Trauer

Heute schreibe ich, um zu bestätigen was schon viele andere Menschen vor mir geschrieben haben: Trauer ist zirkulär. Trauer kommt immer wieder. Trauer passiert in Schüben. Ob es je ein Ende hat, kann ich (noch) nicht sagen.

Trauer kommt in den unterschiedlichsten Moment. Trauer kommt jeden Abend nach einem langen Tag, wenn wir niemandem zum Reden haben, weil wir auf der Arbeit sind und Bildungsarbeit leisten. Dann kommt Trauer in Form von einsamen Tränen und Schluchzern, versteckt als Wut, heftig und verbunden mit Schlaflosigkeit. Trauer kommt nach einem schönen Abend mit einer Freundin, auf dem Weg nach Hause, nach dem litauischen Lied, das an früher erinnert (und mit Liebe zu tun hat) bei dem Lied, das an Trauer erinnert (und auch mit Liebe zu tun) und danach zu allen anderen Liedern (egal, womit sie zu tun haben), vom Umziehen auf die Toilette bis ins Bett. Trauer kommt in heftigen Heul- und Schluchzattacken, und Trauer kommt in leisen einsamen Tränen. Im Liegen, Stehen, Sitzen. Beim Arbeiten, beim Reden, beim Denken, beim Lesen, bei Musik, im Gespräch, beim Nachdenken. Trauer kommt in Momenten, in denen eins sie erwartet, weil der Kontext, das Gespräch, der Moment sowieso traurig ist. Und Trauer kommt in Momenten, in denen eins sie nicht erwartet, weil eins gerade noch gelacht, gescherzt, sich gefreut hat. Trauer kommt mit anderen Gefühlen: mit Zufriedenheit, mit Nervosität, mit Wut, mit Angst, mit Akzeptanz, mit Neid, mit Freude, mit Lust.

Damals, vor fast zehn Jahren, sagte mal eine Person zu mir, dass es gerade die Momente sind, die widersprüchlichen, die Lach-Wein-Momente, die unser Leben ausmachen. Ich weiß bis heute nicht, ob das stimmt. Das einzige, was ich weiß, ist, dass Trauer immer kommen kann. Und dass Trauer nichts Negatives ist, sondern nur den Ort zeigt, wo der Schmerz sitzt. Den Ort, der weh tut, und meistens, wenn wir genau hinhören, dann sagt die Trauer auch, warum es weh tut und was wir eigentlich brauchen. Und damit ist die Trauer zwar ein anstrengender, aber doch auch ein willkommener Gast. Und letztlich eine Chance: zu verstehen, was wir brauchen, und wie wir dahinkommen können. Die Chance zum Wandel.

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