Mai Recap

Zeit für Mai Recap. Der Monat war so voll mit Dingen und Menschen. Ich war in Berlin, und das war schön. Abgesehen davon habe ich natürlich auch andere wundervolle Dinge getan.

Geschaut habe ich erstmal I am Not Your Negro, denn der lief ein paar Tage in der arte Mediathek. Es ist die Verfilmung eines Manuskripts von James Baldwin und dreht sich um die Werke und Leben von Malcom X, Martin Luther King und Medgar Evers. Baldwin thematisiert in seinem Werk den Rassismus in Amerika und seine eigene Geschichte. Der Film arbeitet viel mit Originalmaterial sowie Baldwins Manuskript und ist deswegen sehr bewegend und eindrücklich.

Außerdem kamen die NSU-Monologe in diese Stadt. Die szenische Lesung basiert auf Erzählungen von Betroffenen der NSU-Morde, nämlich Elif Kubaşik, Adile Şimşek und İsmail Yozgat. Die Aufführung funktioniert ohne Requisiten oder Verkleidungen, und bringt die Geschichten dadurch umso deutlicher heraus. Das Stück kann auf Deutsch und Türkisch gebucht werden, und lohnt sich auf jeden Fall.

C. und ich haben den viel umworbenen japanischen Film Kimi no Wa wa (Your Name) zusammen geguckt. Es handelt sich dabei um eine Body-Switching-Geschichte von zwei Teenagern und erzählt von Identität, Heimat und Liebe. Der Film hat sehr schöne Bilder und die Geschichte ist sehr realistisch erzählt, auch wenn sie viele fantastische Elemente aufweist.

Dann waren L. und ich im Kino, um Get Out zu sehen. Die Originalfassung lief immer erst ab 22 Uhr im Kino, und L. und ich waren die einzigen Menschen im Kino. Das waren natürlich beste Voraussetzungen für einen Horrorfilm, vor allem für zwei so schreckhafte Menschen wie uns. Ich kann den Film dennoch empfehlen, er ist sehr gut gemacht und zeigt sehr deutlich, wie Rassismus funktioniert. Wirklich, ich bin immer noch begeistert von der Kameraführung und den eingesetzten Effekten. Sehr beeindruckender Film, sehr erschreckend. Auch schreckhafte Menschen können ihn anschauen, dann aber vielleicht im Tageslicht und mit einer anderen Person. Nach dem Film hatte ich keine Angst, nur währenddessen war ich die ganze Zeit angespannt.

Paterson habe ich dann im Freiluftkino gesehen, was sehr schön war. Das Setting passte gut zum Film, der sehr simpel und anrührend war. Viel kann ich dazu nicht sagen, außer dass es um den Busfahrer Paterson geht. Der Trailer zeigt schon ein bisschen, worum es geht, ansonsten: einfach gucken. Es lohnt sich.

Gesehen habe ich sonst nur Grey’s Anatomy, und zwar ziemlich viel, aber dann wieder nichts. Der Monat war einfach zu wechselhaft, und ich hab immer noch nicht ganz aufgeholt.

Bücher habe ich endlich auch mal welche gelesen dieses Jahr, und zwar Der Bastard von Istanbul von Elif Shafak. Ich bin mir nicht so sicher, was ich von ihr halten soll. Die Geschichte an sich war fesselnd und handelte von mehreren spannenden Frauen. Allerdings habe ich immer wieder den Eindruck, dass es sehr klischeehaft und herablassend geschrieben ist. Manchmal wirken die Figuren ein bisschen wie Schablonen ihrer selbst.

Und wie schon erwähnt habe ich Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution von Laurie Penny gelesen. Das Buch sollte eigentlich jede*r lesen. Wütend, aufreibend, schonungslos. Es hat mir sehr viele Dinge neu und wieder klar gemacht. Und mich wütend zurückgelassen. Auf die Welt. Und auch sonst alles.

Zum Schluss möchte ich noch Musik empfehlen, weil. Lianne La Havas ist wundervoll. Tolle Stimme, schöne Lieder. Googelt sie einfach, oder supportet sie. Das wäre noch besser. <3

Im Kampf mit der Sozialisation

Seit Wochen bewege ich mich im Kreis. Ich schwanke wie ein Boot auf hoher See, und ein Grashalm im Wind. Ich bewege mich in einer Spirale, von der ich hoffe, dass sie größer und nicht kleiner wird.

