Sport ist Mord?

Ich finde, ich bin kein sonderlich sportlicher Mensch. Ich bin zwar lange geschwommen, aber ich mochte auch Sport nicht besonders. Seit ich bei meinen Eltern ausgezogen bin bis dieses Jahr, und das sind 10 Jahre, habe ich nicht wirklich Sport gemacht. Klar, ich war ab und an schwimmen oder habe Yoga gemacht, und ich habe auch gerne darüber geredet. Wenn ich ehrlich bin, habe ich aber weder regelmäßig noch überzeugt Sport gemacht.

Als Kind mussten meine Geschwister und ich Sport machen (schwimmen), und ich glaube, meine Eltern hatten auch ganz gute Ideen, warum das so sein sollte. Vermutlich ging es darum, regelmäßig aktiv und „gesund“ zu sein. Ich habe mich auch in dem Schwimmverein in der Jugendarbeit engagiert, was mir Spaß gemacht und dazu geführt hat, dass ich ähnliche Sachen immer noch mache. Das soziale Engagement ist stärker hängen geblieben als der sportliche Aspekt. Auch spannend.

Dieses Jahr habe ich, vermutlich aus Trauer und Frust, angefangen mit meiner Mitbewohnerin Sport zu machen. Sie hat das aufgrund von Rückenprobleme angefangen, und ich habe erstmal einfach mitgemacht. Krafttraining. Das hat mir gefallen, weil ich gemerkt habe, dass ich tatsächlich Muskeln aufgebaut habe. Vor allem an den Armen konnte ich die auch sehen. Und das finde ich, ehrlich gesagt, an mir selbst attraktiv. Da ich auch das nicht besonders rigide mache, sind meine Arme nicht unendlich angewachsen.

In der Kur habe ich dann angefangen zu joggen. Früher fand ich Joggen immer furchtbar. Ich habe immer falsch geatmet und hatte unendlich anstrengende Seitenstiche, deswegen hat sich das nie besonders etabliert. Jetzt geht es besser. Vermutlich kann ich besser atmen (haha). Ne, ohne Scherz: Durch meinen Gesangsunterricht habe ich glaube ich besser atmen gelernt. Ganz schön praktisch also. Das Krafttraining habe ich auch in der Kur weiter gemacht, sogar ein bisschen mit Geräten. Die habe ich leider zuhause nicht. Und Fitnessstudios finde ich immer noch herrlich unsympathisch. Vor allem, wenn sie gemischt sind. Ich fühle mich dann immer besonders beobachtet.

Was will ich eigentlich hiermit sagen? Ich laufe mehrmals in der Woche und mache ab und an Krafttraining (das macht nicht so viel Spaß wie Laufen, aber ich mache es trotzdem, wenn ich mich motivieren kann). Wenn ich besonders faul bin, mache ich Yoga. (Haha.) Schwimmen ist raus, weil zu teuer. Und ich glaube ich mache das jetzt aus zwei Gründen: 1. weil ich mich daran gewöhnt habe in der Kur, wo ich jeden Tag Sport gemacht habe, und 2. weil es mir tatsächlich Spaß macht.

Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal übers Laufen sagen würde. Gerade jetzt im Winter macht es mir besonders viel Spaß in der Kälte zu rennen. Rennen an sich macht mir Spaß. Es ist ein bisschen wie freilaufen. Und ich habe Platz für meine Gedanken. So viel Raum!

Ich will hier Sport gar nicht jede*r*m ans Herz legen, davon halte ich genauso wenig wie Leute dazu zu bringen, ihre Ernährung zu ändern. Ich wollte das nur mal für mich festhalten. Mittlerweile kann ich Sport was abgewinnen. Und wenn ich einen Tag keinen Sport mache (so wie heute), dann kribbelt es mir schon in den Fingern (oder in den Füßen), weil ich dann meist zu viel rumsitze. Die Essenz ist also: Laufen macht mich glücklich, und Krafttraining macht mich für mich selbst attraktiv (ein bisschen dick auftragen muss jetzt kurz sein).

Beim Sport ist es vermutlich wie bei allen anderen Sachen bei mir auch: Wenn es keine intrinsische Motivation gibt, dann geht gar nichts. Und die habe ich jetzt gefunden. Vor allem der ganze Raum für Gedanken erinnert mich immer wieder daran, wie gut Laufen mit tut. Ein Yeah an meinen Körper, der das alles mitmacht!

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Linkschau #26

Jedes Mal muss ich nachgucken, bei welcher Zahl in dieser Reihe ich angekommen bin. Mittlerweile also wohl zum 26. Mal und zum letzten Mal in diesem Jahr. Credit where credit is due. Ich habe so viele Beiträge in der pipeline, aber keinen Kopf und keine Zeit, um mich damit zu befassen. Viele Ideen. Alle verschwinden im Sand.

In der New York Times schreibt David Finch über Liebe und die RZB (Romantische Zweier-Beziehung) und wie er gelernt hat, Verantwortung für sein eigenes Glück zu übernehmen. [Englisch]

Simone schreibt bei der Mädchenmannschaft über Rassismus und Fremd- und Selbstwahrnehmung.

