Pfannkuchen zum Frühstück

Ist eigentlich außer mir schon mal jemandem aufgefallen, dass ich ziemlich schlecht darin bin, mir Titel auszudenken? Es macht nicht besonders viel Sinn. Da ansonsten auch nicht viel Sinn macht, sehe ich einfach darüber hinweg. Falls ich jemals ein zu veröffentlichendes Buch betiteln muss, hoffe ich auf rege Hilfe aus meinem Freund:innenkreis.

Heute Morgen habe ich mich mit dem Chinesischen Tierkreiszeichen beschäftigt. Weil es gestern in einem Podcast über Südkorea vorkam. Dann habe ich mich erinnert, dass ich da ja noch so einen anderen Podcast hören und ein Video sehen wollte. Und weil ich das nun getan habe, rede ich jetzt zwar nicht über Corona, aber dafür auch nicht über besonders angenehme Themen. Die Welt ist nämlich, Pandemie oder nicht, für Frauen immer noch genau der gleiche Kackhaufen wie früher.

Denn neben Corona schlägt gerade der nth room Skandal in Südkorea richtig ein, quasi DIE beiden Themen auf der Tagesordnung. Ein paar westliche Medien haben begonnen darüber zu berichten, was ich für wichtig halte, und ich wollte meinen Blog nutzen, um ein bisschen Wissen zu verbreiten. Sehr viel weiß ich nicht (also, das was ich jetzt teile), weil ich kein Koreanisch kann und logischerweise vieles auf Koreanisch ist. Ich hab mir auch nicht viele Videos angeguckt, weil einige von Männern sind und ehrlich gesagt habe ich versucht, eins zu gucken, aber ich finde die Art und Weise, wie von Männern darüber geredet wird, sehr schwer zu ertragen.  (Falls Ihr Euch gerade nicht damit beschäfigen wollte, oder Fälle von sexueller Gewalt Euch triggern, dann überspringt einfach die nächsten drei Absätze.)

nth rooms sind Telegram-Chaträume, in denen Männer sexualisiertes Bild- und Videomaterial von Frauen und Mädchen (teilweise minderjährig) teilen. Die nth rooms sind quasi ein Auswuchs aus dem Dark Web, der jetzt auf Telegram operiert. Eintritt in die Chatrooms läuft über Eintrittsgelder, die gestaffelt sind (und danach wird auch content gestaffelt). Koreanische Seiten vermuten, dass über 260.000 Männer daran beteiligt sind, d. h. Material über die Chatrooms gekauft, konsummiert und geteilt haben. Die Frauen und Mädchen werden erpresst, indem gedroht wird, ihre persönlichen Daten samt Bildmaterial zu veröffentlichen. Mindestens 74 Frauen und Mädchen sind davon betroffen. Sowohl der Guardian als auch die bbc haben dazu veröffentlicht, und hier gibt es ein Interview mit einer koreanischen Feministin. Youtube ist voll von Videos über den Skandal (s. o.), das verlinkte Interview ist allerdings sehr respektvoll gemacht und lässt viel Raum für die Trauer und Wut der Interviewten. [Alle Links sind leider auf Englisch.]

Ich hab schon vor mehreren Tagen (vielleicht sogar zwei Wochen) davon gehört und hatte die ganze Zeit nicht die Kraft, mich damit zu beschäftigen, weil die Details ziemlich furchtbar sind. Wir sehen auch in Deutschland, dass Frauen über Spycams illegal aufgenommen werden (hier oder hier), und das zeigt vor allem, dass die Digitalisierung die sexuelle Ausbeutung von Frauen und das Verteilen von Bild- und Videomaterial noch einfacher macht. Und, dass die Justiz und die Gesellschaft nicht darauf vorbereitet sind.

Alles nichts Neues. Ich muss trotzdem darüber reden, weil es uns betrifft, weil es uns manchmal wütend und manchmal hilflos macht, weil es immer auch Menschen trifft, die wir kennen.

Sollte ich jetzt einfach weiter machen, mit einem anderen Thema? Ja, ich finde schon. Weil sexuelle Gewalt ein Teil meines Lebens ist. Weil ich darüber sprechen und weinen kann, und zehn Minuten später über ein dummes Video lache, oder mein Spiel auf der Switch weiterspielen. Weil ich auch nicht nur darüber nachdenken, oder gar nicht darüber nachdenken kann. Weil es ein Teil meines Lebens ist, so traurig das auch sein mag.

