Und jetzt hassen wir alle La La Land

[Der Text ist nicht spoilerfrei in Bezug auf La La Land!]

Ich hatte vor ein paar Tagen ein kurzes Gespfäch mit einer Mitbewohnerin, das mich zum Nachdenken gebracht hat. In dem Gespräch ging es eigentlich um Moonlight, aber dann auch irgendwie um La La Land. Ja, ich habe den Oscar-Fauxpax mitbekommen und finde ihn sehr traurig und peinlich. Und ja, ich habe beide Filme gesehen. La La Land lief hier in der OV Sneak Preview, also als Überraschungsfilm, im Dezember oder im Januar, ich bin mir gerade nicht so sicher, da habe ich ihn gesehen. Moonlight habe ich am Wochenende auch in der OV gesehen.

Meine Mitbewohnerin hat es abgelehnt, La La Land zu sehen, weil der Film so weiß ist. Ich verstehe vollkommen, dass Menschen den Film boykottieren oder ihn zumindest nicht im Kino sehen wollen, um ihn nicht weiter zu unterstützen und dem sehr weißen, wenig diversen Kino Hollywoods so eine Absage zu erteilen. Finde ich ziemlich gut. Ich hab mich auch gefreut, dass Moonlight den Oscar bekommen hat und nicht La La Land. Trotzdem finde ich dieses pauschale Aburteilen eines Filmes, den die meisten Menschen in meiner Umgebung nicht mal gesehen haben, schwierig. Und da bin ich wieder bei dem Dilemma, das ich schon sehr lange habe.

La La Land ist ein guter Film, wenn eins Musicals mag. La La Land ist kein Fünf-Sterne-Film (meiner Meinung nach), aber auch kein Null-Sterne-Film. Ganz abgesehen von der sehr guten Cinematographie (keine Ahnung, ob das auf Deutsch in Wort ist), hat der Film auch eine interessante Message. Die hat nichts mit Diversität zu tun, auch wenn das bei den Oscars so behauptet wurde, aber die hat was mit Träumen und Liebe zu tun. Die Hauptkritikpunkte des Films sind die mangelnde Diversität und das Ende, in dem Mia und Sebastian nicht zusammen bleiben. Und die Lager um den Film sehen ungefähr so aus: 1. La La Land ist der beste Film EVER! 2. La La Land ist scheiße, weil weiß. 3. La La Land ist scheiße, weil Mia und Sebastian nicht zusammen bleiben.

Die Kritik bewegt sich auf zwei verschiedenen Ebenen. Inhaltlich und politisch im US-amerikanischen Kontext.

Inhaltlich stimme ich der Kritik in keinster Weise zu. Mia und Sebastian trennen sich, weil ihre Lebensentwürfe nicht zusammen passen, weil sie beide Träume haben, die sie verfolgen und in denen sie ihr Leben verwirklichen wollen, und die sich nicht mit den Träumen der jeweils anderen Person vereinbaren lassen. Das ist im Leben manchmal so. