Linkschau #13

Das Masterarbeits-Monster ist besiegt und wider aller Erwartungen habe ich mehr zu tun als vorher. Egal! Das Leben ist so, und ich mag es.

Zuerst ein paar Bilder aus dem Hong Kong der 1950er Jahre, für alle, die etwas lesefaul sind.

Im Migazin schreibt Ekrem Senol über Vorgaben zum Ehegattennachzug und wie bestimmte Nationalitäten dadurch benachteiligt werden.

Emma Goldbitch schreibt bei umstandslos zu der Frage, ob frau widerständig schwanger sein kann und was das bedeutet.

Charlieissocoollike resümiert aufgrund des Schreibens seines Buches darüber, dass wir unsere Träume vielleicht manchmal loslassen müssen, um das zu finden, was uns glücklich macht. [Englisch]

Frau Gehlhaar schreibt über ihre Buchveröffentlichung und über Fragen zu Inklusion, die sie gestellt bekommt.

Bei umstandslos schreibt Anna über Frühgeburten.

In der freitag schreibe George Monbiot über die Folgen des Neoliberalismus.

Julie schreibt über Elternschaft und Freundschaften.

Wieder bei umstandslos schreibt Antonia über ihre Bedürfnisse als Mutter und wie diese regelmäßig missachtet werden.

Und nochmal bei umstandslos schreibt Katrin über die Schwierigkeit, als queere Familie ein Kind zu bekommen/adoptieren. [Ich würde übrigens empfehlen, einfach den Fed zu abonnieren, weil die meisten Beiträge bei umstandslos großartig sind.]

Irene Messinger schreibt im migrazine darüber, wie Heirat eine subversive Praxis sein kann.

Berliner Juden, Jüdinnen und Israelis warnen in dieser Stellungnahme vor Zensur in Bezug auf ein Kunstprojekt in Berlin.

Bethy Squires schreibt bei broadly. über die sexistische und rassistische Geschichte von Verhütungsmitteln, und wieso die schwerwiegenden Nebenwirkungen jahrzehntelang geheim gehalten wurden. [Englisch]

Nochmal bei broadly. schreibt Polina Bachlakova über Geburtspraxen von indigenen Frauen in den USA. [Englisch]

Dominique Haensell schreibt im Missy Magazine darüber, warum Identitätspolitiken für marginalisierte Gruppen wichtig sind und widerständig sein können.

In der taz schreibt Deborah Feldman über Trumps Wahlerfolh und die Erkenntnis, dass die Linke aufhören muss, so hochnäsig zu sein und sich selbst zu isolieren.

In Zusammenhang mit dem letzten Artikel seien auch die 11 Thesen zu linker Politik empfohlen, die ein Kollektiv aus Bremen zusammen gestellt hat.

 

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Meine Geschichte mit Kopfhaar

img_3000Ich hatte in meinem Leben sehr oft kurze Haare. Ich mag kurze Haare, und ich mag, wenn meine Haare kurz sind. Ich mag auch, wenn ich gar keine Haare habe, oder wenn sie langsam wachsen und sich besonders flauschig anfühlen.

Zu meiner Gymnasialzeit hatte ich meist so mittellange Haare. Und ich hatte oft eine doofe Zeit. Ich wurde gemobbt, und ich habe mich vielfach nicht wohl gefühlt. Und sehr sehr lange habe ich die Länge meiner Haare damit in Verbindung gebracht. Ich mochte einfach nicht, was für ein Mensch ich mit mittellangen Haaren war und was ich mit mir habe machen lassen und welche Entscheidungen ich in meinem Leben getroffen habe. Erst kürzlich fiel mir auf, dass ich all das mit der Länge meiner Haare verbinde. Beziehungsweise verbunden habe. Ausrufezeichen!

Als es mir sehr schlecht mit mir und meinen Entscheidungen ging, hatte ich Glatze. Das hat geholfen. Steht mir auch ziemlich gut. Das hat auch dazu geführt, dass ich dann wirklich sehr lange Zeit ziemlich kurze Haare hatte. Das steht mir auch gut. Es ging mir auch gut damit. Ich mochte mich sogar.

Ich habe häufig gesagt, dass mir meine Haare egal sind. Die Wahrheit ist, dass das nicht stimmt. Ich habe nur kein Problem damit, keine oder sehr kurze Haare zu haben, weil ich auch das an meinen Haaren mag. Es steht mir, ich fühle mich damit wohl. Anfang diesen Jahres habeich beschlossen, meine Haare wachsen zu lassen und zu sehen, was passiert. Es gibt in diesem Prozess meist sehr viele Phasen, die scheiße aussehen, weil die Haare eine Zwischenlänge haben. Dieses Mal fand ich, dass ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt scheiße aussah. Keine Ahnung, was andere Menschen dazu denken, aber ich fand und finde meine Haare gut.