Das ist frustrierend. In der einen Woche okay und reflektiert zu sein und sagen zu können, welches Leben ich leben will, ist wünschenswert, schön und befriedigend. In der Woche danach vor Wut weinend auf dem Sofa zu liegen und mir zu wünschen, dass eine andere Person meinen Kopf mitnimmt, ist weniger erfüllend. Und doch. Und doch gehört es beides zusammen. Alle diese Gefühle sind ein Teil von mir, und alle sind wahr und wichtig. Dass sie gleichzeitig oder nebeneinander auftauchen, macht die Sache nicht einfacher, aber von einfach war ja auch nie die Rede.

Heute glaube ich verstanden zu haben, was eigentlich genau passiert in meinem Kopf, Herz und Bauch. (Ich bin da vorsichtig, vielleicht irre ich mich auch.) Aus dem ganzen Hass und der Wut und Enttäuschung, die heute auf dem Sofa herrschten, kam ein Funken von Verständnis und Zuneigung und Empathie. Dann Trauer und wieder Wut. Die Tage sind einfacher zu ertragen, wenn sich nicht so viele Emotionen ständig abwechseln, aber dies sind die lehrreichen Tage.

Zunächst einmal verhindert Verständnis die Wut und den Hass. Verständnis ist im Grunde das Gegenmittel. Wenn ich verstehe, kann ich nicht mehr wütend sein. (Das mag für andere Menschen anders sein, bei mir geht das dann ziemlich schnell.) Ich kann mich aber auch weigern zu verstehen, weil ich wütend sein möchte. Der gerechte Zorn oder so. Wobei mich der gerechte Zorn auch noch nirgendwohin geführt hat. Zumindest an keinen Ort, der schöner gewesen wäre.

Ich habe mir das letzte Kapitel von Laurie Pennys Buch aufgespart. Vielleicht hatte ich auch noch keine Zeit es zu lesen, aber aufgespart klingt nach viel mehr Absicht, und dann ist die Geschichte schöner. Ich habe mir das Kapitel mit dem Titel „Liebe und Lügen“ also aufgespart und dann nach all den ganzen Emotionen, die meine Augen so schwer wie Blei gemacht haben, endlich gelesen. Und die Frau schreibt ja schlaue Dinge. Dinge, so wahr, dass sie mich in den letzten Tagen so wütend auf die Welt gemacht haben, dass ich dafür kaum Worte finden kann. Außerdem hat Laurie Penny die Worte ja schon gefunden, da muss ich keine besseren mehr suchen.

Und während ich das Kapitel las und gleichzeitig meinen Tag rekapitulierte (das geht parallel), kam mir die Erkenntnis, die hoffentlich auch eine ist, und auch eine bleiben wird: Ich kämpfe mit meiner Sozialisation. Genau genommen kämpft meine Sozialisation gegen die Dinge, die ich für richtig halte und nach denen ich mein Leben ausrichten möchte. Das sind in diesem Fall nämlich nicht die gleichen Dinge. Und beide wollen das Ruder in der Hand haben. Die Sozialisation drückt sich in Wut, Hass, Eifersucht und Selbstgerechtigkeit aus. Das sind ziemlich starke Dinge, die vor allem dafür sorgen, dass jedes Elend in meinem Kopf, Herz und Bauch auf ein Objekt außerhalb meines Körpers projiziert wird (soll heißen: das ist nicht meine Schuld, die Anderen sind doof). Und weil das so einfach ist, ist es so stark. Außerdem habe ich das schließlich 29 Jahre so gelernt, irgendwas muss ja dran sein.