Es gab also heute Pfannkuchen zum Frühstück, was ganz wundervoll ist. (Ich habe also noch Mehl zuhause, haha!) Ich habe diese Woche auch ein einfaches Rezept für einen Hefezopf gelesen und weil ich sowieso Lust habe zu backen, werde ich das nächste Woche ausprobieren. Dann können wir vermutlich tagelang Hefezopf essen, weil wir ja sonst niemanden sehen. Oder vielleicht verteile ich ihn und lasse ihn bei meinen Freund:innen vor der Tür stehen. Das erscheint mir auch eine gute Möglichkeit. So kommen mir manchmal Gedankenblitze.

Weil ich mehr Zeit habe, spiele ich jetzt wieder Zelda (gerade bin ich bei einem Rätsel angekommen, das mir sehr viel Geduld abverlangt und was mir daher ziemlich schwer fällt) und stricke Socken (die ich dann im Winter anziehen oder verschenken kann, je nachdem). Ich koche viel und hänge viel im Internet rum. Ich würde wirklich gerne schwimmen gehen. Ich schreibe und versuche mich auf die Dinge zu konzentrieren, die ich steuern kann. Ich merke an kleinen Sachen, dass die Situation mich belastet und merke, dass ich automatisch mehr singe (angeblich hilft Singen nämlich dabei, Stresshormone abzubauen). Und unser Staubsauger funktioniert wieder richtig! Er muss wirklich sehr oft sauber gemacht werden, jetzt haben wir einen neuen Filter bestellt und hoffen, dass das auch langfristig was bringt. Die kleinen Dinge.

Und zum Abschluss dürfen auch die Gedanken anderer Menschen selbstverständlich nicht fehlen:

 

Linkschau #25

Wie immer um diese Zeit finden sich hier die Gedanken anderer Menschen.

Auf „Don’t degrade Debs, Darling!“ findet sich in wichtiger Kommentar zum #metoo, was den gesellschaftlichen Umgang mit sexualisierter Gewalt angeht. Der Beitrag diskutiert sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung.

Und auch Hannah schreibt über #metoo und daüber wie Gewalt nur aufhören kann, wenn wir als Menschen Verantwortung für unser (gewaltvolles) Handeln übernehmen.

Marina von marinashutup erklärt in diesem Video den #metoo, wie es dazu kam, welche Rolle Harvey Weinstein dabei spielt und warum wir über rape culture reden müssen. [Englisch]

Wolf Wetzel schreibt im Migazin über den NSU-Prozess und die Bundesanwaltschaft.

Ein paar Gedanken zum Krankfeiern gibt es auf „auf einmal frei“. Was Ihr dazu denkt, könnt Ihr Euch dann selber überlegen, der Artikel hat schon mal ein paar interessante Anregungen.

Levi schreibt bei kleinerdrei über Erfahrungen mit Antisemitismus im öffentlichem Raum und einem möglichen Umgang damit.

Und auch bei kleinerdrei schreibt Dr. Vulva dieses Mal über Sexnormen, wie es in dieser Gesellschaft ist, keinen Sex gehabt zu haben und wie wir mit Menschen umgehen, die (noch) keinen Sex hatten.

Anna Akana hat auf ihrem Youtube-Channel einen Teil aus ihrem Buch verfilmt, in dem es um Schwangerschaftsabbrüche geht. [Englisch]

Auf ihrem Blog schreibt Laura Gehlhaar über ihre Wut über den Umgang der Gesellschaft mit Be_hinderung.

Vom Kika gibt es die Reihe „Schau in meine Welt“, in der hier Leah über ihr jüdisches Leben in Dresden berichtet.

Bei kleinerdrei schreibt Alwina über „Migration aus Kinderaugen„. Mehr will ich dazu gar nicht sagen, lest selbst.

Und nochmal bei kleinerdrei schreibt Alice über ihre Gedanken zum Bundestagswahlsonntag im September als Schwarze Frau in Deutschland.

 

Linkschau #19

Es geht weiter im Teilen von Gedanken anderer Menschen.

