kindness

In der letzten Woche hatte ich ein paar kleine, freundliche Begegnungen mit Menschen, die ich nicht kenne und die ich vermutlich auch nicht wieder sehen werde. Jede dieser Begegnungen hat mich glücklich gemacht, auch wenn diese Momente so kurz sind, dass sie in der Ansammlung an Momenten, die wir Leben nennen, nicht besonders herausstechen. Ich kenne ja oft nicht mal die Namen dieser Menschen. Wie zum Beispiel von dem Mann, der extra angehalten hat, um mir anzubieten, mich zum Nationalpark mitzunehmen. Oder der Mann (dessen Namen ich zwar kenne, aber das spielt hier nur eine untergeordnete Rolle), der das Hauslicht für mich ausgemacht hat, damit ich die Sterne besser sehen konnte

Und es hat geholfen! Ich hab noch nie den Nordstern von alleine erkannt, und jetzt weiß ich sogar, wie ich ihn finde. Yeah! Und den Oriongürtel und Kassiopeia und die Pleiaden. Leider konnte ich die Milchstraße im Winter nicht sehen. Dsfür garantiere ich Euch, dass ich die Sterne noch nie so hell und deutlich gesehen habe. Und so nah kamen sie mir vor!

Und dann waren da natürlich noch die Frauen in der Frauenbibliothek, die unglaublich freundlich waren und mich einbezogen haben, obwohl ich das erste (und einzige?) Mal da war. Besonders inspirierend fand ich die über Achtzigjährige, die diesen Sommer alleine nach Uzbekistan fährt und mich ermuntert hat, genau das zu machen, was ich will und schön weiter alleine zu reisen.

Keine dieser Begegnungen war zu warten und es waren nicht mal die einzigen, die mich berührt haben. Nur die letzten. Es hat richtig Spaß gemacht, diese Menschen zu treffen und mich aufgemuntert. Abseits von Stress und Arbeit gibt es kindness. (Weil es für kindness keine gute Übersetzung ins Deutsche gibt, bleibe ich bei kindness.) Und hiermit haben wir wieder eine dieser offensichtlichen Erkenntnisse, die ich sehr gerne in die Welt hinausposaune. Leute, es gibt noch kindness in der Welt! Das wusstet Ihr schon? Das ist e für Euch. Ich freue mich und hoffe, dass Ihr sie oft erleben dürft, denn es fühlt sich super an.

Was ansonsten zu meiner guten Laune beigetragen hat war Harley Quinn/Birds of Prey. Nach dem Film hab ich mich gefühlt, als würde mir die Welt gehören. Ich denke, der Film hat also seine Funktion erfüllt.

Mehr Harley Quinn. (Alle auf Englisch.)

Arundhati Roy über Friedhöfe, Indien und Pakistan und Kashmir und ein bisschen über Kunst in schweren Zeiten. (Englisch)

Wie in den USA Defamierungsanklagen genutzt werden, um Überlende sexueller Gewalt einzuschüchtern. (Englisch)

 

Über das Schreiben

Ich habe NaNoWiMo1 mitgemacht und dementsprechend nicht nur im letzten Monat, sondern auch im ganzen letzten Jahr viel geschrieben. Das Script, das ich im letzten Monat zu Ende geschrieben habe, ist in der ersten Version fertig. Und damit wäre ich dann auch schon bei den Dingen, die ich übers Schreiben gelernt habe.

Ich habe immer frei heraus geschrieben. Schreiben hilft mir beim Sortieren meiner Gedanken. Es legt fest, was ansonsten hin und her springt und manchmal schwierig zu verstehen ist. In den fiktiven Dingen, die ich in der Vergangenheit geschrieben habe, bin ich ohne festen Plan vorgegangen, und immer wieder darin gescheitert, irgendetwas zu Ende zu bringen. Dafür gibt es viele Gründe, u.a. die Ziellosigkeit des Schreibens, die Einbildung, dass vom Schreiben alleine schon etwas kommen wird, meine Ungeduld, … Ich habe es bis letzten Monat nicht geschafft, etwas Fiktives fertig zu schreiben. Ich dachte, ich schreibe und schreibe, und irgendwann wird es fertig sein, und dann werden andere Leute es lesen können. Wow!

