Love is all around

Wenn mich diese Zeit eines gelehrt hat, dann dass ich von Menschen umgeben bin, die mich lieben und die ich liebe. Diese Menschen gibt es ganz in meiner Nähe, nur wenige Türen entfernt, und weiter weg, und nur wenige Internetsekunden entfernt.

Ich habe das schon öfter gesagt, und ich sage es gerne noch hundertmal. Unsere Gesellschaft erhöht die romantische Liebe unnötig. Versteht mich nicht falsch: Ich habe kein Problem mit der romantischen Liebe. Ich bin selber gerne verliebt, ich liebe mich gerne in eine andere Person hinein (um mal Carolin Emckes Worte zu benutzen). Mich stört, dass die romantische Liebe auf ein Podest gestellt wird, nach dem wir uns strecken sollen, als ob es sonst nichts Gutes im Leben gibt. Als ob nur diese eine Liebe Erfüllung bringt und wenn wir sie nicht finden, dann haben wir kein lebenswertes, erfülltes Leben.

Ehrlich? Das ist bullshit.

Ich selber glaube ja daran, dass das Leben wenig Sinn macht ohne Lieben und ohne Verbindungen zu anderen Menschen. Nur erstreckt sich das für mich nicht auf eine*n romantische*n Partner*in. Das würde die Liebe doch so sehr einschränken! Was ist mit Freund*innen? Mit Zufallsbegegnungen, denen wir in/nach kurzen Augenblicken viel Liebe entgegenbringen können? Was ist mit Familie? Mit politischen Partner*innen? Warum stutzen wir die Liebe so, dass sie nur noch in eine Form passt? Warum lassen wir uns so vereinzeln? Warum akzeptieren wir das, ohne zu murren?

Nun ja, zugegebenermaßen murre ich. Das nicht erst seit gestern. Das nicht nur, wenn ich Single bin, sondern auch wenn ich in einer Liebesbeziehung bin. Ich finde das einschränkend. Ich finde schon die Erwartung einengend, dass ich ALLES mit meiner*m Partner*in machen sollte. Jede einzelne Verpflichtung oder Spaßveranstaltung. Warum?

Ja, es macht Spaß, Zeit mit der Person zu verbringen, mit der man in einer romantischen Beziehung ist. Dagegen spricht ja nichts. Das sehe ich ähnlich. Ich persönlich bin auch dafür diese Person in mein soziales Netz zu integrieren. Ich finde das schön. Und gleichzeitig will ich nicht jede Sekunde mit dieser Person verbringen (müssen).

Jetzt ist das hier so ein Rant geworden, dabei sollte es eigentlich ein Plädoyer werden. Vielleicht kriege ich ja noch die Kurve. Hier also das Plädoyer für die anderen Formen von Liebe: für Urlaub mit der Schwester, für Konzertbesuche mit der Freundin, für Saunabesuche mit der Mutter, für Feiern mit der Zufallsbekanntschaft. Und für mehr Wertschätzung für diese Liebe. Zu oft behandeln wir Menschen, mit denen wir keine romantische Beziehung führen, wie nebensächlich oder entbehrlich. Dabei ist dem nicht so. Zumindest nicht in meinem Leben. Diese Menschen sind meine Unterstützung, mein Support. Ich wünsche ihnen ein erfülltes Leben, was auch immer das für sie sein mag, und sie wünschen mir ein erfülltes Leben, wenngleich das nicht mit ihren Vorstellungen übereinstimmen mag. Sie fordern mich heraus, und helfen mir beim Wachsen.

Darum geht’s doch, oder?

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Linkschau #9

Ach ja, ich bin immer noch arme Studentin. So ist das. Diesen Monat ist die Rückmeldung zur Uni fällig und wie jedes Mal, wenn dieser Fall eintritt, macht er mich arm. Immer wieder spare ich mir mühsam Geld zusammen, und dann ist alles mit einem Mal weg, damit ich weiter eingeschrieben sein kann. Was für ein nerviger Schwachsinn. Dieser Zustand muss wirklich bald beendet werden.

Nun aber weg von meinen eigenen Gedanken und hin zu anderen:

Albert Scherr verteidigte in der FAZ die Migrationsforschung. Yeah Herr Scherr! (Wenn eins es richtig ausspricht, dann reimt es sich sogar.)

Ich habe es schon erwähnt, aber nochmal für alle, die vielleicht nicht jeden meiner langweiligen Beiträge lesen: Naekubi schrieb über Lindy Hop und Whitewashing. Wichtiger und guter Beitrag.

Bei kleinerdrei schriebt Barbara übers Teilzeit-Arbeiten und die verschiedenen Modelle, die Paare ausprobieren, und die alle mehr oder weniger gut funktionieren und Feminismus und die beschissene Gesellschaft. Und überhaupt. Ich habe geweint. Weil die Gesellschaft und das System so scheiße sind, dass ich mich wirklich frage, ob es sinnvoll ist, Kinder zu bekommen. Nur um sich dann weiter durch die Scheiße zu quälen.

Tara schreibt auch bei kleinerdrei über Freundschaft und unsere Ansprüche daran. Und sie hat Recht.

Und diesen TÉD Talk von ShaoLan fand ich sehr aufschlussreich. Außerdem finde ich ja die Chinesischen Tierkreiszeichen sowieso interessant.

Und wenn ich das hier wöchentlich schaffe, dann gibt es logischerweise auch nicht allzu viele Links auf einmal. Ist vielleicht auch ganz angenehm.