Im Legal Tribune Online schreibt Ulrike Lembke über Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland, den legalen Rahmen und den Prozess gegen Kristina Hänel.

Ibrahim Arslan schreibt in der ak über das Erinnern an die Opfer rechter Gewalt und wie schwierig es ist, das Schweigen zu brechen.

Bei kleinerdrei schreibt Levi über Leitkultur und Jüdisch-Sein in Deutschland.

Auf „Don’t degrade Debs, Darling!“ geht es dieses Mal um Namen.

Konrad Litschko schreibt in der taz über den NSU-Prozess und die Reden der Nebenkläger*innen/Angehörigen der Opfer.

Anna Akana hat ein Video darüber gedreht, dass es okay ist, nicht okay zu sein (so heißt auch das Video, duh) und dass es wichtig ist, auch die Gefühle zuzulassen, die oftmals scheinbar nicht okay sind. [Englisch]

Robot Hugs hat einen Comic über sexuelle Gewalt an Kindern gemacht. [Englisch; TW: sexuelle Gewalt, grooming]

In an.schläge schreibt Brigitte Theißl über Klassismus und Sprache, und dass es eine Lösung dafür braucht.

November Recap

Ich bin total müde und der Post schon einen Tag zu spät, deswegen halte ich mich kurz.

Diesen Monat habe ich zwei Filme gesehen, beide in der Sneak: Suburbicon lief Anfang des Monats und war meiner Meinung nach eine ziemlich gut gemachte Metapher. Schwer anzugucken aufgrund der ganzen Gewalt auf allen Ebenen. Wind River lief Ende des Monats und war aufgrund der ganzen Gewalt auch sehr schwer anzusehen (hier scheint es eine Kontinuität zu geben). Ich fand den Film etwas zynisch, da er Native American Women gewidmet war, und die Geschichte sich dann doch um mehrere Männer und ihre (nicht verarbeiteten) Emotionen drehte. Wenn eins sich noch nie damit beschäftigt hat, regt der Film sicher dazu an, sich mal mehr mit der Gewalt gegen Native American Women in den USA zu bechäftigen, was ein stark unterrepräsentiertes Thema ist.

An Serien habe ich einiges geguckt oder wieder angefangen. Wie immer Grey’s Anatomy. Das ist jetzt allerdings in der Winterpause. Dann habe ich wieder angefangen, Teen Wolf zu schauen, die 5. Staffel habe ich durch, die 6. Staffel zur Hälfte. Und dann ist es bald vorbei. Außerdem Star Trek: Discovery, das ist jetzt auch in Winterpause. Von Rita habe ich noch eine Folge geguckt, irgendwie finde ich die Serie doch anstrengend und gucke sie vermutlich nicht weiter. Dann habe ich Pretty Little Liars wieder aufgenommen. Da bin ich gerade in Staffel 4. Und auf Empfehlung habe ich die erste Folge von Good Girls Revolt geguckt, da werde ich auf jeden Fall weitermachen.

Ich habe im November nur ein einziges Buch gelesen und zwar Schmerzliche Heimat – Deutschland und der Mord an meinem Vater von Semiya Şimşek. Das Buch war sehr gut und berührend und erschreckend. Da schreibe ich entweder Ende des Jahres nochmal mehr zu, oder vielleicht schon vorher. Jetzt bin ich zu müde, um kohärente Gedanken dazu zu verfassen.

An Musik möchte ich zwei Dinge empfehlen. einmal habe ich Jessie Ware sehr ins Herz geschlosen und es gibt eine tolle Live-Aufnahme von ihr, die ich nur empfehlen kann.

Und dann ist da ja noch Adele. Dazu habe ich ja in meinem letzten Post schon was gesagt, und mehr ist dem auch nicht hinzuzufügen. Ihren Auftritt in der Royal Albert Hall gibt es auf youtube.

Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist

Ich höre gerade Adele und ich mochte ihre Lieder schon immer sehr gerne. Ich kann mich ziemlich gut mit ihrer Musik identifizieren. Irgendwas löst diese Musik in mir aus. Ich kann nicht genau sagen, warum, oder was es ist. Ich weiß nur, dass ihre Musik etwas in mir anrührt, das manchmal bedeutet, dass ich weinen muss. Meistens höre ich auch einfach nur zu und auf, andere Dinge zu tun. Ich bewundere ihre Stimme ziemlich, und es gibt dieses eine TinyDesk Konzert mit ihr (zu finden auf youtube), was ich sehr krass finde, weil ihre Musik immer so klingt, als würde sie sich total verausgaben. Und dabei sieht sie total entspannt aus. (Wahrscheinlich verausgabt sie sich trotzdem, Singen ist schließlich hart anstrengend. Sieht nur nicht so aus.)