Vielleicht am aussagekräftigsten ist, dass mein akademisches Schreiben nie so funktioniert hat. Akademisch schreibe ich nach langem Nachdenken, nachdem ich Stichpunkte festgelegt und hin und her geschoben habe. Nachdem ich einiges an anderen Texten gelesen und meine Gedanken mit diesen Gedanken verbunden habe. Und dann, wenn es geschrieben ist, dann korrigiere ich mehrmals. Bis ich es für fertig halte. Akademisches Schreiben ging nie von alleine und war immer Arbeit. Vor allem viel Denkarbeit.

Zu denken, dass fiktives Schreiben irgendwie anders funktioniert – auch wenn es das in manchen Aspekten tut – war vermutlich etwas unüberlegt.

Dieses Mal war es anders. Ich hatte einen Plan. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich eine sogenannte „Outline“, einen Leitfaden dafür, wie die Geschichte verlaufen soll. Irgendwann ist die Geschichte davon abgewichen. Allerdings hat der Leitfaden sehr dabei geholfen, auf der generellen Linie zu bleiben und das Ziel der Geschichte anzuvisieren. Und jetzt ist es fertig. Der erste Entwurf, den kein Mensch lesen darf, außer meiner Schwester. Als nächstes kommt das Überarbeiten. Auch wenn ich schon oft akademische Texte überarbeitet habe, habe ich keine Ahnung, wie ich diesen Text überarbeiten soll. Er muss formell überarbeitet werden. Die Geschichte muss gestrafft und ergänzt werden. Die Charaktere und Dialoge brauchen jede Menge Arbeit. Schon beim Schreiben wusste ich, dass manche Teile unbrauchbar waren und sind. Das Mantra im letzten Monat war jedoch, weiter zu machen und es zu schaffen, den ersten Entwurf fertig zu kriegen. Etwas, dass ich mir in diesem Jahr schon vor Monaten vorgenommen habe und ich bin froh, dass ich es geschafft habe. Jetzt habe ich keine Ahnung, wie es weiter gehen soll. Wo ich anfangen soll beim Überarbeiten. Das einzige, was ich weiß, ist, dass ich damit noch etwas warten will. Ich will die Geschichte erst ein bisschen vergessen, bevor ich sie überarbeite.

In der Zwischenzeit will ich gerne weiter schreiben. Wie schon immer macht das Schreiben mir Spaß und besonders das Herausschreiben, das mir hilft, so viele Dinge aus meinem Kopf los zu werden. Manchmal werde ich sicher Ideen für Geschichten haben, Szenen, die geschrieben werden wollen. Manchmal werde ich meine eigenen persönlichen Gedanken und Gefühle nieder schreiben. Manchmal werde ich vielleicht wieder auf das Medium des Blogs zurück greifen.

Ich habe dieses Jahr viel darüber nachgedacht, was ich mit dem Blog machen könnte. Etwas Anderes als vorher. Was genau, weiß ich noch nicht. Ich habe einige Ideen. Gleichzeitig weiß ich noch nicht, wie sich das Blog mit meinem anderen Schreiben einordnen wird. Denn eines ist mittlerweile sicher: Schreiben ist das, was ich jeden Tag tue. Schreiben für mein akademisches Arbeiten. Schreiben für mein Tagebuch. Schreiben für meine kreativen Ideen. Schreiben schreiben schreiben.

Dieses Jahr habe ich sehr viel über das Schreiben gelernt. Vermutlich wäre ich nie so weit gekommen, wenn ich nicht vor ungefähr siebzehn Jahren angefangen hätte, sorglos ins Internet zu schreiben. Denn mindestens eine Sache habe ich daraus gelernt: Schreiben von der Leber weg, und durchhalten.2 Jetzt will ich viele andere Dinge lernen. Durchhalten wird auf jeden Fall ein Teil davon sein, ebenso wie überarbeiten, planen, denken, hin und her schieben.

Schreiben hilft mir beim Denken. Und vielleicht kann ich in den kommenden Monaten und Jahren noch mehr übers Schreiben lernen und das Schreiben noch besser für mich nutzen. Spaß macht es mir in jedem Fall, auch wenn es manchmal anstrengend und kräftezehrend ist.