Hannah Witton hat in einem ihrer letzten Videos erklärt, wie eins sich am besten organisieren kann. Vielleicht inspirierende für einige Menschen da draußen. [Englisch]

Bei kleinerdrei schreibt Dr. Vulva über Sex und Bedürfnisse. Passend zu meinem eigenen Weg und der Beschäftigung mit Bedürfnissen im Moment.

Sami Omar schreibt beim Migazin über die Verlogenheit in der Debatte um das Wahlverhalten der in der Türkei wahlberechtigten Menschen mit Wohnsitz in Deutschland.

Beim Lower Class Magazine wirft David Doell die Frage nach einer linksradikalen Ethik an den deutschen Universitäten auf. Auch der anfangs zitierte Text ist lesenswert, aber dieser ist mMn noch eindringlicher.

Lisa schreibt bei umstandlos über Rituale mit und ohne Kinder in unserer heutigen Gesellschaft.

Bei den femgeeks fragt Melanie nach den feministischen Blogs und berichtet von ihren eigenen Gedanken und ihrem eigenen Weg online.

Kimberly Lawson schreibt bei broadly über eine neue gewaltvolle Praktik unter Männern, die beim Sex gegen den Willen ihrer Sexualpartner*innen das Kondom ausziehen.

DasNuf schreibt über ihren Weg zum Feminismus übers Mutter-Werden und plädiert für Feminismen für alle, unabhängig vom Wissensstand oder den gelesenen Büchern.

Bei Melanie von glücklich scheitern gibt s einen Gastbeitrag über Feminismus und Mutterschaft und der Schwierigkeit, das Mutter-Sein mit den eigenen Bedürfnissen zu vereinbaren.

Hannah schreibt in Anlehnung an ihren Text zum 01. Mai über Antikapitalismus und Behinderung und wie wenig Behinderungen in linken antikapitalistischen Kämpfen mitgedacht werden.

Nadine von der Mädchenmannschaft hat ein Interview mit Peer Thesing zu feministischer Psychatriekritik und Identitätspolitik geführt, das ich wirklich sehr empfehlenswert finde.

Auf Identitätskritik gibt es einen Beitrag zur Diskussion um die Begriffe Opfer, Erlebende, Betroffene, usw. Spannende Gedanken, und wichtiger Appell.

Gewaltfreie Kommunikation

Ich habe es ja in meinem letzten Beitrag schon erwähnt: Ich habe in den letzten Wochen drei Bücher über Gewaltfreie Kommunikation (kurz GFK) gelesen, darunter das Hauptwerk von Marshall Rosenberg.

In meiner eigenen Reflexion habe ich bemerkt, dass mich Elemente der GFK schon seit Jahren begleiten. Ein Hauptanliegen ist die Unterschiedung von Beobachtung und Bewertung und GFK ist ein Plädoyer dafür, die eigenen Handlungen und die Handlungen anderer Menschen zunächst zu beobachten, ohne sie zu bewerten, und sich dann auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu konzentrieren. In meiner Vorbereitung auf meinen Freiwilligendienst in Jerusalem hat eine unserer Teamerinnen versucht, uns dieses Thema näher zu bringen. Dies geschah vor allem im Kontext von Interkultureller Kommunikation. Ich erinnere mich noch sehr genau an ihre Erklärungen und vor allem den erwähnten Grundsatz der Trennung von Beobachtung und Bewertung. Ich erinnere mich auch, dass ich das damals für ehrenhaft, aber praktisch unmöglich hielt.

In den letzten Jahren ist mir durch mein Masterstudium und die immer wiederkehrende Beschäftigung mit Schule aufgefallen, dass uns das Bewerten sogar beigebracht werden soll. Ein erklärtes Ziel von Schulcurricula ist es, Schüler*innen das Bewerten von Informationen beizubringen. Aber die Schule ist nicht der einzige Ort, an dem bewertet wird. Mittlerweile ist mir klar geworden, dass wir ständig bewerten in unserem Alltag: uns selbst, alle Anderen um uns herum, Unbekannte in unserem Umfeld, Unbekannte weit weg. Bewertung ist von dem Verständnis für andere Menschen sehr weit entfernt.

