equal Care Day darüber, wie in ihrer Familie die Care-Arbeit aufgeteilt ist.

Das Nuf schreibt über Computerspiele, und warum diese von Eltern im Gegensatz zu Büchern als so schädlich wahrgenommen werden.

Bei umstandslos schreibt Susi Krautgartner über Künstlerin-Sein und Mutter-Sein.

In der Zeit gibt es ein Interview mit Dirk und Jeanette van Laak, Historiker*innen, über die Erinnerungskultur in Deutschland und Geschichte.

Shawn Taylor schreibt bei the Nerds of Color über die aktuelle Black Culture sowie die Filme Moonlight und Get Out. [Englisch]

Zen Pencils hat einen neuen Comic zu Stephen King.

Naekubi schreibt auf ihrem Blog über ihren Medienkonsum und ihre sehr persönliche Bindung zu Heidi.

Bei von guten Eltern schreibt Anja über die Probleme, die entstehen, wenn niemand mehr Hebamme werden möchte.

Sarah Kurchak schreibt bei The Establishment über Depressionen und Sport. [Englisch]

Auf kleinerdrei schreib eine anonyme Autorin einen Brief an ihren Vergewaltiger. [TW: sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung]

Und noch in Artikel von Sarah Kurchak bei The Establishment, diesmal über den Film The Accountant und die Rolle von Autismus in Kunst.

Minusch schreibt bei umstandlos über Gewalterfahrungen in ihrer Beziehung. [TW: häusliche Gewalt]

Und auch bei umstandslos schreibt Li-Ming über die Kleinfamilienfalle.

Und zu guter Letzt schreibt sookee bei broadly. wie sie Feministin geworden, und warum das wichtig ist.

Linkschau #10

Es haben sich sehr viele Links (Artikel und Talks) angesammelt, weil ich immer wieder nur auf Merken geklickt habe und keine Zeit hatte, um mich hinzusetzen, und einen Beitrag zu schreiben. Aber jetzt! Heute Abend habe ich mehr Zeit für mich selbst und deswegen endlich auch mal wieder Muße, um mit Euch zu teilen, was mich beschäftigt hat. Zugegebenermaßen bleibe ich dem Internet und Nachrichten gerade relativ fern (einerseits weil ich nach Stunden in der Bib vor dem Rechner keine Lust mehr habe am Computer zu sitzen und andererseits, weil eh nichts Gutes passiert).

Halina Wawzyniak schreibt über die Probleme mit dem neuen Sexualstrafrecht und was es eigentlich genau sagt.

Jamila Raqib erzählt in ihrem TedTalk, was es braucht, damit auch gewaltfreier Widerstand funktioniert und dass dieser nicht unbedingt einfacher ist als anderer Widerstand, sondern sogar genau so viel wenn nicht mehr Organisation braucht. [Englisch]

In der taz schreibt Laila Oudray, warum sie nicht nur über Migration schreiben möchte, und es dennoch manchmal tut. Dabei sagt sie einiges über unsere Gesellschaft.

Gabriele Boos-Niazy erklärt beim Migazin das deutsche Recht und warum jetzt nicht die Scharia in Deutschland eingeführt wird.

Bei umstandslos schreibt Cornelia übers Gebären und die verschiedenen möglichen Stellungen.

Tove Tovesson schreibt im Missy Magazine über das Trans-Sein in einer transfeindlichen Welt.

Und damit es nicht zu viel zu lesen wird, gibt es noch zwei youtube-Videos. Einmal zeigt Sidney Frenz, welchen Scheiß weiße Deutsche zu Schwarzen Deutschen sagen. Und dann wird Hadnet Tesfai zu ihrem Schwarz-Sein in Deutschland interviewt.

Sehr spannend erklärt hier Cutcha Risling Baldy, warum sie The Walking Dead als ein Beispiel benutzt, um über den Mord an den Native Americans zu sprechen. [auf Englisch]

Im Migazin schreibt Birol Kocaman darüber, warum wir den rechten Terror in München auch so und nicht Amoklauf nennen sollten.

Noch ein TedTalk, für alle, die nicht mehr lesen wollen: Isaac Marion erzählt uns, warum wir die Apokalypse brauchen und was dabei Gutes für unsere Gesellschaft passieren kann. [Englisch]

Hier gibt es Kunst, die traditionelle Blumenkränze aus Polen reproduziert. Wirklich schöne Bilder! (Und wenig zu lesen.) [auf Englisch]

kaptainkristian erzählt was über den Anime FLCL, den ich selber nicht gesehen habe. Klingt aber so, als sollte ich den mal sehen. [auf Englisch]

Kübra Gümüşay erklärt, warum sie nicht zu immer sofort eine Meinung hat und auch nicht haben will.

Und Gavin Aung Than, oder auch ZenPencils, macht einen Comic über Dinge, die Väter/Eltern so denken. [auf Englisch]

Und das war’s. Puh! DAs nächste Mal wieder eher, damit es nicht so anstrengend wird.