Im Kampf mit der Sozialisation

Seit Wochen bewege ich mich im Kreis. Ich schwanke wie ein Boot auf hoher See, und ein Grashalm im Wind. Ich bewege mich in einer Spirale, von der ich hoffe, dass sie größer und nicht kleiner wird.

Das ist frustrierend. In der einen Woche okay und reflektiert zu sein und sagen zu können, welches Leben ich leben will, ist wünschenswert, schön und befriedigend. In der Woche danach vor Wut weinend auf dem Sofa zu liegen und mir zu wünschen, dass eine andere Person meinen Kopf mitnimmt, ist weniger erfüllend. Und doch. Und doch gehört es beides zusammen. Alle diese Gefühle sind ein Teil von mir, und alle sind wahr und wichtig. Dass sie gleichzeitig oder nebeneinander auftauchen, macht die Sache nicht einfacher, aber von einfach war ja auch nie die Rede.

Heute glaube ich verstanden zu haben, was eigentlich genau passiert in meinem Kopf, Herz und Bauch. (Ich bin da vorsichtig, vielleicht irre ich mich auch.) Aus dem ganzen Hass und der Wut und Enttäuschung, die heute auf dem Sofa herrschten, kam ein Funken von Verständnis und Zuneigung und Empathie. Dann Trauer und wieder Wut. Die Tage sind einfacher zu ertragen, wenn sich nicht so viele Emotionen ständig abwechseln, aber dies sind die lehrreichen Tage.

Zunächst einmal verhindert Verständnis die Wut und den Hass. Verständnis ist im Grunde das Gegenmittel. Wenn ich verstehe, kann ich nicht mehr wütend sein. (Das mag für andere Menschen anders sein, bei mir geht das dann ziemlich schnell.) Ich kann mich aber auch weigern zu verstehen, weil ich wütend sein möchte. Der gerechte Zorn oder so. Wobei mich der gerechte Zorn auch noch nirgendwohin geführt hat. Zumindest an keinen Ort, der schöner gewesen wäre.

Ich habe mir das letzte Kapitel von Laurie Pennys Buch aufgespart. Vielleicht hatte ich auch noch keine Zeit es zu lesen, aber aufgespart klingt nach viel mehr Absicht, und dann ist die Geschichte schöner. Ich habe mir das Kapitel mit dem Titel „Liebe und Lügen“ also aufgespart und dann nach all den ganzen Emotionen, die meine Augen so schwer wie Blei gemacht haben, endlich gelesen. Und die Frau schreibt ja schlaue Dinge. Dinge, so wahr, dass sie mich in den letzten Tagen so wütend auf die Welt gemacht haben, dass ich dafür kaum Worte finden kann. Außerdem hat Laurie Penny die Worte ja schon gefunden, da muss ich keine besseren mehr suchen.

Und während ich das Kapitel las und gleichzeitig meinen Tag rekapitulierte (das geht parallel), kam mir die Erkenntnis, die hoffentlich auch eine ist, und auch eine bleiben wird: Ich kämpfe mit meiner Sozialisation. Genau genommen kämpft meine Sozialisation gegen die Dinge, die ich für richtig halte und nach denen ich mein Leben ausrichten möchte. Das sind in diesem Fall nämlich nicht die gleichen Dinge. Und beide wollen das Ruder in der Hand haben. Die Sozialisation drückt sich in Wut, Hass, Eifersucht und Selbstgerechtigkeit aus. Das sind ziemlich starke Dinge, die vor allem dafür sorgen, dass jedes Elend in meinem Kopf, Herz und Bauch auf ein Objekt außerhalb meines Körpers projiziert wird (soll heißen: das ist nicht meine Schuld, die Anderen sind doof). Und weil das so einfach ist, ist es so stark. Außerdem habe ich das schließlich 29 Jahre so gelernt, irgendwas muss ja dran sein.

