April Recap

Die Frage zu erörtern, ob die Zeit schneller vergeht, wenn eins älter wird, behalte ich mir vielleicht für einen anderen Beitrag vor. Diesen Monat hatte ich auf jeden Fall den Eindruck, dass der Monat sehr schnell vorbeigegangen ist. Sehr sehr schnell.

Ich weiß nicht mehr so genau, was ich eigentlich diesen Monat geschaut habe, ich versuche trotzdem, es zu rekonstruieren:

Ein Mann namens Ove

Daran kann ich mich noch gut erinnern, es ist nämlich erst drei Tage her, dass ich diesen Film mit meinem Bruder geschaut habe. Es geht um einen Mann namens Ove (surprise, surprise), der sich nach dem Tod seiner Frau das Leben nehmen möchte. Und dann geht es eigentlich die ganze Zeit darum, wie er Verbindungen zu den Menschen um sich herum aufbaut und wieder Sinn in seinem Leben schöpft. Der Film hat mich sehr nachdenklich gemacht in Bezug auf die Organisation unserer Gesellschaft und die Einsamkeit, in die viele Menschen fallen, weil sie entweder keine Partner*innen haben, oder diese verstorben sind.

Neue Liebe

Der Film ist eine Doku, die ich in den letzten zehn Tagen sogar zweimal gesehen habe. Es geht darin um eine Gruppe von Kindern/Jugendlichen, die in Deutschland in einer Sprachlernklassen Deutsch lernen. Sie berichten von ihrem Alltag, ihrer Ankunft in Deutschland, dem Heimweh, dem Neu-Beginnen und Freunde finden. Die Doku ist ziemlich kurz (50 Minuten) und wurde in Kooperation mit den beteiligten Personen erstellt. Obwohl der Film so kurz ist, vermittelt er einen guten Einblick in das Leben der Kinder, vor allem auch für Menschen, die sich noch nicht so viel mit Migration befasst haben.

My Escape/Meine Flucht

Diese Doku haben wir letzte Woche auf dem Seminar geschaut, das ich gegeben habe. Die Doku ist schon zwei Jahre alt und zeigt vor allem Smartphone-Aufnahmen von Menschen auf der Flucht aus dem Jahr 2015. Ich fand den Film sehr eindrücklich und berührend, und kann ihn nur weiterempfehlen. Allerdings mit Trigger Warnung, weil die Szenen auf der Flucht teilweise sehr krass sind was Gewalt und Sterben angeht.

Ansonsten habe ich Gilmore Girls zu Ende geguckt, zumindest die Original-Serie und Mitbewohnerin B. und ich haben angefangen, A Year in the Life zu schauen. Erst den ersten Teil, ich bin gespannt, was noch kommt. Ich hab wieder angefangen, nach einer langen Pause, Grey’s Anatomy weiterzugucken. Drama Drama!

An mehr Medienkonsum kann ich mich nicht erinnern. Außer Bücher! Gelesen habe ich …

Zähne Zeigen von Zadie Smith

In dem Buch geht es um zwei Freunde, die sich während des Zweiten Weltkriegs kennen gelernt haben, und um ihre Familien. Die Familiengeschichten sind geprägt von Migration und es geht viel um Identität und Identitätsbildungs in vielsprachigen und vielkulturellen Kontexten. Ich finde Zadie Smiths Sprache sehr schön, und ihre Charaktere immer sehr ehrlich und zugänglich. Die Themen liegen mir selber sehr am Herzen, deswegen fand ich das Buch sehr lesenswert.

Außerdem zwei Bücher zur Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg. Dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

Persönlich und emotional war der April anstrengend, aber nicht zum Verzweifeln, was schon mal ein sehr angenehmes Gefühl ist. So far so good.

Linkschau #12

Nicht nur ich, auch andere Menschen denken Dinge. Ha!

Emma Lindsay schreibt übers Single-Sein. [Englisch]

Marco macht wie immer tolle Fotos und schreibt über den Kaukasus. Dieses Mal über Batumi, Georgien.