Das Geheimnis dieses Mal ist, dass ich meine Haare ziemlich mag. Sie gefallen mir. Ich gefalle mir auch. What! Sie nerven manchmal und aus praktischen Gründen sind kurze Haare irgendwie immer noch besser (zumindest hängen sie nicht im Gesicht rum). Aber ich mag mich. Das legt nicht an meinen Haaren, das ist mir klar. Das liegt an anderen Prozessen, die ich in den letzten Monaten durchgemacht habe. Aber es zeigt mir, dass ich Prozesse durchgemacht habe. Und dass ich, unabhängig davon wie ich aussah als ich welche Entscheidungen auch immer in meiner Vergangenheit getroffen habe, mich jetzt lieber mag als früher. Es gibt immer noch Liebespotenzial nach oben, sogar ziemlich viel, aber es hat sich auch schon einiges getan. Und das ist ziemlich gut.

Deswegen warte ich jetzt ab, was mit meinen Haaren noch so passiert. Ich versuche auch, sie weniger zu waschen und gesünder zu halten. Das ist ein sehr langwieriger Prozess, der mir aber sehr wertvoll und wichtig erscheint. Vielleicht ist es auch irrelevant, aber ich arbeite trotzdem daran.

Alltagsnarrative

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Ich beschäftige mich wissenschaftlich mit Narrativen und ihrer Konstruiertheit. Mir ist klar, dass wir alle immer wieder Narrative über uns selbst und die Welt produzieren. Daran gibt es auch nichts zu meckern, das ist Teil der Identitätsbildung- oder stärkung. Narrative können sich ändern im Leben und vergangene Ereignisse werden gerne an aktuelle Narrative angepasst. Alles keine Frage.

Vor ein paar Tagen traf ich mich mit einer Freundin, die mir von einem Päarchen in ihrer Umgebung erzählte, die gerade mit ziemlichen administrativen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. (Der genaue Kontext ist in diesem Fall egal.) Und dann hat sie dieses Päarchen mit D. und mir verglichen und betont, wieviel schwerer die beiden es doch haben.

Ganz abgesehen davon, dass es schwierig zu messen ist, wer es schwerer hat im Leben und ich hier auch keinen Wettbewerb aufmachen möchte, und dass es sogar ziemlich wahrscheinlich ist, DASS die beiden es gerade schwerer haben, war ich doch sehr überrascht, mit welcher Leichtigkeit meine Freundin unsere Geschichte abtat. Vielleicht war es auch verletzter Stolz oder das Gefühl des Nicht-gesehen-werdens meiner Geschichte, weswegen ich zunächst verletzt davon war. Abseits davon konnte ich B.s Aussage aber auch gar nicht einordnen.

Bis mir dann schließlich klar wurde, dass B. und ich andere Versionen derselben Geschichte kennen. Ich brüste mich damit, die GANZE Geschichte zu kennen, die ich aber offensichtlich nicht mit B. geteilt habe. Das ist mir aber erst aufgefallen, als mir bewusst wurde, dass wir andere Narrative meiner und D.s Geschichte im Kopf haben. Und erst dann wurde mir so richtig bewusst, dass die Menschen ein gewisses Bild von mir haben, was von einer bestimmten Geschichte abhängig ist. Dieses Bild kann ich teilweise kontrollieren, bewusst oder unbewusst, dadurch, was ich über mein Leben preisgebe. Es wird aber auch dadurch geprägt, wie ich mich verhalte und welche Aussagen ich teffe. Und dann gleitet mir dieses Bild wieder aus der Hand.

Es war mir schon vorher klar, dass ich das Bild, das andere Menschen von mir haben, nicht alleine beeinflussen oder hundertprozentig kontrollieren kann. Das war auch nie mein Anspruch. Aber so direkt zu erleben, wie gewisse Informationen das Bild von mir beeinflussen, und mich dieses Bild dann irgendwann zurück anblickt, das war mindestens irritierend.

Nennen wir es Urlaub

Es war schön und voll und viel. Viel Fahren, viele Dinge, viel Ruhe, viel Lesen, viel Liebe, viel Reden, viel Landschaft, viel Essen. Mein Kopf ist freier und ich motivierter für die letzten Schritte der Masterarbeit, einen neuen schlecht bezahlten Job, eine vielleicht tolle Ehrenamtlichkeit, den Rest zu erledigende Selbstständigkeit. So sah es aus.

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