Adele hat nun ansonsten nicht so viel mit mir zu tun. Was will ich also sagen? Das weiß ich selber nicht so genau. Ich habe fünf Beiträge angefangen, zu denen ich was schreiben möchte. (Einmal mein November Recap, und dann vier thematische Beiträge: Feminismus, Feminismus und Männlichkeit, Krankheit und Alter, Diverstät und Inklusion.) Ich komme nicht dazu. Oder wenn ich Zeit habe, zu schreiben, dann bin ich nicht in der Lage, mich zu diesen Themen zu äußern. Im Moment habe ich viele wirre Gedanken im Kopf, die alle sehr persönlich sind, und deswegen nicht hier landen. Die verhindern allerdings, dass ich mich kohärent zu den Themen äußern kann, zu denen ich mich äußern möchte.

Ihr merkt schon, dass dies ein gefühlsduseliger Rant ist, der nirgendwohin führt. Das steht allerdings in der Tradition dieses Blogs (und nie weiß eine*r, worum es eigentlich geht), von daher ist es ein Abtauchen in alte Zeiten. Ihr seid immer noch nicht schlauer, ich fühle mich besser. Nice.

In letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass sich in mir irgendwas ändert. Der ganze Rahmen, in dem ich mich bewege, ändert sich. Das kann eins nicht sehen, das ist alles innen drin (vielleicht können es doch Menschen sehen, vielleicht manifestiert es sich irgendwie, nur ich weiß das nicht so richtig, ich sehe mich ja nicht von außen, ich merke das nur innen drin). Obwohl alles um mich herum schwebt und offen ist und nichts sicher (was ist schon sicher?), bin ich relativ entspannt. Das kann sich jede Minute ändern. Manchmal macht mich das auch nervös, diese ganze Entspanntheit.

Und im Grunde gibt es im Moment nur eine Person, die es schafft, mich nochmal in mein altes Ich zu ziehen. Das ärgert mich maßlos. (Ich ärgere mich über mich selbst.) Aber: Vielleicht schaffe ich es von Mal zu Mal, dem zu entkommen. Und wenn nicht, dann ist es auch irgendwann vorbei. Ich habe schon Abschied genommen, Erwartungen verbrannt, unendliche Tränen geweint, mich selbst gehasst, und Adele gehört. Irgendwann wird es vorbei sein.

Und dann, wenn ich so darüber nachdenke und -schreibe, dann bin ich auch doch wieder entspannt. Weil ich weiß, dass es auf die eine oder andere Weise irgendwann vorbei sein wird, und dass ich damit umgehen kann. Und dass es auch kein Falsch gibt in diesem Rahmen. (In keinem Rahmen, wenn wir ehrlich sind.) Es passt zu dieser schwebenden Offenheit. Und es klingt platt und banal zu sagen, dass alles gut wird. Viskas bus gerai. Denn: was heißt in diesem Fall schon gut? Ich habe kein besseres Wort dafür. Alles wird. Das reicht vielleicht. Alles wird, und ich werde.

Und um es mit Adele zu sagen: At least I can say that I’ve tried.

Linkschau #25

Wie immer um diese Zeit finden sich hier die Gedanken anderer Menschen.

Auf „Don’t degrade Debs, Darling!“ findet sich in wichtiger Kommentar zum #metoo, was den gesellschaftlichen Umgang mit sexualisierter Gewalt angeht. Der Beitrag diskutiert sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung.

Und auch Hannah schreibt über #metoo und daüber wie Gewalt nur aufhören kann, wenn wir als Menschen Verantwortung für unser (gewaltvolles) Handeln übernehmen.

Marina von marinashutup erklärt in diesem Video den #metoo, wie es dazu kam, welche Rolle Harvey Weinstein dabei spielt und warum wir über rape culture reden müssen. [Englisch]

Wolf Wetzel schreibt im Migazin über den NSU-Prozess und die Bundesanwaltschaft.

Ein paar Gedanken zum Krankfeiern gibt es auf „auf einmal frei“. Was Ihr dazu denkt, könnt Ihr Euch dann selber überlegen, der Artikel hat schon mal ein paar interessante Anregungen.

Levi schreibt bei kleinerdrei über Erfahrungen mit Antisemitismus im öffentlichem Raum und einem möglichen Umgang damit.

Und auch bei kleinerdrei schreibt Dr. Vulva dieses Mal über Sexnormen, wie es in dieser Gesellschaft ist, keinen Sex gehabt zu haben und wie wir mit Menschen umgehen, die (noch) keinen Sex hatten.

Anna Akana hat auf ihrem Youtube-Channel einen Teil aus ihrem Buch verfilmt, in dem es um Schwangerschaftsabbrüche geht. [Englisch]

Auf ihrem Blog schreibt Laura Gehlhaar über ihre Wut über den Umgang der Gesellschaft mit Be_hinderung.

Vom Kika gibt es die Reihe „Schau in meine Welt“, in der hier Leah über ihr jüdisches Leben in Dresden berichtet.

Bei kleinerdrei schreibt Alwina über „Migration aus Kinderaugen„. Mehr will ich dazu gar nicht sagen, lest selbst.

Und nochmal bei kleinerdrei schreibt Alice über ihre Gedanken zum Bundestagswahlsonntag im September als Schwarze Frau in Deutschland.