In The New York Times schreibt Viet Thanh Nguyen über die Erfahrung, ein refugee zu sein. [Englisch]

Die Künstlerin Yana Mazurkevich widmet sich in ihren Bildern sexueller Gewalt, worüber Alanna Vagianos in ihrem Artikel schreibt. Der Artikel zeigt alle von Mazurkevichs Bildern, die sehr deutlich sind. Trigger Warnung: Rape/Vergewaltigung, sexuelle Gewalt. [Englisch]

Fuckermothers schreiben auf ihrem Blog über Alternativen für die Lohnarbeit und warum die meisten Menschen heute zu müde sind, um dafür zu kämpfen.

In diesem TedTalk erklärt Chimamanda Ngozi Adichie, warum wir alle Feminist*innen sein sollten.

Bei umstandslos schreibt Maren über Trauer und wie andere Menschen helfen können.

The belle jar schreibt über Depressionen und die Auswegslosigkeit, die Depressionen haben können. Trigger Warnung: Suizid. [Englisch]

Bei ze.tt schreibt Gunda Windmüller über ein Phänomen, das viele Menschen in meiner Umgebung auch kennen und sich entweder sehr wohl darin fühlen, oder sehr unzufrieden damit sind: die Nicht-Beziehung. Danke an L. fürs Teilen.

Hannah schreibt über den Mut, die eigene Stimme zu erheben, für sich selbst.

Bei kleinerdreit schreibt Kati über die Call-Out-Kultur, in der wir zum Teil leben, und was sie daran problematisch findet.

Und das war’s für dieses Mal. Viel Spaß mit den Gedanken, macht Euch Eure eigenen und so.

Linkschau #7

Ich habe wieder so viel im Kopf, aber keine Schreibmotivation. Und auch nicht so viel Zeit. Dafür Links von anderen Menschen!

Ein TEDTalk von R. Luke DuBois über Kunst und Daten und Leben und Gesellschaft. (Sehr aussagekräftig, ich weiß.)

In der taz gab’s ein Interview mit Enno Schmidt zum Bedingungslosen Grundeinkommen.

Und im WDR gibt’s eine Doku über die Ausländerbehörde in Hamm. Ich bin von der journalistischen Herangehensweise nicht so überzeugt, und es gibt auch so einiges an Schwarz-und-Weiß-Malerei und generell habe ich sehr viel dazu zu sagen, was nicht hierhin passt. Aber die Ausländerbehörde war eine der wenigen Ausländerbehörden, die überhaupt eine Drehgenehmigugn erteilt haben. Es geht in der Doku vor allem um Asylverfahren, Abschiebungen etc. (was nicht alles ist, was eine Ausländerbehörde macht, aber auch das ist eine andere Geschichte) und ist ein interessanter Einblick.

Nadia schrieb über den Fall Gina-Lisa Lohfink und ich wiederhole ihre Trigger Warnung „für alles“. Was da gerade abgeht ist die größte Scheiße aller Zeiten, leider nicht verwunderlich in dieser Gesellschaft. Und wer noch mehr dazu lesen will, kann ja auch noch diesen Spiegel-Artikel lesen.

Naekubi schreib einen Nachruf auf Rupert Neudeck, der sehr lesenswert ist.

Bei umstandslos schreibt Heidi über die ewigen Fragen anderer Menschen, ob ihr Kind schon „sauber“ sei. Und dazu stellt sie relevante Fragen.

Und Hannah hat relevante Dinge zum Anschlag in Orlando zu sagen. Einen besseren Kommentar dazu habe ich noch nicht gefunden.

Und vielleicht schaffe ich es diese Woche, noch was Anderes zu formulieren. Ich habe schon angefangen. Vor allem schreibe ich aber Masterarbeit. >.<

Rückschau #6

Ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht, deswegen mache ich jetzt eine Schreib- und Esspause. Haha! Es gibt noch Reis vom Mittagessen und D. hat gestern elmalı pasta gemacht, also sowas wie Apfelteilchen. Eine gelungene Zwischenmahlzeit!

