Anders

Die Welt ist ein seltsamer Ort. Zumindest die menschliche. Diese Woche habe ich einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, dass eine nichts zu dieser Situation zu sagen haben muss, weil wir gerade erst drin sind. Weil eine nicht immer zu allem was sagen können muss, sofort, ohne gründliches Nachdenken. Ich habe nichts zu Corona zu sagen. Ich gucke mir das an, und lese Artikel, und schaue, was passiert.

Ansonsten ist diese Woche, wie letzte Woche, alles anders. Kompliziert und nicht für diesen Blog geeignet. Auf jeden Fall wurde die Pfannkuchentradition durchbrochen, so wie alle anderen Rituale und Strukturen, die ich normalerweise so habe. Arbeiten ist deswegen gerade etwas schwieriger. Nächste Woche habe ich einige Meetings. Ich hoffe, dass das alles ganz gut läuft. Und die Internetverbindung hält.

Irgendwie ist schon Mai. Das Wetter hier ist seltsam. Gestern war es unglaublich schwül und anstrengend. Immerhin hat es geregnet, das ist ja ganz gut für die Erde. Und ich habe Campinggas gefunden, weeeeh! Voller Freude.Auch wenn die Essensauswahl also gerade nicht so pralle ist, gibt es immerhin warmes Essen.

So. Ich gebe jetzt ab an andere Menschen, denn ich habe im Moment nicht so viel Produktives, Konstruktives oder Interessantes zu erzählen. (Aus zwei Wochen, also mehr als sonst.)

 

That’s what friends are for

Ich habe die starke Vermutung, dass ich diesen Titel schon mal genutzt habe. Das soll mich heute nicht abhalten. Ich bin wieder da, mit einer neuen Liste! Yesssss! Auf der handgeschriebenen stehen ein paar Freund*innen drauf und ich bin nicht so richtig überzeugt. Ich werde also mal gucken, wo mich das ganze Geschreibe jetzt gleich hinführt.

  • Meredith Grey & Cristina Yang (Grey’s Anatomy)

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, wo ich anfangen soll. mIch will schon so lange über Meredith und Cristina schreiben. Es gibt einen Entwurf in meinen Blogordner, der damit betitelt ist. Um richtig über sie zu schreiben, müsste ich Grey’s Anatomy noch mal gucken und wenn wir ehrlich sind, habe ich dafür keine Zeit, weil das zehn (!) Staffeln sind bis Cristina geht. Das ist jetzt bestimmt sechs Jahre her. (Das ist nicht recherchiert, ich rede ins Blaue hinein mit diesen Jahresangaben.)

Meredith und Cristina sind alles, was Freundinnen sein können. Es gibt so viele schöne Zitate dafür. „You’re my person.“ „Derek may be the love of my life, but you’re my soulmate.“ Sind sie alles füreinander und auch wenn sie nicht immer einer Meinung sind, unterstützen sie einander jedes Mal so gut sie können. Während Meredith ihren ganzen Scheiß mit Derek hat und Cristina durch ihren Scheiß mit Burk und Owen geht. Am Ende, wenn sie geht, erinnert Cristina Meredith daran, wer die wichtigste Person in ihrem eigenen Leben ist: „Don’t let what he wants eclipse what you need. He is very dreamy, but he’s not the sun. You are.“

Und ich weiß, dass Sandra Oh nicht mehr dabei ist (und scheinbar macht sie ganz wundervolle andere Dinge in Killing Eve). Ich mag, wie sie die Freundinnenschaft zwischen Meredith und Cristina dennoch aufrecht erhalten, indem sie Cristina immer wieder rein bringen. Bei Meredith’s Prozess. Und mit McWidow. Das war sehr Cristina. <3

Vielleicht, eines Tages, wenn ich ganz viel Zeit habe, dann gucke ich Grey’s noch mal und mache mir Notizen und dann sage ich all die Dinge, die ich gerne über Meredith und Cristina sagen möchte. Jetzt sage ich einfach nur noch danke, dass es sie im Fernsehen gegeben hat.