1. National Novel Writing Month

2. Also doch zwei Sachen.

Januar Recap

Dieses Mal in einem etwas anderen Format. Gelesen habe ich folgendens (übrigens in den ersten zweieinhalb Wochen des Monats, danach nichts mehr):

Brandon Sanderson, Skyward – Claim the Stars

Skyward ist der erste Band einer Science Fiction-Serie (Trilogie?). Es geht um Spensa, die in den armen Vierteln ihrer Kolonie unter der Erde aufwächst. Spensa kümmert sich um ihre Familie, indem sie in den unerforschten Tunneln um die Kolonie herum Ratten fängt, die ihre Mutter dann an die Arbeiter*innenschaft verkauft. Spensa und ihre Familie leiden darunter, dass Spensas Vater, ein früherer Pilot, als Feigling beschimpft wird und ihre Familie deswegen von vielen geschnitten wird. Spensa möchte, wie ihr Vater, Pilotin werden, und kämpft darum, sich diesen Traum erfüllen zu können. Die menschliche Kolonie auf dem Planeten Detritus wird regelmäßig von Aliens, den Krell, angegriffen und die Pilot*innen kämpfen gegen diese Angriffe, um die überlebende Menschheit zu schützen. Wer oder was die Krell genau sind und warum sie die Menschheit angreifen, ist unklar.

Das Buch beschreibt die Welt und das Geschehen aus Spensas Perspektive. Am Anfang musste ich mich ein wenig an Spensa gewöhnen, weil sie eine sehr große Klappe und eine ungewohnte Art sich auszudrücken hat. Ich hab mich schnell daran gewöhnt und es hat mich noch mehr gefreut, dass dieser Aspekt von Spensas Persönlichkeit im Laufe des Buches explizit thematisiert wurde und Spensa eine gut geschriebene und plausible Charakterentwicklung durchgemacht hat. Das Buch war seit langem mal eins, bei dem ich wirklich mitgefiebert habe und wissen wollte, wie es weiter geht. Einerseits, was Spensas Geschichte angeht, und auch, was die Geschichte um ihren Vater angeht. Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Teil, und freue mich jetzt schon darauf, ihn irgendwann lesen zu dürfen.

Virginie Despentes – King Kong Theorie

King Kong Theorie ist eine Sammlung von in sich geschlossenen Essays von Virginie Despentes. Es ist eine Mischung aus feministischen Essays und Berichten aus ihrem Leben. Despentes‘ Sprache ist teilweise sehr vulgär und direkt, was ich sehr mochte. Sie bringt die Dinge aus ihrer Sicht gut auf den Punkt. Ihre Ansichten waren teilweise ein bisschen anders als die, die ich schon kannte, was vermutlich daran liegt, dass sie aus dem französischen Diskurs kommt und nicht aus einem englischsprachigen. Einige ihrer Theorien über Pornographie und Männlichkeit fand ich sehr anregend und habe ich so nie vorher gehört. Besonders eindrücklich und überzeugend fand ich, wie sie Vergewaltigung mit Todesangst verbunden hat. Der Essay hat mich sehr angesprochen und hat auch gut zu meinen eigenen Erfahrungen gepasst. Aus dieser Perspektive betrachtet, haben einige Erlebnisse aus meinem eigenen Leben mehr Sinn gemacht. Ich stimme nicht mit all ihren Ansichten überein. Insgesamt war es ein zum Nachdenken anregendes Buch, das ich nicht am Stück, sondern immer wieder mit einigem Abstand gelesen habe.

Charles Dickens – Weihnachtserzählungen

Das Buch habe ich vor ewigen Zeiten von meiner Oma geschenkt bekommen und ich bin nie dazu gekommen, es zu lesen. Ende 2018 habe ich dann angefangen. Es enthält drei Kurzgeschichten, von denen die erste die Weihnachtsgeschichte um Scrooge ist. Die war kürzer als ich dachte, und erinnert mich sehr an meine Kindheit. (Da der Disney-Film dazu auch kürzer war als ich dachte, macht das wohl das voran geschrittene Alter.) Die anderen drei Geschichten waren durchmischt. ‚Das Heimchen am Herd‘ fand ich dabei am schönsten, auch von der Moral der Geschichte her. Die anderen beiden, ‚Der Kampf des Lebens‘ (vorhersehbar) und ‚Die Glocken‘ (moralisch fragwürdig) fand ich nicht besonders ansprechend. Angenehm und leicht geschrieben waren sie alle, deswegen gut zu lesen. Ich stimme nur nicht immer mit Dickens‘ Moralvorstellungen überein.

