Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Freund*innenschaft

Die letzten zwei bis vier Wochen (ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau, haha) habe ich damit zugebracht, One Piece zu lesen. One Piece ist ein Manga, der vor über zwanzig Jahren begonnen wurde und immer noch nicht fertig ist. Mittlerweile gibt es auf Englisch 946 Kapitel. Ich habe früher (damals, als ich noch jung war und bei meinen Eltern lebte) immer mal wieder den Anime im Fernsehen gesehen (damals, als Animes auf RTLII liefen! Ist das heute immer noch so, oder nicht mehr? Wer weiß, ich hab schließlich keinen Fernseher). Jetzt, beim Lesen, habe ich festgestellt, dass ich offenbar auch mal angefangen habe, den Manga zu lesen und dann irgendwo zwischen durch aufgehört habe. Vermutlich weil ich den einen Charakter nicht mochte, haha. Nun ja. Jetzt habe ich wieder angefangen und durchgehalten bis zum jetzigen Stand des Mangas. Und während des Lesens habe ich viel darüber nachgedacht, was das eigentlich für eine Geschichte ist, und warum ich dieses Mal weiter gelesen habe. Es folgen also nun potentiell Spoiler.

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Kraftlosigkeit

Hannah hat letztens folgenden Satz geschrieben: „[Wir brauchen] Die Freiheit und den Mut manchen Menschen in unserem Leben zu sagen, dass wir sie nicht länger tragen können.“ (Quelle)

Das hat bei mir innerlich eine Glocke geläutet. Ich kann daran so gut andocken, dass es mich im übertragenen Sinne vom Stuhl gehauen hat.

Ich hatte diese Erkenntnis in der letzten Woche. Und in den letzten Tagen nochmal. Für verschiedene Konstellationen. Ich bin durch. So kraftlos. Meine emotionalen und geistigen Kapazitäten reichen gerade für die Bewältigung des Alltags und eigentlich würden sie auch für mich selbst reichen. Wenn ich nicht permanent damit beschäftigt wäre, andere Menschen mitzutragen. Für manche mache ich das gerne. Für andere nicht mehr. Und grundsätzlich kann ich es schlecht leisten gerade.

Eigentlich, wenn ich ganz tief in mich reinschaue und ganz ehrlich zu mir bin, dann habe ich gerade keine Kraft und Kapazitäten andere Menschen mitzutragen. Ich reiche nicht aus. Bin nicht genug. Wenn die Folge davon ist, dass ich Menschen verlasse und dass Menschen mich verlassen, dann weiß ich gerade nicht, wie ich das ändern soll. Ersteres will ich auch gar nicht ändern. Zweiteres würde ich gerne. Kann ich aber nicht. Weil ich keine Kraft dafür habe. Wer gehen will, muss gehen. Und ich lasse sie ziehen. Weil ich sie nicht (fest-)halten kann. Weil ich sie nicht tragen kann. Weil ich mich kaum selber tragen kann.

Was mich traurig macht, ist, dass die Kraftlosigkeit verschiedener Menschen, die in Beziehung zueinander stehen, zu mehr Trauer und Verlust führt, wenn sie nicht genug Kraft haben, um sich gegenseitig zu unterstützen. Weil wir alle gucken müssen, dass wir uns zuallererst selber tragen.

Gedanken zu Trauer

Abseits von Tod.

Wir sprechen über Trauer, wenn wir überhaupt darüber sprechen, nur wenn es um Tod geht. Auch dann ist Trauer tabuisiert. Sie taucht kurz auf. Und dann möge sie bitte schnell wieder verschwinden. Es gibt eine Beerdigung, solange dürfen wir noch darüber reden, und danach mögen wir bitte ganz schnell wieder ins gewohnte Leben zurückkommen. Dass das nicht so einfach ist, wissen wir vermutlich alle. Und doch reden wir nicht darüber.

Trauer in dieser Gesellschaft ist einsam. Mein Eindruck ist, dass die wenigsten Menschen die Trauer anderer Menschen aushalten können. Keine*r möchte dabei sitzen, wenn Menschen trauern. Liegt es daran, dass Menschen denken, Trauer wäre immer traurig? Trauer heißt auch: über den Verlust reden, Witze machen, Verbindungen schaffen. Trauer heißt nicht immer Weinen. Trauer kann auch Lachen bedeuten. Trauer kann kreativ sein.

Und jetzt mal ganz ganz ehrlich: Wir trauern auch, wenn keine*r gestorben ist. Wir trauern um Menschen, wenn wir uns trennen. Und wir trauern nicht nur um Menschen. Wir trauern auch um Konzepte, Ideen, Wünsche, Ideale, Hoffnungen, Vorstellungen. Und auch dann ist Trauer ein Aushandlungsprozess. Ein Neu-Aushandeln von Beziehungen. Auch da gehen wir durch verschiedene Phasen der Trauer, die von Leugnen über Wut und Traurigkeit bis hin zu Akzeptanz gehen. Und die sich beliebig wiederholen. Denn meiner Erfahrung nach kommen einzelne Phasen immer wieder, wenn auch abgeschwächt und weniger schmerzhaft. Der Verlust ist permanent. Und wenn es nicht um Tod geht, dann vielleicht auch immer mal wieder präsenter, weil die Möglichkeit besteht, immer wieder mit den Dingen konfrontiert zu werden, von denen wir uns verabschieden.

Trauer sieht in anderen Gesellschaft anders aus. Dort ist sie präsenter, gemeinschaftlicher. Ich weiß nicht, ob das hilft, so grundsätzlich. Ich wünschte, es wäre in unserer Gesellschaft auch möglich, Trauer mit anderen Menschen zu teilen. Ich wünschte, wir hätten dafür Rituale. Ich bin noch nicht sicher, was für Rituale ich für mich möchte. Ob ich welche möchte.

Vor ein paar Jahren war ich in einem Museum – ich kann mich nicht mal erinnern, wo genau das war – und da gab es eine Ausstellung zu Trauer und Tod in der Vergangenheit. Und früher wurde in der deutschen Gesellschaft auch anders getrauert. In Dorfgesellschaften wurde die Kirchenglocke geläutet, wenn eine Person gestorben ist, und die tote Person wurde durch das Dorf getragen. Das sind die Dinge, die ich mir gemerkt habe. (Die einzige Referenz für diese Dinge ist mein Gehirn.) Natürlich ist das heute, in unseren großen Städten, so nicht mehr möglich. Wenn wir nicht mal unsere Nachbar*innen richtig kennen, wie sollen wir dann mit ihnen trauern? Wenn wir keine Gemeinschaft mehr haben, in die wir gehören, wie sollen wir dann teilen?

Vermutlich gab es auch in der Vergangenheit wenig Raum, um um etwas Anderes zu trauern als um Tote. Ich gehe also nicht so weit, mir die Vergangenheit zurück zu wünschen. Allein deswegen nicht, weil es da kein Internet gibt.

Unsere Trauerbiographien sind sehr persönlich. Ich bin davon überzeugt, dass jede*r schon um irgendetwas und irgendjemanden getrauert hat. Und ich bin dafür, auch Nicht-Tote in diese Biographien mit aufzunehmen. Weil uns diese Trauer genauso prägen kann wie die Trauer um Tote. Manchmal vielleicht sogar noch mehr.

Neu erfunden und alt hergebracht

Ich habe mich zurückgehalten mit dem Schreiben die letzten Monate. Ich habe nachgedacht, und an Texten gearbeitet, und die sind alle in der Pipeline und manche sind in meinem Kopf und manche sind in Word und manche sind mit dem Diktiergerät aufgezeichnet und existieren noch gar nicht als Text, sondern als losgelöste Gedanken. Ich habe versucht, meine Gedanken zu bestimmten Themen zu ordnen (Feminismus, Rassismus, Ehe, gesellschaftliche Normen) und ich bin damit noch lange nicht fertig. Ich habe mich gefragt, was ich hier eigentlich mache. Und ich habe gedacht, ich müsste was besonders Tolles und Geistreiches posten. Und das hat mich davon abgehalten, überhaupt etwas zu posten, was nicht eine Rückschau auf einen Monat oder eine Linkschau mit Artikeln war.

Schreiben ist eines der Dinge, die ich gut kann und die ich gerne mache. Schreiben hat was Therapeutisches. Ich schreibe immer noch regelmäßig, denn ich schreibe Morgenseiten, was mir beim Verbessern des Schreibens hilft, mich am Schreiben hält, und meine Gedanken ordnet. (So viele Vorteile, so eine einfache Sache!)

Ich schreibe auch eine Doktorarbeit (viel Schreibarbeit ist das gerade noch nicht, das kommt irgendwann, und dann kommt vermutlich auch irgendwann die Zeit, in der ich nicht mehr schreiben möchte, weil ich muss) und ich habe mir vorgenommen, eine andere Form von längerer Geschichte (besonders unpräzise heute) fertig zu haben, wenn die Doktorarbeit fertig ist. No pressure also. Und außerdem eine wahnwitzige Idee, gleich zwei Bücher auf einmal schreiben zu wollen. Whatever.

Im Nachgang von diesem Video von Anna Akana, in dem sie erklärt, wie sie ihr Leben organisiert und sich Ziele setzt, habe ich viel darüber nachgedacht, was ich eigentlich möchte. In meinem Leben und so. Aufgeschrieben habe ich es noch nicht, es ist nur in meinem Kopf und sammelt sich da an. (Bald ist also Zeit, es aufzuschreiben, sonst explodiert was.) Ich weiß, wie viel Sport ich machen möchte und schaffe das auch oft. Nicht immer, das ist auch okay. Es ist für mich mehr so ein Richtwert. Ich schaffe auch, mit Ausnahmen, weiter Sprachen zu lernen. Noch bin ich nicht besonders effektiv, denn ich nutze nur Duolingo und schaue eine französische Serie auf Netflix, und es ist ein Anfang. Und zu den Dingen, die ich mir vorgenommen habe, gehört auch mehr zu schreiben. Sowohl hier als auch anderweitig. (Wahnwitziges Buch?)

