Linkschau #33

Eigentlich wollte ich das gestern noch geschrieben haben, aber dann kam was dazwischen und jetzt ist es auch schon wieder spät. Egal. Es hat sich einiges aus den letzten beiden Monaten angesammelt, und ich habe immer noch so viele Tabs offen. Wo ist die Zeit schon wieder hin?

Bei kleinerdrei ein Beitrag über Sex, Sexunfälle und Verhütung, und die Panik, die entsteht, wenn was schief geht beim Sex mit Unbekannten. Mit ein paar guten Hinweisen zu Safer Sex, die über HIV hinausgehen.

Und Levi schreibt, auch bei kleinerdrei, was er über die Kippah-Demonstrationen in Deutschland denkt.

Das Calvert Journal berichtet darüber, dass es jetzt LGBTI*-Karten für die größten litauischen Städte gibt.

Katie Orwig schreibt beim Order of the Good Death über die möglichen Ursprünge des Vatertages in den USA.

In der Zeit schrieb Vanessa Vu über die Ursprünge des Rassismus.

Und aus der taz eine Geschichte über Liebe und das Leben von Kefah Ali Deeb.

Brigitte Theißl schreibt in an.schläge über Hetero-Sex (und Macht).

Daniel Kretschmar schreibt in der taz über die Asylrechtsverschärfung von CDU und CSU.

Bei AlJazeera schreibt Lewis Turner über die Dämonisierung von männlichen geflüchteten Kindern an den Grenzen der westlichen Welt. [Englisch]

Zu empfehlen ist außerdem diese Doku vom NDR über den kleinen Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Arbeitswelt. [Video]

Anna Akana spricht über Liebe und Tod. [Englisch, Video]

In an.schläge schreibt Nicole Schöndorfer über Hormone und die Libido (und das Patriarchat, aber das ist ja fast schon selbstverständlich).

Und dann noch ein Interview mit Christine Nöstlinger aus der taz. Wegen Franz und seinen Geschichten. Und weil sie tolle Sachen sagt.

Lea Diehl von der Zeit hat Anastassia Pletoukhina zu Antisemitismus interviewt.

Und Jasmin Schreiber, die sonst übers Sterben schreibt, hat einen sehr guten und eindrücklichen Text über Depressionen geschrieben. Because that’s how it feels.

<3

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Mir fehlen die Worte

Es ist gleichzeitig erschreckend wie banal, dass mir die Worte fehlen. Ich schreibe seit Jahren, ich schreibe seit Jahren auch über meine Gefühle und Gedanken. Mit Sicherheit waren sie ziemlich theatralisch, als ich so 15 Jahre alt war. (Ich traue mich ehrlich gesagt nicht, einen Blick in diesen Abgrund zu werfen. Zumindest nicht im Moment.) Ich kann schriftlich gut kommunizieren, ich kann mich gut ausdrücken. Mit Schreiben verdiene ich mein Geld, und Schreiben ist mein Job. Neben Bildern besteht mein Kopf vor allem aus Wörtern. Ich mag Worte. Worte sind wundervolle Gebilde, die wir uns ausgedacht haben und die eigentlich nichts bedeuten, und dann wieder doch. Ich liebe Worte, die es nur in einer Sprache gibt, ich mag, wie sich manche Bedeutungen nur erschließen, wenn eins die Sprache ziemlich gut kennt, ich mag Doppeldeutigkeiten. (In den Worten, im Leben finde ich das meist anstrengend.) Ich finde Sprache faszinierend und spannend und kann mich darüber begeistern und über die Wortgebilde anderer Menschen lachen und weinen. Ich mag, wenn Menschen es schaffen, Worte so anzuordnen, dass andere Menschen auch etwas fühlen. Es gibt Menschen, deren Texte ich lese, und bei denen ich denke, dass ich auch so schreiben können möchte. Menschen, die gut schreiben, inspirieren mich.

Meine Welt besteht vor allem aus Worten und aus Sprache, und sei sie noch so unzureichend und unzulänglich. Am Ende ist sie alles, was wir haben. Und seit Monaten fehlen mir die Worte.