  • Remus Lupin & Sirius Black (Harry Potter)

Okay, ich weiß nicht, was ich hier wegen des Bildes machen soll. Ich mag die Filmversionen von Remus und Sirius nicht besonders, und sowieso existieren sie in meinem Kopf unabhängig von JKR. Und in jeder Fanart, die ich finde, sind sie ein Paar. Das ist zwar auch spannend, nur gerade nicht das, was ich suche. Sie sind ja nicht ohne Grund in der Freunde-Kategorie und nicht der Liebespaar-Kategorie.

Nun ja. Vielleicht finde ich ja noch ein Bild. Remus und Sirius also. Ich mag ihre Freundschaft, einfach ihre ganze Beziehung zueinander, wie auch immer sie definiert wird, deswegen, weil sie so viele Missverständnisse und Verletzungen überstanden hat. All der ganze Dreck, den sie selbst verursacht haben und der ihnen angetan wurde und am Ende sind sie immer noch Freunde. Und ganz am Ende sind sie tot. Ich glaube, Remus‘ Tod werde ich nie verzeihen. Deswegen existieren sie vor allem in meinem Kopf. Glücklich und zufrieden.

  • Penelope Alvarez & Schneider (One Day at a Time)

One Day at a Time ist eine meiner liebsten Comedyserien. Die Serie schafft es irgendwie, sehr ernste Themen mit viel Humor anzusprechen und das bewundere ich sehr. Ich bewundere sowieso Menschen, die Comedy schreiben. Das ist sehr schwierig. (Folgend Spoiler.)

Lupe ist alleinerziehende Mutter, Veteranin mit PTSD und Krankenschwester. Sie ist wundervoll, wirklich. Schneider ist ihr privilegierter Nachbar, der keine Ahnung von nichts hat. Nichts, was mit dem richtigen Leben zu tun hat. Dass Lupe und Schneider für einander wirklich wichtige Freund*innen sind, auch wenn er ihr Vermieter ist, ist eigentlich immer klar. Am deutlichsten wird es dann allerdings in Staffel 3, wenn Schneider, der Alkoholiker ist, einen Rückfall hat. Ihre Freund*innenschaft ist an diesem Punkt sehr schwierig, weil Schneider Lupes Sohn Alex mit in seine Geschichten reinzieht. Am Ende schaffen sie es, sich zu versöhnen und Schneider beginnt erneut mit dem Entzug. Es ist ein super schwieriges Thema, was sie da behandeln und ich finde die Beziehung zwischen Penelope und Schneider so kraftvoll und schön. Und natürlich witzig.

  • Blanca Evangelista & Pray Tell (Pose)
blanca + pray
Photo credit: Netflix

Pose ist wunderschön. Und es folgen Spoiler.

Blanca und Pray sind beide Teil der Ballroom Scene in New York in den 1970/80er Jahren. Pray ist schwul und Blanca eine Transfrau, beide leben mit ihren eigenen Schwierigkeiten. Von Anfang an werden sie als Freund*innen dargestellt und sie begleiten einander durch alle Höhen und Tiefen. Manchmal streiten sie, manchmal motivieren sie die jüngeren Teile ihrer Community, manchmal reicht ein Blick. Sie unterstützen einander mit ihren HIV-Diagnosen, organisieren das Gedenken an die Toten ihrer Gemeinschaft und organisieren ein AIDS-Kabarett. Ihre Freund*innenschaft ist so schön anzusehen, weil sie so nah geht. Jede*r sollte sich das angucken. Bei all den schweren Themen und den Schwierigkeiten, die die Charaktere haben, ist Pose eine der menschlichsten Serien, die ich je gesehen habe. Deswegen geht sie und die Beziehungen dort so nah.