Deswegen dachte ich die letzten Tage, dass ich vielleicht einfach mal wieder schreiben möchte. Hier. Ohne Plan. Ohne, dass ich lange darüber nachgedacht habe. Ohne, dass ich den Text noch drei mal korrigiert habe. Ohne, dass irgendwas Besonderes darin steht. Dafür mit Bild, denn Fotografieren steht auch auf meiner Liste an Dingen, die ich wieder mehr machen möchte, deswegen sind auch alle Bilder von mir selbst. Ha.

Und jetzt schaue ich mal, wie es weiter geht.

Dezember Recap

Ich bin an einem Ort, an dem es keine Umlaute gibt, was diesen Beitrag zu einem ohne Umlaute macht. (Schlau.) Meinen eigenen Computer habe ich weiserweise nicht mitgenommen, was mir sicherlich einiges erspart hat bei der Einreise, wenngleich es trotzdem anstrengend und furchtbar war. Aber genug davon. Ich habe beschlossen, da ich nicht an Silvester glaube (und es ist eine Glaubensfrage), dass ich mir auch den ganzen Jahresrueckblicksscheiss spare. Ich mache ja schon Monatsrueckblicke, das muss reichen.

Dezember ist immer der schwierigste Monat. Sowieso, und schon laenger. An Weihnachten passiert einfach nicht viel Gutes, obwohl immer was Anderes behauptet wird. Ich hatte die Befuerchtung, dass ich jedes Jahr darueber schreibe, wie furchtbar ich den Dezember finde, musste dann feststellen, dass ich es letztes Jahr nicht getan habe, was heisst, dass ich es dieses Jahr darf. Ha.

Dezember ist doof. Vor elf Jahren ist M. gestorben und vor sieben Jahren war da dieses Ding, ueber das ich hier nicht rede, was mir aber Weihnachten ein fuer alle mal versaut hat. Seitdem lote ich jedes Jahr von Neuem aus, was geht und was nicht. Dieses Jahr ging ein Weihnachtswochenende mit der engsten Familie. Seitdem bin ich weg, und das ist auch gut so. Noch mehr als eine Woche bin ich weg. Ich bin an einem Ort, an dem es mir gut geht. Der reicht, um Abstand zu nehmen, und der mich erinnert, wie reich und gross das Leben ist. Dafuer jetzt Schluss mit der Pathetik. Auch dieses Jahr an Weihnachten ein Todesfall. So ist das Leben. Traurig und gluecklich liegen sehr nah beieinander. Manchmal gleichzeitig. Darueber habe ich definitiv schon geschrieben. Jetzt aber:

Gesehen habe ich Harry Potter and the Philosopher’s Stone sowie Harry Potter and the Chamber of Secrets. Wie wir darauf gekommen sind, weiss ich nicht genau, aber beide mit Mitbewohnerin L. Passte irgendwie zu Weihnachten. Ausserdem Star Wars: The Force Awakens (um mich wieder zu erinnern, was eigentlich passiert ist) und Star Wars: The Last Jedi im Kino in der Mitternachtspremiere, denn was muss, das muss. Mit Mitbewohnerin C. Ich gehoere zu den Menschen, die den neuen Star Wars mochten. Ich haenge nicht so sehr an Traditionen. Abgesehen von dieser: Love Actually musste dieses Jahr sein, weil es jedes Jahr sein muss. Was waere Weihnachten ohne? Ausserdem war ich in der Sneak (letzte Sneak des Jahres) und habe Wonder gesehen. Der Film war genauso kitschig wie das Buch. Passte irgendwie auch zu Weihnachten, auch wenn es manchmal ein bisschen zu viel war.

Ich habe ungefaehr eine Folge Pretty Little Liars gesehen, und circa vier Folgen The Blue Planet (eine BBC-Doku ueber den Ozean, die ich wirklich sehr empfehlen kann).

Gelesen habe ich Kara Günlük (die Umlaute sind noch von meinen Notizen) von Mutlu Erguen. Hat mir sehr gefallen. Ich habe nicht wirklich was Neues gelernt, aber ich fand’s witzig und interessant geschrieben. Ausserdem habe ich Boys don’t cry – Identitaet, Gefuehl und Maennlichkeit von Jack Urwin gelesen. Auch hier habe ich nicht all zu viel Neues gelernt. War eine interessante Perspektive und kann ich als Einsteigerbuch schon empfehlen.

Das war der Dezember. Heute bin ich zum Mittagessen eingeladen. Ansonsten habe ich noch keinen Plan. Wahrscheinlich tue ich so, als waere ich nicht da. Vielleicht werde ich auch aus Hoeflichkeit gezwungen, doch Silvester zu feiern. Das wird sich zeigen. Ich bin da ganz entspannt.