Ich habe versucht, welche zu finden. Ich habe versucht, die Worte aneinander zu reihen, sie auszuprobieren. Angefangene Textfragmente auf irgendwelchen Rechnern und Festplatten. Und dann lese ich das und möchte kotzen. Weil es nicht die passenden Worte sind. Entweder, sie sind zu banal, oder sie sind zu übertrieben. Vielleicht liegt es auch nicht an den Worten, vielleicht liegt es auch an mir. Entweder ich finde die richtigen Worte nicht, oder ich treffe nicht den richtigen Ton. Oder beides. Fest steht, dass ich nicht ausdrücken kann, was ich fühle und wie es mir geht. Banal oder überdramatisch. Keine Worte lösen aus, was ich meine, was sie auslösen sollen. Keine Worte drücken den Schmerz aus, keine Worte die Verzweiflung, die Trauer. Nichts, was ich schreibe, reicht. Es gibt Redewendungen, und doch nicht genug Worte, die beschreiben, wie sich die Kehle zuschnürt, wie die Tränen im Kopf drängen, wie sie gegen die Augen drücken und sich irgendwann rausstehlen, auch wenn sie das nicht sollen. Wie der Kloß im Hals sich von oben nach unten bewegt und doch nie ganz verschwinden wird. Wie die Gedanken kreisen und kreisen und kreisen und kreisen, als ob sie niemals weggehen würden. Die Unendlichkeit der Endlichkeit. Das „was wäre wenn“ und „vielleicht doch“ und „irgendwann“ und die Stimme im Kopf, die sagt „Stopp!“.

All das ist hohl und nichtssagend und abgedroschen.

Vielleicht ist es auch, dass der Schmerz tatsächlich so normal und bekannt ist, dass das, was in meinem Kopf passiert, in so vielen Köpfen passiert, was die Worte unzulänglich macht. Die Erkenntnis, dass das, was passiert, nichts Besonderes ist, und ich deswegen auch keine besonderen Worte finden kann, sondern nur die alten und hohlen und abgedroschenen. Oder die dramatischen und übertriebenen. So viele Menschen vor mir und jetzt und in Zukunft, die sich so fühlen. Und die Worte, die nicht ausreichen, um die Erfahrung teilbar zu machen. Und dann doch die Hoffnung auf eine Person, die den Schmerz kennt, genau diesen Schmerz oder zumindest einen, der sehr ähnlich ist, und für die eins keine Worte finden muss, weil die Erfahrung durch Erfahrung teilbar wird. Ob es das wirklich gibt?

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Juli Recap

Ich war im Urlaub, und zwar gleich an Nord- und Ostsee. Dekadent oder so. Beide Urlaube waren famos. Sehr erholsam. Viel geschlafen habe ich nicht, weil Hitze. Außerdem bin ich viel Fahrrad gefahen. Das macht müde. Ich hatte dazu noch zwei Seminare und bin momentan in Berlin. Da arbeite ich von zuhause aus. So. Jetzt aber erstmal zu all den anderen Dingen, die im Juli „passiert sind“.

Ich spiele immer noch, wenn ich kann, Zelda: Breath of the Wild. Diesen Monat konnte ich nicht so viel, weil ich die Konsole nicht mitgenommen habe. Aber (!) ich bin im Spiel jetzt schon weiter als ich damals in Frankreich war, deswegen ist es ganz besonders aufregend.

Endlich, nach sieben Monaten, habe ich Friends zu Ende geschaut. Alles ist gut ausgegangen und ich bin voller Liebe. So viel Liebe. Das ist eine Serie, die ich immer wieder mal gucken kann, weil sie mir gute Laune macht. Hurra!

Nachdem dieses Mammutprojekt nun zu Ende gegangen ist, habe ich angefangen, A Series of Unfortunate Events, die zweite Staffel, zu gucken. Erst eine Folge. Ich mag den Stil sehr gerne.

Und einen Film habe ich gesehen, nämlich Kubo and the Two Strings. Ein ästhetisch wundervoller Film, wirklich schön gemacht, und bewundernswert, wieviel Arbeit da reingesteckt wurde. Stop-Motion wird wohl vor allem wegen der ganzen Arbeit nicht viel gemacht. Dieser Film lohnt sich auf jeden Fall, auch inhaltlich.