In der letzten Woche habe ich es geschafft, endlich meine Transkripte fertig zu bekommen. Endlich endlich endlich. Diese Woche stehen Methoden- und Theoreiteil an, was weniger ein Problem sein sollte. Hauptsache ich fange mal an, Worte auf Papier zu bringen, oder auf den Bildschirm, dann fühle ich mich garantiert besser. Der Plan steht: am 19.07. muss alles fertig sein. Ich habe ansonsten viel geschlafen, wegen der Pollen, die nerven, und die Medikamente machen müde. Das klingt scheiße, ist es auch.

Am Freitag war ich auf einer Exkursion in Bonn/Köln. Einmal im Haus der Geschichte in Bonn, wo wir uns die Ausstellung Immer bunter. Einwanderungsland Deutschland angeschaut haben, und danach im DOMiD in Köln, wo wir diskutiert haben und durch das Archiv geführt wurden.

Die Ausstellung Immer bunter war genauso enttäuschend wie ihr Name. Die Dame, die uns geführt hat, hat gleich zu Anfang ein inkludierendes Programm gefahren, allerdings auf eine sehr unangenehme Art und Weise. Sie hat uns einen Haufen Fragen zu unseren Erwartungen gestellt, und dann vollkommen rücksichtslos irgendwelchen Menschen das Mikro unter den Mund gehalten. Ich finde sowas ja auch immer persönlich unangenehm, wenn mensch gezwungen wird, vor anderen Menschen was zu sagen. Also, wenn jemensch sich meldet und gerne etwas beitragen möchte, gut, aber wenn nicht, dann doch bitte auch nicht. Im HdG (Haus der Geschichte) ging es vor allem um die „Gastarbeiter*innen“, obwohl das HdG weder die Anführungszeichen benutzt noch gendert. Der Aufbau der Ausstellung blieb uns vollkommen verborgen. Sie sollte wohl chronologisch sein, aber mir ist bis heute nicht klar, warum die DDR-Geschichte dann nach der Geschichte der BRD kommt (als hätten sie nicht gleichzeitig existiert) oder auch warum es zuerst um „Gastarbeiter*innen“-Migration ging, und erst danach um Asyl. Gab es vorher keine Asylsuchenden in der BRD/DDR? Kamen Asylsuchende erst in den 90er-Jahren nach Deutschland? Dann behauptete die Ausstellung auch noch, dass es Anfang der 90er-Jahre einige rechtsextreme Übergriffe aus Asylsuchende gegeben hätte, die die Mehrheitsbevölkerung entsetzt hätten. Dabei stand doch die Zivilbevölkerung drumrum und hat applaudiert: hier und hier und hier noch was Erschreckendes. Überhaupt waren Flucht und Asyl in die hinterste Ecke verbannt, die Ausstellung agierte mit allseits bekannten Klischees („die ‚Gastarbeiter*innen‘ wollten ja auch in diesen unzumutbaren Wohnungen wohnen, denn sie wollten ja Geld sparen“), war furchtbar folkloristisch angehaucht und endete mit der deutschen Leitkultur, wo als Beispiele für Integration ein Schwarzer Mann im Schützenverein und eine muslimischen Frau, die ihr Kopftuch abgelegt hat, „weil es den Dialog verhindert“ angeführt wurden. Auch die Zeitzeug*innenaussagen, die genutzt wurden, wurden vollkommen irritierend eingesetzt. Zwischendurch gab es immer wieder weiße Kästen, durch die mensch hindurchlaufen musste, in denen dann Schnipsel aus Interviews oder Befragungen (unklar) eingespielt wurden. Diese waren jedoch vollkommen aus dem Zusammenhang gegriffen und klischeehaft. Der letzte Raum der Ausstellung war dann völlig erschlagend. Überall an den Wänden stand das Grundgesetz geschrieben, in einer Ecke stand die Kofferbombe aus Köln/Bonn von 2006, und in Vitrinen lag Sarrazin neben dem Salafisten-Koran. Das letzte Ausstellungsstück war dann eine Polizeijacke. Der Raum war völlig zugestopft mit wahllosen Dingen, die überhaupt keinen erkennbaren Bezug zueinander hatten. Vor allem die Kofferbombe war schon fast beleidigend, weil die Ausstellung auch mit einem Koffer begann: mit dem Koffer der Migrant*innen bzw dem sogenannten „Fluchtkoffer“. Und von dort aus wurde dann der Bogen geschlagen zu einer Kofferbombe und einem versuchten Anschlag. Was die Ausstellungsmacher*innen sich dabei gedacht haben, darüber kann leider nur spekuliert werden.

Der Besuch im DOMiD war dann vergleichsweise erfrischend. Es gab einen regen Austausch über die Ausstellung im HdG unter den Studierenden, da es verschiedene Beobachtungsgruppen gegeben hatte. So konnten unterschiedliche Aspekte der Ausstellung zusammen getragen werden. Eine Doktorandin stellte dann das Projekt von DOMiD vor, nämlich ein geplantes Migrationsmusem (mehr Infos finden sich hier). Das Projekt des DOMiD ist ziemlich spannend und die Doktorandin war sehr offen für Fragen, Kritik und Anregungen, weswegen eine sehr lebhafteDiskussion möglich war. Sie führte uns dann noch durch das Archiv von DOMiD, wo sich alte Schriftstücke und Zeitungen, aber auch viele Gegenstände aus Familien und Bücher befinden. Ich bin sehr gespannt, wie es mit dem geplanten Museum weitergeht.

Den Rest des Wochenendes war ich dann noch in Bonn bei L. Es war super Wetter, wir waren noch bei einem lateinamerikanischen Filmfestival und haben viel in der Altstadt rumgehangen. Am Sonntag haben wir dann L.’s Umzug wieder zurück zu uns gemacht. Aber nicht ohne uns auf dem Interkulturellen Viertelfest blicken zu lassen, wo wir passend zu kurdischer Musik und Tanz angekommen sind. Bonn hat mir sehr gut getan, weil ich ein bisschen entspannen und nochmal Abstand zum regulären Alltag gewinnen konnte.

Montag war dann schon wieder arbeiten angesagt. Und so geht es in die nächste Woche. Ich merke, dass montags kein guter Tag zum Schreiben ist, wahrscheinlich weil es mein einziger richtiger regulärer freier Tag ist (gestern hat’s nicht ganz geklappt, weil ich doch arbeiten musste), und da habe ich meistens keine Lust zu schreiben. Da habe ich eher Lust, spontan Dinge zu unternehmen und mich zu entspannen.

So. Nun ist die Pause vorbei. Der Snack ist weg, und ich muss andere Dinge organisieren.

Asylrechtsverschärfung stoppen

Liebe Menschen,

vielleicht habt Ihr es gehört, vielleicht auch nicht. Der Bundestag plant eine erneute Asylrechtsverschärfung. Gründe, dagegen zu sein, gibt es viele. Einige davon sind verminderter Schutz von minderjährigen Geflüchteten, Erweiterung der Gründe, Menschen in Abschiebehaft zu stecken und die Ausweitung der Ausweisemöglichkeiten.

Klickt auf das schöne unten stehende Banner, um auf die Homepage der Osnabrücker Kampagne „Wer nicht ertirnkt, wird eingesperrt“ zu kommen, wo Ihr nähere Informationen zur Asylrechtsverschärfung sowie zu den Aktionen in und um Osnabrück finden könnt.

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Mehr Informationen findet Ihr auch auf den folgenden Seiten:

http://www.asylrechtsverschaerfung-stoppen.de/

http://stopasyllaw.blogsport.eu/

Pro Asyl