Somaiya Daud, Mirage

Vorweg: Ich mochte das Buch. Ich mochte, dass es viele weibliche Charaktere gab, die schöne und komplizierte Beziehungen zueinander haben. Ich mochte auch den arabischen (irgendwo habe ich marokkanisch gelesen) Einfluss. Das ist das erste Mal, dass ich das in Fantasy/Sci-Fi lese. Der Anfang des Buches las sich langsam, dann ab der Mitte des Buches ging es von der Geschichte her richtig los und ab da konnte ich das Buch auch nicht mehr weglegen. Die Storyline ist nicht besonders innovativ und teilweise sehr vorhersehbar, und lässt sich gleichzeitig sehr gut lesen. Ich bin auf den weiteren Verlauf gespannt und hoffe auf ein paar spannende Sachen.

bell hooks, All About Love

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich das Buch in den letzten drei (?) Jahren gelesen habe. Vermutlich drei oder vier Mal. Es hat mich dieses Mal nicht mehr so beeindruckt wie bei den letzten Malen, und ich konnte immer noch einiges daraus mitnehmen. Es ist ein bisschen wie eine Erinnerung an die Dinge, die mir wichtig sind und eine Frage, wie ich leben und Beziehungen führen möchte. Ich würde es nach wie vor sehr empfehlen.

Diesen Monat habe ich nur einen Film gesehen, und auch den nur halb. L. und ich haben Harry Potter and The Goblet of Fire angefangen zu gucken (auf Neujahr), und nach der Hälfte waren wir 1. zu müde und 2. zu genervt. Was ist mit den Haaren der Leute im Film los? Und warum ist Harry noch nerviger und langsamer als sonst? I don’t know!

An Serien habe ich das Weihnachtsspecial von The Chilling Adventures of Sabrina gesehen. Hat mir gut gefallen. Magie und tolle Frauen und spannende Storyline. Jajaja. Dann habe ich eine Folge Friends geguckt, zum Zeitvertreib. Ich bin ja jetzt wieder am Anfang. Außerdem habe ich zwei Folgen Lemony Snicket’s A Series of Unfortunate Events gesehen. Jetzt hänge ich wieder. Irgendwie bleibe ich immer in der Mitte einer Storyline hängen. Egal. Die ganze Serie ist mittlerweile online, von daher kann ich ja ganz entspannt weiter gucken. Dann ging Grey’s Anatomy wieder los, und ich habe genau eine Folge gesehen und es war toll und ich mochte es sehr. Mit S. gucke ich Gravity Falls, wann immer wir mal dazu kommen. Es geht also sehr langsam voran, und belustigt mich immer noch sehr. Und zuletzt habe ich noch die zwei neuen Folgen Star Trek Discovery geschaut, als ich nach meinem Umzug so fertig war, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Yay!

Ach ja, umgezogen bin ich auch. Und wenn das hier online geht, dann bin ich im Urlaub, and that’s a really good thing.

Oktober Recap

So. Heute bin ich mal wieder unterwegs, deswegen versuche ich vorher noch, diesen Beitrag rauszuhauen. Dabei läuft meine Loop-Playlist und ich würde lieber tanzen als schreiben. Na ja, dafür ist heute Abend auch noch Zeit.

Here it goes:

Gelesen habe ich Die Rivalin der Götter von N. K. Jemisin, den letzten Band ihrer Trilogie. Der dritte Band hat mir auch sehr gut gefallen. Ich mag ihren Stil und das Übernehmen der verschiedenen Perspektiven, um eine Geschichte über drei Bücher zu erzählen. Und die Auflösung hat mich sehr versöhnt. Dann habe ich We should all be feminists von Chimamanda Ngozi Adichie gelesen. Ein kurzes Büchlein, das ihrem Talk sehr ähnlich ist. War ein Geschenk von S. aus Harvard. <3 Und dann habe ich mir The Children Act von Ian McEwan von K. geliehen, weil wir eigentlich den Film sehen wollten, der aber nur noch auf Deutsch gespielt wurde und dann haben wir es doch nicht gemacht. So war das. Sehr trauriges Buch.