Jane, Lindy Hop und die Transnationalität

Es gibt Dinge, und vor allem Bücher, die sich an eine*n ranschleichen und im richtigen Moment kommen. Dieses Jahr habe ich schon ein solches erwischt mit „all about love“ von bell hooks. Gerade habe ich „Jane Eyre“ von Charlotte Bronte ausgelesen. Das war auch so ein Buch, von dem ich dachte: aha! Das kommt im richtigen Moment. Ich mochte zwar nicht diesen starken Fokus auf Religion, außerdem ist das Buch ziemlich heteronormativ und -konservativ UND in allen möglichen Nebensätzen finden sich diverse Rassismen. Es ist ein Buch seiner Zeit, auf jeden Fall. Aber die Entwicklung, die Jane durchmacht, ist total spannend und von sehr viel Reflexion ihrerseits begleitet. Den Kommentar, den es dazu gibt, habe ich auch sehr gerne gelesen, weil er Dinge nochmal sehr gut in einen Kontext setzt. Ich mochte das Buch wirklich sehr gern. Die Story im Groben kannte ich schon von dieser youtube-Serie, deswegen war nichts wirklich überraschend. Aber es war gut geschrieben und Janes Entwicklung nachvollziehbar.

Ansonsten war ich gestern auf einer Lindy Hop-Party, die mich an sich nicht so überzeugt hat. Meine Tanzpartner*innen waren wie immer wundervoll und ich merke, wie viel Spaß mir die Sache macht. Und auch, dass ich länger nicht da war und ein bisschen raus bin beim Charleston. Das wird wieder! Die nächsten Wochen versuche ich, fleißiger dahin zu gehen. Unterricht hat eh Pause, Übung muss trotzdem sein. Naekubi hat vor ein paar Tagen auch einen Text zu Lindy Hop und Whitewashing geschrieben, den ich sehr hilfreich fand, um mir nochmal explizit in Erinnerung zu rufen, dass Lindy Hop ein schwarzer Tanz ist. Bei uns ist es so, dass es genau eine Schwarze Person in der Gruppe gibt, alle Anderen (inklusive mir) sind weiß. Seit Naekubis Artikel kann ich den Tanz auf jeden Fall nochmal besser wertschätzen und einordnen. Gestern bei der Party liefen auf jeden Fall Tanzperformances im Hintergrund, die dann auch tatsächlich historische Aufnahmen waren, in denen Schwarze Menschen getanzt haben. Das fand ich von den Organisator*innen ziemlich gut.

Heute wollte ich eigentlich zu einem Workshop zur Dokumentarischen Methode gehen, aber dann bin ich beim Skypen mit U. in der Türkei hängen geblieben und habe gemerkt, dass wir tatsächlich transnationale Leben führen. Immer wieder, jeden Tag aufs Neue, mit den wundervollsten Menschen. U. und ich haben uns auf jeden Fall zweieinhalb Stunden verquatscht, was ziemlich witzig und cool war. Und jetzt geht’s an die Vorbereitung des Kolloquiums. Handout und so’n Quatsch. Auf auf!

 

60 Days Music Meme – Day VI

A song that reminds you of your best friend

Das ist jetzt vor allem deswegen schwierig, weil ich irgendwann selbst in meinem Kopf aufgehört habe, von einer*m besten Freund*in zu denken. Ich halte dieses Label für nicht besonders wichtig. In meinem Leben gibt es ein paar Leute, die mir sehr wichtig sind, die ich an unterschiedlichen Stationen meines Lebens kennen und schätzen gelernt habe und die mich irgendwie durch dieses Leben, dieses Abenteuer, diese Zeit begleitet haben. Mit manchen habe ich regelmäßiger Kontakt als mit anderen, aber alle diese Menschen sind Menschen, mit denen ich reden kann als hätte ich sie das letzte Mal vor zwei Tagen gesehen, selbst wenn ein ganzes Jahr vergangen ist. Das sind meine besten Freund*innen. Es gibt kein Lied, dass ich mit allen verbinde (andere Zeiten, andere Musik), aber vielleicht gibt es ein, das ich ihnen allen schenken kann.

Nils Christian Wédtke – Huckepack

Lyrics:

Und dann sagst du „Es gibt zu viele Liebeslieder
und kaum eins über echte Freundschaft“
Ich weiß zwar nicht was das hier wird
Aber ich schenk es dir
Ich schenk es dir

Als wir uns das erste mal gesehen haben
War ich total genervt von dir
Wir haben uns so richtig schön verpasst
Und erst nach einigen Wochen getraut einander zu verstehen

Ich schaff‘ es kaum, dir tiefer in die Augen zu schauen
Weil dann jede Festung in mir schmilzt
Und du mich sehen kannst wie keiner sonst
So wie ich bin

Du hast mich aufgerichtet, gefordert und getreten
Hast mir das Lieben wieder beigebracht
Jeder Moment mit dir ist wie ein besseres Leben
Und ohne dich irgendwie gar nichts mehr

Und vielleicht bist du das einzige Argument
Gegen das Ende das in mir schreit
Du bist so voll von Liebe und Fehlern
Die pure Menschlichkeit

Ich will meinen wirren Kopf in deine Hände legen
Dazu bin ich jetzt bereit
Ich weiß von deinen Dämonen, und du von meinen
Und irgendwie wär’s doch schön
Wenn die sich kennen lernen

Ich will alles von dir
Alles von dir

Und jeder Zweifel kennt seinen Wert
Und ich halt‘ ihn aus
Nur wenn der Himmel sich aufklärt
Dann bin ich hier und nehm‘ dich Huckepack
Und trag dich nach Haus
Ich trag dich nach Haus
Ich trag dich nach Haus
Nach Haus.