  • Katara & Toph Beifong (Avatar: The Last Airbender)

Katara und Toph sind sehr unterschiedliche Charaktere (vermutlich da, um einander zu kontrastieren, also sowas wie mein Typ). Das führt häufig dazu, dass sie nicht einer Meinung sind oder sich streiten. Es gibt mehrere Folgen, in denen sie richtig miteinander streiten, die immer schmerzlich sind, weil sie beide so wundervolle Charaktere sind und weil sie am besten funktionieren, wenn sie Verständnis für die jeweils andere aufbringen. Das funktioniert zum Glück meist sehr gut und dabei stärken sie einander dann auch noch. Das gefällt mir sehr gut, und weil Avatar in den letzten beiden Kategorien zu kurz gekommen ist, dürfen sie jetzt Teil hier von sein.

Ich habe kaum Freund*innenschaften aus Büchern, wie schon bei der letzten Liste. Es kommen mir auch wirklich auf den ersten Blick nicht viele in den Sinn. Vielleicht wenn ich noch mehr darüber nachdenke. Vielleicht mache ich sowas ja noch mal. Und nun meckere ich nicht weiter über mich, sondern feiere weiter diese Freund*innenschaften! Yes! Mehr Freund*innenschaften in unseren Geschichten! Das wäre super, und ich freue mich jedes Mal über eine schöne Freund*innenschaft.

Ich möchte auch wieder ein paar Dinge teilen, die ich gelesen habe. Nur das ist mir irgendwie zu wenig, deswegen nun am Ende dieses Posts. Und vielleicht auch am Ende von anderen Posts. Wer weiß schon, was die Zukunft bringen wird.

Linkschau #38

Ich komme irgendwie nicht dazu, das hier zu schreiben. Dabei sind die Tabs schon offen! Also, los geht’s, bevor was Neues dazwischen kommt:

Geschichte. Es ist lustig, denn das ist mein Job. Ha! [Englisch]

Jennifer Thorp schreibt auf Autostraddle über die queere Geschichte des geschorenen Kopfes. Ich fühle mich gleich wieder inspiriert, das auch mal wieder zu tun. Geht gerade nicht, aufgrund von Gründen. [Englisch]

Bei kleinerdrei schreibt Johanna, was für sie Verbündete sind, und wie sie dazu kam, diesen Begriff zu nutzen.

DasNuf schreibt über den Tod. Über den von anderen Menschen, und über den eigenen.

Bei der Mädchenmannschaft schreibt Anna-Sarah darüber, warum das Aufteilen von Aufgaben bei heterosexuellen Paaren nicht klappt.

Anne Helen Petersen schreibt bei BuzzFeed darüber, warum unsere Generation (ich weiß nicht, ob unsere, denn ich weiß nicht, ob meine Leser*innen der gleichen Generation angehören, also vielleicht eher meine Generation) die Burnout-Generation ist und wie das Leben in diesem System (Kapitalismus) uns zu nervösen und ständig ausgepowerten Menschen gemacht hat. Leider auf Englisch, für alle ein lesenswerter Artikel.

Bei kleinerdrei schreibt Francis Seek über Klassismus und Erben.

Kelsey Piper schreibt über künstliche Intelligenz und warum sie uns zerstören könnte und wir sie, gefälligst!, ernst nehmen sollten.

In dieser WDR-Doku geht es um Polyamorie mit Kindern. Ich finde die Doku sehr wertschätzend und respektvoll. Auch ein einfacher Einstieg, wenn eine sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt hat. (Ich habe auch Kritik daran, z.B. dass Polyamorie sich in diesem Fall nur mit sexuellen Beziehungen befasst, was mMn nicht so sein muss.)

In der Zeit, weil sie es dürfen, ein Artikel über Schwangerschaftsabbrüche.

Johanna Montanari schreibt im Freitag über Überstunden, und wieviele davon unentgeltlich geleistet werden.