Die Dinge, die ich für richtig halte, und nach denen ich mein Leben ausrichten möchte, sind etwas kleinlaut. Erstens sind sie noch nicht so lange in meinem Bewusstsein. Wenn ich großzügig bin, dann gestatte ich ihnen sechs Jahre in meinem Leben. (Wenn ich besonders großzügig bin, gebe ich ihnen zehn Jahre, davon allerdings ungefähr die Hälfte unkontrolliertes Aufbäumen gegen die Konventionen.) Ein Pups, gegen die 29 übermächtigen Jahre der Sozialisation. Außerdem kommen diese Dinge mit (Selbst-)Reflexion, Empathie, Schmerz und Trauer daher. Das sind sehr anstrengende Prozesse. Prozesse, die die 29 Jahre Sozialisation herausfordern und auseinandernehmen und hinterfragen und neu zusammen bauen wollen. Es ist das Lernen zu verlernen. (Ich kann das nicht genau zu ordnen, aber das haben schon viele Menschen vor mir gesagt, ich hab mir das nicht ausgedacht. Schnelles Googeln hilft gerade leider auch nicht.) Rückfälle sind wahrscheinlich zu erwarten, und sie sind hart und tun weh. Und trotzdem ist es notwendig, die Dinge zu verlernen, die ich gelernt habe. Zumindest ein paar davon. Die, die mich einengen und klein machen und mir sagen wollen, wie ich ein gutes, angepasstes Leben führen soll.

Die Dinge, die ich für richtig halte (ich empfehle bell hooks und GFK, aber das sind nur die aktuellen, die mir gerade einfallen), sind nicht einfach und nicht das, was von mir erwartet wird. Sie sind weder gesellschafts- noch kapitalismuskonform. Sie entsprechen nicht den Werten meiner Familie oder den Konventionen meiner Umgebung. Und trotzdem. Trotzdem bin ich nicht die Einzige, die so lebt, und die diesen Weg geht, und die sich aufbäumt und kämpft auch wenn es weh tut und wenn ich vor lauter Tränen den Weg nicht mehr sehe. Und das ist vielleicht das einzige, was mich hoffen und weitermachen lässt: Dass ich nicht die Einzige bin, und dass es besser wird, irgendwann. Irgendwann wird auch diese Epoche zu Ende gehen. Das ist der Trost, den ich brauche, auch wenn er nicht an jedem Tag ausreicht.

Ich weiß nicht, ob ich durchhalte, oder ob ich irgendwann einknicke. Im Moment knicke ich alle paar Tage ein und schlage mit Händen und Füßen wutschnaubend und tränenüberströmt um mich. Und ich hab keine Ahnung, ob das jemals vorbei gehen wird. Spielt jetzt aber auch keine Rolle. Deswegen schließe ich mit Laurie Penny, auf hoffnunsgvollere Art:

„Jenseits des ‚…bis zum Ende ihrer Tage‘, jenseits der einzig gültigen Geschichte, wie Leben, Arbeit und Partnerschaft beschaffen sein sollen, war die Liebe immer frei. Wenn das Märchen zu Ende ist, können wir noch viele Seiten umblättern in dieser langen, mühevollen Saga von der menschlichen Liebe, und es gibt immer noch eine Geschichte zu erzählen.“ (Laurie Penny, Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution. S. 257)

Trauer

Heute schreibe ich, um zu bestätigen was schon viele andere Menschen vor mir geschrieben haben: Trauer ist zirkulär. Trauer kommt immer wieder. Trauer passiert in Schüben. Ob es je ein Ende hat, kann ich (noch) nicht sagen.

Trauer kommt in den unterschiedlichsten Moment. Trauer kommt jeden Abend nach einem langen Tag, wenn wir niemandem zum Reden haben, weil wir auf der Arbeit sind und Bildungsarbeit leisten. Dann kommt Trauer in Form von einsamen Tränen und Schluchzern, versteckt als Wut, heftig und verbunden mit Schlaflosigkeit. Trauer kommt nach einem schönen Abend mit einer Freundin, auf dem Weg nach Hause, nach dem litauischen Lied, das an früher erinnert (und mit Liebe zu tun hat) bei dem Lied, das an Trauer erinnert (und auch mit Liebe zu tun) und danach zu allen anderen Liedern (egal, womit sie zu tun haben), vom Umziehen auf die Toilette bis ins Bett. Trauer kommt in heftigen Heul- und Schluchzattacken, und Trauer kommt in leisen einsamen Tränen. Im Liegen, Stehen, Sitzen. Beim Arbeiten, beim Reden, beim Denken, beim Lesen, bei Musik, im Gespräch, beim Nachdenken. Trauer kommt in Momenten, in denen eins sie erwartet, weil der Kontext, das Gespräch, der Moment sowieso traurig ist. Und Trauer kommt in Momenten, in denen eins sie nicht erwartet, weil eins gerade noch gelacht, gescherzt, sich gefreut hat. Trauer kommt mit anderen Gefühlen: mit Zufriedenheit, mit Nervosität, mit Wut, mit Angst, mit Akzeptanz, mit Neid, mit Freude, mit Lust.