Die Dinge, die ich für richtig halte, und nach denen ich mein Leben ausrichten möchte, sind etwas kleinlaut. Erstens sind sie noch nicht so lange in meinem Bewusstsein. Wenn ich großzügig bin, dann gestatte ich ihnen sechs Jahre in meinem Leben. (Wenn ich besonders großzügig bin, gebe ich ihnen zehn Jahre, davon allerdings ungefähr die Hälfte unkontrolliertes Aufbäumen gegen die Konventionen.) Ein Pups, gegen die 29 übermächtigen Jahre der Sozialisation. Außerdem kommen diese Dinge mit (Selbst-)Reflexion, Empathie, Schmerz und Trauer daher. Das sind sehr anstrengende Prozesse. Prozesse, die die 29 Jahre Sozialisation herausfordern und auseinandernehmen und hinterfragen und neu zusammen bauen wollen. Es ist das Lernen zu verlernen. (Ich kann das nicht genau zu ordnen, aber das haben schon viele Menschen vor mir gesagt, ich hab mir das nicht ausgedacht. Schnelles Googeln hilft gerade leider auch nicht.) Rückfälle sind wahrscheinlich zu erwarten, und sie sind hart und tun weh. Und trotzdem ist es notwendig, die Dinge zu verlernen, die ich gelernt habe. Zumindest ein paar davon. Die, die mich einengen und klein machen und mir sagen wollen, wie ich ein gutes, angepasstes Leben führen soll.

Die Dinge, die ich für richtig halte (ich empfehle bell hooks und GFK, aber das sind nur die aktuellen, die mir gerade einfallen), sind nicht einfach und nicht das, was von mir erwartet wird. Sie sind weder gesellschafts- noch kapitalismuskonform. Sie entsprechen nicht den Werten meiner Familie oder den Konventionen meiner Umgebung. Und trotzdem. Trotzdem bin ich nicht die Einzige, die so lebt, und die diesen Weg geht, und die sich aufbäumt und kämpft auch wenn es weh tut und wenn ich vor lauter Tränen den Weg nicht mehr sehe. Und das ist vielleicht das einzige, was mich hoffen und weitermachen lässt: Dass ich nicht die Einzige bin, und dass es besser wird, irgendwann. Irgendwann wird auch diese Epoche zu Ende gehen. Das ist der Trost, den ich brauche, auch wenn er nicht an jedem Tag ausreicht.

Ich weiß nicht, ob ich durchhalte, oder ob ich irgendwann einknicke. Im Moment knicke ich alle paar Tage ein und schlage mit Händen und Füßen wutschnaubend und tränenüberströmt um mich. Und ich hab keine Ahnung, ob das jemals vorbei gehen wird. Spielt jetzt aber auch keine Rolle. Deswegen schließe ich mit Laurie Penny, auf hoffnunsgvollere Art:

„Jenseits des ‚…bis zum Ende ihrer Tage‘, jenseits der einzig gültigen Geschichte, wie Leben, Arbeit und Partnerschaft beschaffen sein sollen, war die Liebe immer frei. Wenn das Märchen zu Ende ist, können wir noch viele Seiten umblättern in dieser langen, mühevollen Saga von der menschlichen Liebe, und es gibt immer noch eine Geschichte zu erzählen.“ (Laurie Penny, Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution. S. 257)

Trauer

Heute schreibe ich, um zu bestätigen was schon viele andere Menschen vor mir geschrieben haben: Trauer ist zirkulär. Trauer kommt immer wieder. Trauer passiert in Schüben. Ob es je ein Ende hat, kann ich (noch) nicht sagen.

Trauer kommt in den unterschiedlichsten Moment. Trauer kommt jeden Abend nach einem langen Tag, wenn wir niemandem zum Reden haben, weil wir auf der Arbeit sind und Bildungsarbeit leisten. Dann kommt Trauer in Form von einsamen Tränen und Schluchzern, versteckt als Wut, heftig und verbunden mit Schlaflosigkeit. Trauer kommt nach einem schönen Abend mit einer Freundin, auf dem Weg nach Hause, nach dem litauischen Lied, das an früher erinnert (und mit Liebe zu tun hat) bei dem Lied, das an Trauer erinnert (und auch mit Liebe zu tun) und danach zu allen anderen Liedern (egal, womit sie zu tun haben), vom Umziehen auf die Toilette bis ins Bett. Trauer kommt in heftigen Heul- und Schluchzattacken, und Trauer kommt in leisen einsamen Tränen. Im Liegen, Stehen, Sitzen. Beim Arbeiten, beim Reden, beim Denken, beim Lesen, bei Musik, im Gespräch, beim Nachdenken. Trauer kommt in Momenten, in denen eins sie erwartet, weil der Kontext, das Gespräch, der Moment sowieso traurig ist. Und Trauer kommt in Momenten, in denen eins sie nicht erwartet, weil eins gerade noch gelacht, gescherzt, sich gefreut hat. Trauer kommt mit anderen Gefühlen: mit Zufriedenheit, mit Nervosität, mit Wut, mit Angst, mit Akzeptanz, mit Neid, mit Freude, mit Lust.

Damals, vor fast zehn Jahren, sagte mal eine Person zu mir, dass es gerade die Momente sind, die widersprüchlichen, die Lach-Wein-Momente, die unser Leben ausmachen. Ich weiß bis heute nicht, ob das stimmt. Das einzige, was ich weiß, ist, dass Trauer immer kommen kann. Und dass Trauer nichts Negatives ist, sondern nur den Ort zeigt, wo der Schmerz sitzt. Den Ort, der weh tut, und meistens, wenn wir genau hinhören, dann sagt die Trauer auch, warum es weh tut und was wir eigentlich brauchen. Und damit ist die Trauer zwar ein anstrengender, aber doch auch ein willkommener Gast. Und letztlich eine Chance: zu verstehen, was wir brauchen, und wie wir dahinkommen können. Die Chance zum Wandel.

Gewaltfreie Kommunikation

Ich habe es ja in meinem letzten Beitrag schon erwähnt: Ich habe in den letzten Wochen drei Bücher über Gewaltfreie Kommunikation (kurz GFK) gelesen, darunter das Hauptwerk von Marshall Rosenberg.

In meiner eigenen Reflexion habe ich bemerkt, dass mich Elemente der GFK schon seit Jahren begleiten. Ein Hauptanliegen ist die Unterschiedung von Beobachtung und Bewertung und GFK ist ein Plädoyer dafür, die eigenen Handlungen und die Handlungen anderer Menschen zunächst zu beobachten, ohne sie zu bewerten, und sich dann auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu konzentrieren. In meiner Vorbereitung auf meinen Freiwilligendienst in Jerusalem hat eine unserer Teamerinnen versucht, uns dieses Thema näher zu bringen. Dies geschah vor allem im Kontext von Interkultureller Kommunikation. Ich erinnere mich noch sehr genau an ihre Erklärungen und vor allem den erwähnten Grundsatz der Trennung von Beobachtung und Bewertung. Ich erinnere mich auch, dass ich das damals für ehrenhaft, aber praktisch unmöglich hielt.

In den letzten Jahren ist mir durch mein Masterstudium und die immer wiederkehrende Beschäftigung mit Schule aufgefallen, dass uns das Bewerten sogar beigebracht werden soll. Ein erklärtes Ziel von Schulcurricula ist es, Schüler*innen das Bewerten von Informationen beizubringen. Aber die Schule ist nicht der einzige Ort, an dem bewertet wird. Mittlerweile ist mir klar geworden, dass wir ständig bewerten in unserem Alltag: uns selbst, alle Anderen um uns herum, Unbekannte in unserem Umfeld, Unbekannte weit weg. Bewertung ist von dem Verständnis für andere Menschen sehr weit entfernt.

Im Kontext dieser Gedanken ist mir noch etwas Anderes aufgefallen, das mich seit meinem Freiwilligendienst in Kaunas begleitet. Zu der Zeit habe ich in einem Flüchtlingszentrum gearbeitet, in dem vor allem Tschetschen*innen gewohnt haben, und mit denen ich vorwiegend in Kontakt war. In dieser Zeit habe ich mich viel mit dem Russisch-Tschetschenischen Konflikt beschäftigt und auch mit den sogenannten Schwarzen Witwen. Dabei handelt es sich um Selbstmordattentäterinnen, die von tschetschenischen terroristisch Gruppen rekrutiert wurden, und deren Familien und Ehemänner meist vom russischen Militär ermordet wurden. Ich habe immer mal wieder gesagt, dass ich verstehen kann, warum sie Selbstmordattentate begehen und wurde dafür immer wieder angegriffen. Dabei habe ich diese nie und tue das auch heute nicht gut geheißen. Ich unterstütze diese Frauen und diese Praktiken nicht, aber ich verstehe die Beweggründe, die Menschen dazu bringen können, sich rekrutieren zu lassen. Heute weiß ich, durch die Beschäftigung mit GFK, dass es sich dabei schon um ein empathisches Verstehen gehandelt hat. Dass Verstehen nicht gleich Befürworten oder Unterstützen ist, war mir schon damals klar, und diesen Eindruck hat die GFK nur bestätigt.

In den letzten Wochen und Monaten ist mir immer wieder bewusst geworden, wie stark gewaltvoll wir uns anderen Menschen gegenüber verhalten. Wie schnell wir urteilen und angreifen, uns im Recht fühlen, andere schlechter machen, usw. Mir ist das in den letzten zwei Jahren immer mal wieder aufgefallen, aber Anfang diesen Jahres in einer noch größeren Intensität, und auch vermehrt in meinem eigenen Verhalten.

Und ich möchte so nicht sein.

Mir ist bewusst, dass ich das Urteilen gelernt habe, und es in mir drin steckt. Und ich weiß auch, dass ich anderen Menschen so nicht mehr begegnen möchte. Ich möchte Verständnis und Respekt von Anderen, und möchte ihnen das auch geben. Die GFK hat mir geholfen, mir das bewusst zu machen und mich damit auseinanderzusetzen. Es ist kein leichter Prozess, ich stoße jeden Tag an meine Grenzen. Gleichzeitig lerne ich jeden Tag etwas Neues, oder bin stolz auf mich, weil ich etwas neu reflektiert habe. Außerdem hat die GFK mir geholfen, meine eigenen Bedürfnisse besser zu erkennen und meine Gefühle zu verstehen. Was ich mit diesem Wissen genau mache, das weiß ich noch nicht. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass es mir helfen wird, mein Leben so zu gestalten, dass ich mich darin wohler und zufriedener fühle.

2016 IV/…

Es gibt Tage, wie heute, an denen ich morgens arbeiten muss, und dann bedarf es erstmal eines ordentlichen Mittagessens, eines Kaffees, Yoga, und ein bisschen Entspannung, bis ich mich überhaupt wieder an den Schreibtisch setzen kann. Ich ließ mir sagen, oder vielleicht sage ich es mir auch nur selbst, dass das normal ist.

Wie gesagt gibt es mehrere Themen, über die ich irgendwie immer mal wieder schreiben wollte, und die mir so im Kopf rumschwirren, und heute ist so ein Tag, an dem ich vielleicht mal damit anfange, diese Gedanken niederzuschreiben.

Es gibt diese sehr untauglichen Sprüche oder Redwendungen, dass mensch nur geliebt werden kann wenn mensch sich selbst liebt. Dieser Spruch hat sehr viele problematische Implikationen. Die ganz offensichtliche ist nur eine davon. [1]   Der Spruch schließt aber auch Menschen aus, die ein problematisches Bild von sich selbst haben, zum Beispiel aufgrund von psychischen Krankheiten. Diesen Menschen soll also verwehrt sein, Liebe zu erfahren? Bullshit.

Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch verdient, geliebt zu werden und auch Liebe erfahren kann, ganz unabhängig davon, ob sie*er sich selbst liebt oder wieviel sie*er sich selbst liebt. Ich wurde auch geliebt, als ich mich selbst ziemlich scheiße fand und als ich Depressionen hatte und ich find mich heute manchmal immer noch ziemlich scheiße. Das ist auch normal. Kein Mensch kann sich selbst immer lieben, genauso wenig wie kein Mensch einen anderen Menschen immer lieben kann. [2]

Die letzten Monate habe ich sehr viel über mich selbst gelernt. Ich habe viel reflektiert über mich und die Vergangenheit und dieser Prozess wird auch lange nicht abgeschlossen sein. Ich bin mittlerweile an einem Punkt, wo ich mich selber immer wieder hinterfrage und auch die Erwartungen, die ich an andere Menschen richte. Sind diese Erwartungen gerechtfertigt? Was für ein Bedürfnis steckt dahinter? Welche Bedürfnisse hat die andere Person? Welche Erwartungen hat die andere Person? Werden diese geäußert?

Ich lerne mehr und mehr, meine eigenen Bedürfnisse auszusprechen. Und meine Erwartungen zu hinterfragen. Das Bedürfnisse aussprechen hilft total in der Kommunikation mit Anderen. Und das Erwartungen hinterfragen hilft total im Umgang mit mir selbst. Und auch in der Akzeptanz meiner selbst.

Ich würde nicht behaupten, dass ich mich mehr liebe als früher. Ich würde eher sagen, dass ich gelernt habe, besser zu mir zu sein und mich selbst auch so sein zu lassen, wie ich bin. Mit den Erwartungen (die ungerechtfertigt sein mögen), und den Ängsten und den Zweifeln. Und dass ich gelernt habe, besser zu Anderen zu sein. Ihre Bedürfnisse eher wahrzunehmen und zu akzeptieren und nicht nur zu verlangen, dass meine Bedürfnisse erfüllt werden mögen, egal was die andere Person gerade will.

Ich würde auch nicht behaupten, dass ich jetzt mehr Liebe verdient habe oder mehr Liebe bekomme. Ich merke hingegen, dass ich die Liebe, die mir gegeben wird, leichter und besser annehmen kann, und dass ich selber mehr und freier lieben kann. Insofern hat der Spruch oben für mich nicht mehr Wahrheit als vorher, und auch nicht mehr Relevanz. Ich finde eher, dass Liebe leichter fällt, wenn mensch auch gut zu sich selbst sein kann. Ob das universell [3] so ist, sei mal dahin gestellt.


 

[1] Also die Tatsache, dass mensch nur geliebt werden kann oder verdient, geliebt zu werden, wenn mensch sich selbst liebt. Also. Bitte. Wer denkt sich denn sowas aus?
[2] Was sollen auch eigentlich diese ultimativen Aussagen? Wissen wir nicht bereits, dass nichts ultimativ und immer und nie ist?
[3] ;)

Vogelgezwitscher

Im Moment habe ich emotional sehr viel zu tun. Ich arbeite an mir selbst, hinterfrage sehr viel und denke allgemein sehr viel über mein Leben und meine eigenen Gefühle nach. Ich merke immer wieder, dass ich sehr schnell in co-dependency zu anderen Menschen komme. Das gefällt mir selber gar nicht so gut, weil ich merke, dass ich dann sehr schnell abhängig werde von den Launen, Bedürfnissen und Gefühlen anderer Menschen und es mir schwer fällt, auf mich zu achten, bei mir zu bleiben und meine Strategien anzuwenden, um mit mir selbst klarzukommen.

Heute war es wieder eher schwierig. Und weil es so schwierig war, habe ich eine andere Strategie entdeckt, mit der es mir gut geht. Die ist eigentlich auch gar nichts Neues. Als ich in Litauen gewohnt habe, habe ich schon gemerkt, dass es mir gut tut, einfach rauszugehen und mich zu bewegen, wenn ich von meinen Gefühlen überfordert bin oder einfach alles was mit Menschen zu tun hat (wenn ich also übermenscht bin) viel zu viel ist. Das habe ich heute auch wieder gemacht und war fast zwei Stunden draußen. Das Wetter ist zwar ein bisschen grau, aber nicht allzu kalt und es regnet nicht, was wirklich schon ziemlich gut ist.

Ich bin einfach durch die Landschaft gewandert. Es dauert gar nicht so lange, bis mensch aus den Häusersiedlungen rauskommt und es zumindest ein bisschen Natur gibt. Dort gibt es Vogelgezwitscher, Schafe und hübsche kleine Häuser. In eins davon würde ich auch ziehen, wenn ich könnte, aber es ist eindeutig bewohnt. Na ja. Irgendwann ziehe ich einfach in ein weißes Haus mit blauen Fenstern. So.

Heute ist mir auch aufgefallen, dass ich beim nächsten Mal einfach meine Kamera mitnehmen sollte. Es fehlt mir manchmal zu fotografieren und so ein Spaziergang ist ja auch eine gute Gelegenheit. Und es würde mir gefallen, meine Kamera wieder mehr zu gebrauchen, neue Dinge zu lernen und vielleicht tatsächlich mal auf ein Objektiv, das mir gefällt, oder einen externen Blitz zu sparen.

Also. Mehr Klarheit im Kopf, mehr emotionale Ruhe und ein paar gute Ideen für die nächste Zeit reicher sitze ich jetzt wieder an dem Monster, das sich Masterarbeit nennt.