Gelesen habe ich im Urlaub gefühlt mehr als sonst:

Angefangen habe ich mit Lolita von Vladimir Nabokov. Ich finde das Buch ziemlich gut beschrieben und vor allem finde ich beeindruckend, wie ich als Leserin irgendwie Verständnis für den Ich-Erzähler hatte und mir immer wieder sagen musste, dass er ein furchtbarer Charakter ist. Die Zweifel des Ich-Erzählers und sein Bewusstsein für seine eigene Gewalt sind sehr gut in den Text reingeschrieben. Und die Tragik des Buches hat mich wirklich wütend und traurig gemacht.

Weiter ging es mit Qualityland von Marc-Uwe Kling. Das Buch ließ sich leicht lesen und hinsichtlich der Technokratisierung der Gesellschaft fand ich’s ganz interessant. Das rosa Qualitypad klingt wie das Känguru.

The Remains of the Day von Kazuo Ishiguro war ein eher langsamer Roman. In der Rahmenhandlung fährt der Butler Mr. Stevens durch England, um seine Frühere Kollegin Ms. Kenton zu besuchen. Dazwischen erinnert er sich Szenen ihrer gemeinsamen Arbeit. Es ist ein sehr schöner und trauriger Roman. Erst am Ende wird der Titel ganz klar.

In einer spontanen Aktion habe ich dann noch Das Geisterhaus von Isabel Allende gekauft und auch gleich gelesen. Sehr schön geschrieben, die Kapiteleinteilung war ziemlich klug gestaltet und die Mehrheit der männlichen Figuren war irgendwie verabscheuenswürdig. Der Roman ist eine Familiengeschichte, die sich über vier Generationen zieht und dabei die Geschichte Chiles mitbehandelt, mit übernatürlichen Elementen, was mir gut gefallen hat.

Das war der Monat, jetzt geht es schon weiter.

Juni Recap

Immer noch ohne Bild. Traurigerweise.

Gelesen habe ich Born a Crime von Trevor Noah, ein autobiographisches Buch, in dem er über seine Kindheit und Jugend in Südafrika, während und nach der Apartheid schreibt. Das Buch ist manchmal echt witzig, und hat mir gezeigt, wie wenig ich über Südafrika und südafrikanische Geschichte weiß. Dann habe ich all about love von bell hooks gelesen. Mittlerweile schon zum dritten Mal. Es hilft mir immer wieder, über Liebe nachzudenken, und darüber wie ich mein Leben leben möchte. Das macht es nicht einfacher. Außerdem habe ich Arbeit und Struktur von Wolfgang Herrndorf gelesen. Das Buch war ursprünglich ein Blog (hier zu lesen), den er für Freund*innen und enge Personen geschrieben hat. Darin dokumentiert er sein Leben mit einem Hirntumor. Als Letztes habe ich diesen Monat den Comic Der Ursprung der Welt von Liv Strömquist gelesen. Darin geht es vor allem um die Vulva und alles, was dazu gehört (z.B. Menstruation). Die Autorin verfolgt, wie die Frau dem Mann im Laufe der Zeit untergeordnet und beide als etwas Gegensätzliches konstruiert wurden und wie sich dies noch heute auf unsere Gesellschaft auswirkt. Ziemlich lustig, meistens weil es so traurig ist.