Serienmäßig habe ich so einiges durcheinander geguckt. Es läuft immer noch Elementary, was einfach zu gucken ist, weil Crime. Und ich mag Joan und Sherlock. So there is that. No other reason. Außerdem Grey’a Anatomy. Dafür gibt es grundsätzlich keine andere Begründung außer weil. Die letzten beiden Folgen habe ich allerdings noch nicht gesehen, weil ich das irgendwie verpasst habe und gerade so viel netflixe, weil es bequemer ist. Ha. Außerdem habe ich mit J. die allerallererste Folge Star Trek geguckt, wo es Captain James T. Kirk noch gar nicht gibt. Ich bin sehr dafür, das weiter zu gucken, aber gerade komme ich nicht dazu. Dann hat J. mich dazu angestiftet La Case de Papel zu gucken, die sehr sehr gut und spannend ist und wo immer wieder die Gefahr besteht, einfach immer weiter zu gucken, bis es kein Morgen gibt. Ich verabreiche mir die Serie deswegen in kleinen Dosen, weswegen ich noch nicht durch bin. Kann ich sehr empfehlen. Dann habe ich noch La Casa de las Flores angefangen zu gucken. Das ist eine mexikanische Telenovela, was meinen Hunger nach Drama gut befriedigt. Außerdem sind die Folgen nur 30 Minuten, was mir zugute kommt. Die Serie behandelt auch wichtige gesellschaftliche Themen, was ich einer Telenovela nicht zugetraut hätte, z.B. Transexualität, und ich habe schon mehrmals geweint. Wer Drama mag, kann das gerne gucken. ;)

Filme habe ich diesen Monat auch gesehen. Erstmal habe ich The Incredibles 2 im Kino gesehen. Große Liebe, wirklich große Liebe. Der Film kann auf jeden Fall mit dem ersten mithalten, war sehr lustig, sehr herzerwärmend, und für meinen Geschmack ein bisschen zu vorhersehbar, was ich verzeihe, weil es ein Kinderfilm ist. Jack-Jack for the win. In der WG haben wir einen Filmabend gemacht, wo wir Finding Neverland geguckt haben (nachdem das Gucken der beiden zuerst ausgelosten Filme leider schief gegangen ist). Den kannte ich schon, habe ihn aber lange nicht gesehen. Er ist süß, wenn ich das so sagen darf. Und ich mag Peter Pan ja eh, das ist glaube ich kein Geheimnis. Mit ein paar Bekannten habe ich außerdem Fantastic Beasts and where to find them gesehen. Das ist im Kino irgendwie an mir vorbeigegangen. Ich habe glaube ich auch nichts davon erwartet, bzw. dachte irgendwie, das sei nur Geldmacherei. Ist es vielleicht auch. Jetzt habe ich den Film dennoch gesehen, und ich mochte ihn sehr. Er hat mir Lust gemacht, mal wieder Harry Potter zu lesen. Nicht, dass ich das nicht gefühlt ständig machen würde. Den zweiten wollen wir dann gemeinsam im Kino gucken, darauf freue ich mich schon. Ansonsten war ich doch noch mal in der Sneak, weil C. da ist, und sie das unbedingt wollte. Der Film war diesmal sogar ganz gut, weswegen ich jetzt wieder etwas versöhnt bin mit der Sneak. Allerdings bin ich noch nicht ganz überzeugt, ob es nicht auch C.s guter Einfluss war, der uns den guten Film beschert hat. Nun ja, das wird sich dann die nächsten Male zeigen. Ach so, der Film, den wir gesehen habe, heißt A simple Favor und war ein bisschen creepy, ziemlich lustig und sehr kurzweilig. Ich hätte ihn mir so nie angeschaut, aber würde ihn jetzt bestimmten Leuten durchaus empfehlen. Also, Leuten, die so ein bisschen crime-lastige Dinge mögen, die klamaukig und ein wenig abgedreht sind. Weiß nicht, was das für Leute sind, ich gehöre wohl dazu, denn ich habe viel gelacht.

Zu meinen sonstigen Unternehmungen in diesem Monat kann ich nur sagen, dass ich die einzig verbliebene Chance wahrgenommen und eine Grubenfahrt gemacht habe, auf Prosper-Haniel, der letzten Zeche in Deutschland, die noch läuft. Bis zum 21. Dezember, und dann ist wirklich Schicht im Schacht. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich diese Gelegenheit bekommen habe, das war mir persönlich sehr wichtig, und es war eine faszinierende und sehr lehrreiche Erfahrung.

Anyway. Ansonsten ist das Leben reich an Erfahrungen und voll mit wundervollen Menschen und gesegnet mit Sinnlosigkeit.