Damals, vor fast zehn Jahren, sagte mal eine Person zu mir, dass es gerade die Momente sind, die widersprüchlichen, die Lach-Wein-Momente, die unser Leben ausmachen. Ich weiß bis heute nicht, ob das stimmt. Das einzige, was ich weiß, ist, dass Trauer immer kommen kann. Und dass Trauer nichts Negatives ist, sondern nur den Ort zeigt, wo der Schmerz sitzt. Den Ort, der weh tut, und meistens, wenn wir genau hinhören, dann sagt die Trauer auch, warum es weh tut und was wir eigentlich brauchen. Und damit ist die Trauer zwar ein anstrengender, aber doch auch ein willkommener Gast. Und letztlich eine Chance: zu verstehen, was wir brauchen, und wie wir dahinkommen können. Die Chance zum Wandel.

Linkschau #19

Es geht weiter im Teilen von Gedanken anderer Menschen.

Hannah Witton hat in einem ihrer letzten Videos erklärt, wie eins sich am besten organisieren kann. Vielleicht inspirierende für einige Menschen da draußen. [Englisch]

Bei kleinerdrei schreibt Dr. Vulva über Sex und Bedürfnisse. Passend zu meinem eigenen Weg und der Beschäftigung mit Bedürfnissen im Moment.

Sami Omar schreibt beim Migazin über die Verlogenheit in der Debatte um das Wahlverhalten der in der Türkei wahlberechtigten Menschen mit Wohnsitz in Deutschland.

Beim Lower Class Magazine wirft David Doell die Frage nach einer linksradikalen Ethik an den deutschen Universitäten auf. Auch der anfangs zitierte Text ist lesenswert, aber dieser ist mMn noch eindringlicher.

Lisa schreibt bei umstandlos über Rituale mit und ohne Kinder in unserer heutigen Gesellschaft.

Bei den femgeeks fragt Melanie nach den feministischen Blogs und berichtet von ihren eigenen Gedanken und ihrem eigenen Weg online.

Kimberly Lawson schreibt bei broadly über eine neue gewaltvolle Praktik unter Männern, die beim Sex gegen den Willen ihrer Sexualpartner*innen das Kondom ausziehen.

DasNuf schreibt über ihren Weg zum Feminismus übers Mutter-Werden und plädiert für Feminismen für alle, unabhängig vom Wissensstand oder den gelesenen Büchern.

Bei Melanie von glücklich scheitern gibt s einen Gastbeitrag über Feminismus und Mutterschaft und der Schwierigkeit, das Mutter-Sein mit den eigenen Bedürfnissen zu vereinbaren.

Hannah schreibt in Anlehnung an ihren Text zum 01. Mai über Antikapitalismus und Behinderung und wie wenig Behinderungen in linken antikapitalistischen Kämpfen mitgedacht werden.

Nadine von der Mädchenmannschaft hat ein Interview mit Peer Thesing zu feministischer Psychatriekritik und Identitätspolitik geführt, das ich wirklich sehr empfehlenswert finde.

Auf Identitätskritik gibt es einen Beitrag zur Diskussion um die Begriffe Opfer, Erlebende, Betroffene, usw. Spannende Gedanken, und wichtiger Appell.

Gewaltfreie Kommunikation

Ich habe es ja in meinem letzten Beitrag schon erwähnt: Ich habe in den letzten Wochen drei Bücher über Gewaltfreie Kommunikation (kurz GFK) gelesen, darunter das Hauptwerk von Marshall Rosenberg.