In der Zeit schreibt Caroline Rosales über Kaiserschnitte und bietet einen anderen Blick auf Geburt, als es in letzter Zeit zu lesen ist.

Linkschau #32

Heute ohne Bild, weil die Daten verloren gegangen sind. Das passiert. Hoffentlich bald nicht mehr. Außerdem nicht allzu viele Links, weil keine Zeit gehabt, besonders viel zu lesen. Das passiert auch. Hoffentlich bald nicht mehr.

Im Lower Class Magazine schreiben Torkil Lauesen und Gariel Kuhn über linke Theorie und Universitäten, oder auch das Verhältnis von Theorie und Praxis.

Caitlin Doughty spricht über dämonische Kinder. Und warum es davon nur so wenige, und wenn dann männliche gibt. (Sexismus im Mittelalter oder so.) [Englisch, Video]

Bei an.schläge schreibt Lea Susemichel über Freundinnenschaften.

Janosik Herder schreibt über die Technologisierung der Gesellschaft und was, das für uns bedeutet oder wie wir damit umgehen können, sollen, …?

Bei Broadly. schreibt Sarah Lyons über Lilith und wieso sie eine feministische Figur ist.

Shon Faye schreibt im Guardian darüber, warum wir nicht darüber diskutieren sollten, ob Geschlechtsidentität nun angeboren ist oder nicht, sondern uns auf den politischen Kampf konzentrieren sollten.

Und zwei Beiträge von Alisa Tretau aus ihrem Buch „Nicht nur Mütter waren schwanger – Unerhörte Perspektiven auf die vermeintlich natürlichste Sache der Welt“, und zwar einmal bei kleinerdrei und einmal bei umstandslos. Es geht um ihren unerfüllten Schwangerschaftswunsch und die Unmöglichkeit, darüber zu sprechen.

 

Kraftlosigkeit

Hannah hat letztens folgenden Satz geschrieben: „[Wir brauchen] Die Freiheit und den Mut manchen Menschen in unserem Leben zu sagen, dass wir sie nicht länger tragen können.“ (Quelle)

Das hat bei mir innerlich eine Glocke geläutet. Ich kann daran so gut andocken, dass es mich im übertragenen Sinne vom Stuhl gehauen hat.

Ich hatte diese Erkenntnis in der letzten Woche. Und in den letzten Tagen nochmal. Für verschiedene Konstellationen. Ich bin durch. So kraftlos. Meine emotionalen und geistigen Kapazitäten reichen gerade für die Bewältigung des Alltags und eigentlich würden sie auch für mich selbst reichen. Wenn ich nicht permanent damit beschäftigt wäre, andere Menschen mitzutragen. Für manche mache ich das gerne. Für andere nicht mehr. Und grundsätzlich kann ich es schlecht leisten gerade.

Eigentlich, wenn ich ganz tief in mich reinschaue und ganz ehrlich zu mir bin, dann habe ich gerade keine Kraft und Kapazitäten andere Menschen mitzutragen. Ich reiche nicht aus. Bin nicht genug. Wenn die Folge davon ist, dass ich Menschen verlasse und dass Menschen mich verlassen, dann weiß ich gerade nicht, wie ich das ändern soll. Ersteres will ich auch gar nicht ändern. Zweiteres würde ich gerne. Kann ich aber nicht. Weil ich keine Kraft dafür habe. Wer gehen will, muss gehen. Und ich lasse sie ziehen. Weil ich sie nicht (fest-)halten kann. Weil ich sie nicht tragen kann. Weil ich mich kaum selber tragen kann.

Was mich traurig macht, ist, dass die Kraftlosigkeit verschiedener Menschen, die in Beziehung zueinander stehen, zu mehr Trauer und Verlust führt, wenn sie nicht genug Kraft haben, um sich gegenseitig zu unterstützen. Weil wir alle gucken müssen, dass wir uns zuallererst selber tragen.