Gesehen habe ich diesen Monat so einiges. Erst während meines Geburtstagswochenendes Alles steht Kopf. Immer noch ein sehr schöner Film, erklärt sehr bildlich, wie Depression funktioniert. Letztens habe ich ein Video gesehen, in dem in Bildern aus dem Film erklärt wurde, wie Trauma und PTSD funktionieren. In der Sneak lief dann Swimming with Men, den ich ganz gut fand, nur das Ende war mir zu kitschig und irgendwie macht mich das immer ein bisschen traurig, wenn das passiert. In der Uni haben sie Newcomers gezeigt, einen Film mit und von Geflüchteten, die von ihrem Leben berichten, ziemlich losgelöst von der Flucht an sich. Ich finde den Ansatz gut, Geflüchtete unterschiedlicher „Generationen“ mit in den Film aufzunehmen, so z.B. auch Menschen, die aus der DDR geflohen sind oder zu den sogenannten „deutschen Flüchtlingen und Vertriebenen“ gehören neben Menschen, die erst vor einigen Jahren geflohen sind. L. und ich haben noch Hanni und Nanni geguckt, weil wir beide früher die Bücher gelesen haben. Der erste Film war teilweise problematisch, und etwas witzig, und noch nicht voller Romantik-Bla, was bei den beiden Folgefilmen allerdings im Zentrum zu stehen scheint.

An Serien habe ich endlich das Ende von Grey’s Anatomy geguckt, was dieses Mal erstaunlich positiv ausgefallen ist und ohne Katastrophe zu Ende ging. Das hat mir gut gefallen. Ich bin gespannt, was mit Meredith und Alex passiert (freund*innenschaftsmäßig) und werde es natürlich weiter gucken im Herbst. L. und ich haben außerdem zwei weitere Folgen von Dear White People geschaut. Zu mehr sind wir nicht gekommen. In den letzten Tagen habe ich außerdem die neunte Staffel von Friends zu Ende geguckt. Fehlt nur noch eine. Ich weiß nicht, ob ich mir das Ende angucken kann. Ich hab jetzt ja total meine Lieblinge und mag die alle so gerne und wünsche mir, dass alles gut wird. Aaaahhhh!

Abgesehen davon habe ich eine Switch bekommen. Deswegen habe ich wieder angefangen, Videospiele zu spielen. Ha! Und zwar Zelda – Breath of the Wild, das ich ja unbedingt haben wollte und was mir selber zu teuer war mir nur deswegen die Switch anzuschaffen. Es lohnt sich aber voll. Dieses Spiel ist so. schön. <3 Außerdem habe ich noch Mario Kart Deluxe, was ich bisher nur mit meiner Schwester gespielt habe. Macht immer noch Spaß, sieht immer noch gut aus. Leider habe ich selber keinen Bildschirm, an dem ich das mit einer anderen Person spielen könnte. Na ja.

Im Juli ist außerdem Sommerpause. Ich bin den ganzen Monat irgendwie unterwegs und werde deswegen nichts schreiben. Im August dann wieder. Vielleicht sind meine Bilder dann auch wieder hergestellt.

Linkschau #32

Heute ohne Bild, weil die Daten verloren gegangen sind. Das passiert. Hoffentlich bald nicht mehr. Außerdem nicht allzu viele Links, weil keine Zeit gehabt, besonders viel zu lesen. Das passiert auch. Hoffentlich bald nicht mehr.

Im Lower Class Magazine schreiben Torkil Lauesen und Gariel Kuhn über linke Theorie und Universitäten, oder auch das Verhältnis von Theorie und Praxis.

Caitlin Doughty spricht über dämonische Kinder. Und warum es davon nur so wenige, und wenn dann männliche gibt. (Sexismus im Mittelalter oder so.) [Englisch, Video]

Bei an.schläge schreibt Lea Susemichel über Freundinnenschaften.

Janosik Herder schreibt über die Technologisierung der Gesellschaft und was, das für uns bedeutet oder wie wir damit umgehen können, sollen, …?

Bei Broadly. schreibt Sarah Lyons über Lilith und wieso sie eine feministische Figur ist.

Shon Faye schreibt im Guardian darüber, warum wir nicht darüber diskutieren sollten, ob Geschlechtsidentität nun angeboren ist oder nicht, sondern uns auf den politischen Kampf konzentrieren sollten.

Und zwei Beiträge von Alisa Tretau aus ihrem Buch „Nicht nur Mütter waren schwanger – Unerhörte Perspektiven auf die vermeintlich natürlichste Sache der Welt“, und zwar einmal bei kleinerdrei und einmal bei umstandslos. Es geht um ihren unerfüllten Schwangerschaftswunsch und die Unmöglichkeit, darüber zu sprechen.