Linkschau #26

Jedes Mal muss ich nachgucken, bei welcher Zahl in dieser Reihe ich angekommen bin. Mittlerweile also wohl zum 26. Mal und zum letzten Mal in diesem Jahr. Credit where credit is due. Ich habe so viele Beiträge in der pipeline, aber keinen Kopf und keine Zeit, um mich damit zu befassen. Viele Ideen. Alle verschwinden im Sand.

In der New York Times schreibt David Finch über Liebe und die RZB (Romantische Zweier-Beziehung) und wie er gelernt hat, Verantwortung für sein eigenes Glück zu übernehmen. [Englisch]

Simone schreibt bei der Mädchenmannschaft über Rassismus und Fremd- und Selbstwahrnehmung.

Im Legal Tribune Online schreibt Ulrike Lembke über Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, den legalen Rahmen und den Prozess gegen Kristina Hänel.

Ibrahim Arslan schreibt in der ak über das Erinnern an die Opfer rechter Gewalt und wie schwierig es ist, das Schweigen zu brechen.

Bei kleinerdrei schreibt Levi über Leitkultur und Jüdisch-Sein in Deutschland.

Auf „Don’t degrade Debs, Darling!“ geht es dieses Mal um Namen.

Konrad Litschko schreibt in der taz über den NSU-Prozess und die Reden der Nebenkläger*innen/Angehörigen der Opfer.

Anna Akana hat ein Video darüber gedreht, dass es okay ist, nicht okay zu sein (so heißt auch das Video, duh) und dass es wichtig ist, auch die Gefühle zuzulassen, die oftmals scheinbar nicht okay sind. [Englisch]

Robot Hugs hat einen Comic über sexuelle Gewalt an Kindern gemacht. [Englisch; TW: sexuelle Gewalt, grooming]

In an.schläge schreibt Brigitte Theißl über Klassismus und Sprache, und dass es eine Lösung dafür braucht.

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Keep calm and trust Snape

Severus Snape ist keine besonders liebenswerte Person. Er hat schikaniert und diskriminiert, und hat Anderen nicht viel Gutes gegönnt, vor allem Harry Potter nicht. (Oder seinem Vater, James.) Dennoch ist Snape ein heiß geliebter Charakter. Ich besitze ein T-Shirt mit dem Titel dieses Artikels, und ich trage es gerne. Ich war eine der Menschen, die nach Harry Potter and the Half-Blood Prince (Harry Potter und der Halbblutprinz) gesagt hat, dass Snape auf der guten Seite steht. Ich war davon überzeugt, dass Albus Dumbledore sich in dieser Sache nicht getäuscht hatte, auch wenn alles dagegen sprach. Und mit The Deathly Hallows (Die Heiligtümer des Todes) wurde ich bestätigt: Snape hatte sich für die gute Sache entschieden, hatte Harrys Leben gerettet und war dafür gestorben. Vielleicht ist es auch die ganze Tragik der Geschichte von Snape, weswegen so viele Menschen ihn mögen: die tragische Liebe zu Lily Evans, von der wir nur so wenig wissen. Es gibt gute FanFiction, die sich damit befasst, welche Gefühle Lily wohl für Snape hatte, bevor er den Weg auf die dunkle Seite der Macht (sorry) eingeschlagen hat. Wissen werden wir es nie, weil wir nur Snapes Seite der Geschichte kennen, und da wissen wir: Er hat sich auf die gute Seite geschlagen, weil er Lily immer geliebt hat, und weil er sich für ihren Tod verantwortlich gefühlt hat bis zum bitteren Ende. Tragische Liebe zieht wahrscheinlich immer.

Warum schreibe ich darüber? Das Internet ist voll mit Harry Potter, denn diesen Monat vor zwanzig Jahren ist der erste Band veröffentlicht worden. So früh bin ich nicht zu Harry Potter gekommen. Mit elf (also zwei oder drei Jahre nach der Veröffentlichung) hatte ich noch nie was von Harry Potter, Hermione Granger oder Ron Weasley gehört. Irgendwann kurz danach habe ich das Buch dann doch gelesen, weil meine damals beste Freundin es empfohlen hatte. Ich würde nicht sagen, dass mit Harry Potter meine Begeisterung für Fantasy begann. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich auch vorher schon fantastische Geschichten gelesen. Dafür bin ich mit Harry Potter aufgewachsen und erwachsen geworden. Die Bücher haben mich durch meine Gymnasialzeit begleitet und seitdem habe ich sie mehrere Male gelesen. Nach Harry Potter kam der Herr der Ringe, und damit begann mein ganzes nerdiges Internetleben. Und Herr der Ringe war sehr wichtig für mich, aber für meine persönliche Entwicklung war und ist Harry Potter immer noch wichtiger.

Ich würde nicht sagen, dass ich die Bücher jedes Jahr lese, aber vielleicht jedes zweite. Das würde bedeuten, dass ich alle sieben Bücher schon an die sechs Mal gelesen habe. Ich könnte unendlich viele Seiten darüber schreiben, was ich daran liebe. Oder wie wichtig Hermione immer für mich war, weil sie gerne gelesen hat. Und ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, sondern dass es so viele Frauen und Mädchen auf der Welt gibt, für die Hermione eine wichtige Identifikationsfigur geworden ist. Ebenso wie Luna Lovegood oder Tonks oder Ginny Weasley.

Und doch. Und doch ist und war die Zeit der Marauders (also die Zeit, in der Harrys Eltern gelebt haben) immer am faszinierendsten für mich und vor allem die Freundschaft zwischen James, Sirius, Remus und Peter, ihre Feindschaft mit Snape und Lily Evans zwischen alldem. Vielleicht, weil wir immer noch so wenig darüber wissen, oder uns unseren eigenen Canon ausgedacht haben (wenn Ihr wissen wollt, wovon ich rede, dann solltet Ihr „The Times of Our Lives“ googeln, FanFiction über genau die Zeit, und zwar richtig gut geschrieben, leider nie beendet, also falls Ihr es ertragen könnt, dass wir nie wissen werden, was genau passiert, fangt ruhig an zu lesen). Es gibt auch so viel schöne Fanart dazu und meinen eigenen Canon in meinem Kopf plus ungefähr fünf nicht beendete Geschichten zu genau dieser Zeit im Harry Potter-Universum.

Ich kann viel über Harry Potter schreiben, aber eigentlich bleibt am Ende nur, dass es mich geprägt und begleitet hat. Immer wieder, auch in schweren Zeiten. Und wenn Bücher ein Zuhause sind, dann sind es diese auf jeden Fall.