In meiner eigenen Reflexion habe ich bemerkt, dass mich Elemente der GFK schon seit Jahren begleiten. Ein Hauptanliegen ist die Unterschiedung von Beobachtung und Bewertung und GFK ist ein Plädoyer dafür, die eigenen Handlungen und die Handlungen anderer Menschen zunächst zu beobachten, ohne sie zu bewerten, und sich dann auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu konzentrieren. In meiner Vorbereitung auf meinen Freiwilligendienst in Jerusalem hat eine unserer Teamerinnen versucht, uns dieses Thema näher zu bringen. Dies geschah vor allem im Kontext von Interkultureller Kommunikation. Ich erinnere mich noch sehr genau an ihre Erklärungen und vor allem den erwähnten Grundsatz der Trennung von Beobachtung und Bewertung. Ich erinnere mich auch, dass ich das damals für ehrenhaft, aber praktisch unmöglich hielt.

In den letzten Jahren ist mir durch mein Masterstudium und die immer wiederkehrende Beschäftigung mit Schule aufgefallen, dass uns das Bewerten sogar beigebracht werden soll. Ein erklärtes Ziel von Schulcurricula ist es, Schüler*innen das Bewerten von Informationen beizubringen. Aber die Schule ist nicht der einzige Ort, an dem bewertet wird. Mittlerweile ist mir klar geworden, dass wir ständig bewerten in unserem Alltag: uns selbst, alle Anderen um uns herum, Unbekannte in unserem Umfeld, Unbekannte weit weg. Bewertung ist von dem Verständnis für andere Menschen sehr weit entfernt.

Im Kontext dieser Gedanken ist mir noch etwas Anderes aufgefallen, das mich seit meinem Freiwilligendienst in Kaunas begleitet. Zu der Zeit habe ich in einem Flüchtlingszentrum gearbeitet, in dem vor allem Tschetschen*innen gewohnt haben, und mit denen ich vorwiegend in Kontakt war. In dieser Zeit habe ich mich viel mit dem Russisch-Tschetschenischen Konflikt beschäftigt und auch mit den sogenannten Schwarzen Witwen. Dabei handelt es sich um Selbstmordattentäterinnen, die von tschetschenischen terroristisch Gruppen rekrutiert wurden, und deren Familien und Ehemänner meist vom russischen Militär ermordet wurden. Ich habe immer mal wieder gesagt, dass ich verstehen kann, warum sie Selbstmordattentate begehen und wurde dafür immer wieder angegriffen. Dabei habe ich diese nie und tue das auch heute nicht gut geheißen. Ich unterstütze diese Frauen und diese Praktiken nicht, aber ich verstehe die Beweggründe, die Menschen dazu bringen können, sich rekrutieren zu lassen. Heute weiß ich, durch die Beschäftigung mit GFK, dass es sich dabei schon um ein empathisches Verstehen gehandelt hat. Dass Verstehen nicht gleich Befürworten oder Unterstützen ist, war mir schon damals klar, und diesen Eindruck hat die GFK nur bestätigt.

In den letzten Wochen und Monaten ist mir immer wieder bewusst geworden, wie stark gewaltvoll wir uns anderen Menschen gegenüber verhalten. Wie schnell wir urteilen und angreifen, uns im Recht fühlen, andere schlechter machen, usw. Mir ist das in den letzten zwei Jahren immer mal wieder aufgefallen, aber Anfang diesen Jahres in einer noch größeren Intensität, und auch vermehrt in meinem eigenen Verhalten.

Und ich möchte so nicht sein.

Mir ist bewusst, dass ich das Urteilen gelernt habe, und es in mir drin steckt. Und ich weiß auch, dass ich anderen Menschen so nicht mehr begegnen möchte. Ich möchte Verständnis und Respekt von Anderen, und möchte ihnen das auch geben. Die GFK hat mir geholfen, mir das bewusst zu machen und mich damit auseinanderzusetzen. Es ist kein leichter Prozess, ich stoße jeden Tag an meine Grenzen. Gleichzeitig lerne ich jeden Tag etwas Neues, oder bin stolz auf mich, weil ich etwas neu reflektiert habe. Außerdem hat die GFK mir geholfen, meine eigenen Bedürfnisse besser zu erkennen und meine Gefühle zu verstehen. Was ich mit diesem Wissen genau mache, das weiß ich noch nicht. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass es mir helfen wird, mein Leben so zu gestalten, dass ich mich darin wohler und zufriedener fühle.