Mir fehlen die Worte

Es ist gleichzeitig erschreckend wie banal, dass mir die Worte fehlen. Ich schreibe seit Jahren, ich schreibe seit Jahren auch über meine Gefühle und Gedanken. Mit Sicherheit waren sie ziemlich theatralisch, als ich so 15 Jahre alt war. (Ich traue mich ehrlich gesagt nicht, einen Blick in diesen Abgrund zu werfen. Zumindest nicht im Moment.) Ich kann schriftlich gut kommunizieren, ich kann mich gut ausdrücken. Mit Schreiben verdiene ich mein Geld, und Schreiben ist mein Job. Neben Bildern besteht mein Kopf vor allem aus Wörtern. Ich mag Worte. Worte sind wundervolle Gebilde, die wir uns ausgedacht haben und die eigentlich nichts bedeuten, und dann wieder doch. Ich liebe Worte, die es nur in einer Sprache gibt, ich mag, wie sich manche Bedeutungen nur erschließen, wenn eins die Sprache ziemlich gut kennt, ich mag Doppeldeutigkeiten. (In den Worten, im Leben finde ich das meist anstrengend.) Ich finde Sprache faszinierend und spannend und kann mich darüber begeistern und über die Wortgebilde anderer Menschen lachen und weinen. Ich mag, wenn Menschen es schaffen, Worte so anzuordnen, dass andere Menschen auch etwas fühlen. Es gibt Menschen, deren Texte ich lese, und bei denen ich denke, dass ich auch so schreiben können möchte. Menschen, die gut schreiben, inspirieren mich.

Meine Welt besteht vor allem aus Worten und aus Sprache, und sei sie noch so unzureichend und unzulänglich. Am Ende ist sie alles, was wir haben. Und seit Monaten fehlen mir die Worte.

Ich habe versucht, welche zu finden. Ich habe versucht, die Worte aneinander zu reihen, sie auszuprobieren. Angefangene Textfragmente auf irgendwelchen Rechnern und Festplatten. Und dann lese ich das und möchte kotzen. Weil es nicht die passenden Worte sind. Entweder, sie sind zu banal, oder sie sind zu übertrieben. Vielleicht liegt es auch nicht an den Worten, vielleicht liegt es auch an mir. Entweder ich finde die richtigen Worte nicht, oder ich treffe nicht den richtigen Ton. Oder beides. Fest steht, dass ich nicht ausdrücken kann, was ich fühle und wie es mir geht. Banal oder überdramatisch. Keine Worte lösen aus, was ich meine, was sie auslösen sollen. Keine Worte drücken den Schmerz aus, keine Worte die Verzweiflung, die Trauer. Nichts, was ich schreibe, reicht. Es gibt Redewendungen, und doch nicht genug Worte, die beschreiben, wie sich die Kehle zuschnürt, wie die Tränen im Kopf drängen, wie sie gegen die Augen drücken und sich irgendwann rausstehlen, auch wenn sie das nicht sollen. Wie der Kloß im Hals sich von oben nach unten bewegt und doch nie ganz verschwinden wird. Wie die Gedanken kreisen und kreisen und kreisen und kreisen, als ob sie niemals weggehen würden. Die Unendlichkeit der Endlichkeit. Das „was wäre wenn“ und „vielleicht doch“ und „irgendwann“ und die Stimme im Kopf, die sagt „Stopp!“.

All das ist hohl und nichtssagend und abgedroschen.

Vielleicht ist es auch, dass der Schmerz tatsächlich so normal und bekannt ist, dass das, was in meinem Kopf passiert, in so vielen Köpfen passiert, was die Worte unzulänglich macht. Die Erkenntnis, dass das, was passiert, nichts Besonderes ist, und ich deswegen auch keine besonderen Worte finden kann, sondern nur die alten und hohlen und abgedroschenen. Oder die dramatischen und übertriebenen. So viele Menschen vor mir und jetzt und in Zukunft, die sich so fühlen. Und die Worte, die nicht ausreichen, um die Erfahrung teilbar zu machen. Und dann doch die Hoffnung auf eine Person, die den Schmerz kennt, genau diesen Schmerz oder zumindest einen, der sehr ähnlich ist, und für die eins keine Worte finden muss, weil die Erfahrung durch Erfahrung teilbar wird. Ob es das wirklich gibt?

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