Im Kontext dieser Gedanken ist mir noch etwas Anderes aufgefallen, das mich seit meinem Freiwilligendienst in Kaunas begleitet. Zu der Zeit habe ich in einem Flüchtlingszentrum gearbeitet, in dem vor allem Tschetschen*innen gewohnt haben, und mit denen ich vorwiegend in Kontakt war. In dieser Zeit habe ich mich viel mit dem Russisch-Tschetschenischen Konflikt beschäftigt und auch mit den sogenannten Schwarzen Witwen. Dabei handelt es sich um Selbstmordattentäterinnen, die von tschetschenischen terroristisch Gruppen rekrutiert wurden, und deren Familien und Ehemänner meist vom russischen Militär ermordet wurden. Ich habe immer mal wieder gesagt, dass ich verstehen kann, warum sie Selbstmordattentate begehen und wurde dafür immer wieder angegriffen. Dabei habe ich diese nie und tue das auch heute nicht gut geheißen. Ich unterstütze diese Frauen und diese Praktiken nicht, aber ich verstehe die Beweggründe, die Menschen dazu bringen können, sich rekrutieren zu lassen. Heute weiß ich, durch die Beschäftigung mit GFK, dass es sich dabei schon um ein empathisches Verstehen gehandelt hat. Dass Verstehen nicht gleich Befürworten oder Unterstützen ist, war mir schon damals klar, und diesen Eindruck hat die GFK nur bestätigt.

In den letzten Wochen und Monaten ist mir immer wieder bewusst geworden, wie stark gewaltvoll wir uns anderen Menschen gegenüber verhalten. Wie schnell wir urteilen und angreifen, uns im Recht fühlen, andere schlechter machen, usw. Mir ist das in den letzten zwei Jahren immer mal wieder aufgefallen, aber Anfang diesen Jahres in einer noch größeren Intensität, und auch vermehrt in meinem eigenen Verhalten.

Und ich möchte so nicht sein.

Mir ist bewusst, dass ich das Urteilen gelernt habe, und es in mir drin steckt. Und ich weiß auch, dass ich anderen Menschen so nicht mehr begegnen möchte. Ich möchte Verständnis und Respekt von Anderen, und möchte ihnen das auch geben. Die GFK hat mir geholfen, mir das bewusst zu machen und mich damit auseinanderzusetzen. Es ist kein leichter Prozess, ich stoße jeden Tag an meine Grenzen. Gleichzeitig lerne ich jeden Tag etwas Neues, oder bin stolz auf mich, weil ich etwas neu reflektiert habe. Außerdem hat die GFK mir geholfen, meine eigenen Bedürfnisse besser zu erkennen und meine Gefühle zu verstehen. Was ich mit diesem Wissen genau mache, das weiß ich noch nicht. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass es mir helfen wird, mein Leben so zu gestalten, dass ich mich darin wohler und zufriedener fühle.

Linkschau #15

So. Dieses Mal möchte ich zum ersten Mal etwas Musik mit Euch teilen. Ich höre nämlich momentan auf soundcloud Sets von DJ İpek. Am liebsten dieses.

Ansonsten schreibt Hannah zum Jahresanfang über den Wunsch nach mehr Empathie.

Frau Gehlhaar teilt einen Teil aus ihrem Buch und damit eine Geschichte über Empathie und Behinderung.

Bei kleinerdrei schreibt siyanda über die Online-Radikalisierung von weißen jungen Männern.

Clara schreibt bei Class Matters über die klassistischen Witze, die zu Weihnachten über Berliner Stadtteile kursierten.

Im Missy Magazine schreibt Tove Tovesson über die emotionale Arbeit von Frauen und warum wir dafür bezahlt werden sollten.

Cornelia schreibt bei umstandslos über ihre Angst vor dem Unsichtbar-Werden, was vor allem Mütter und alte Frauen betreffe.

Zen Pencils hat einen Comic zu David Bowie gemacht. [Englisch]

Can Yıldız berichtet für das Lower Class Magazine über die Diffamierung von Eleonora Roldán Mendívil durch rechte Gruppen. Mittlerweile hat auch die taz darüber berichtet und Mendívil wird erstmal keine Lehraufträge mehr von der FU erhalten.

Und zu guter Letzte nochmal Hannah, die von der Emma und ihrem universalen Feminismus-Anspruch schreibt.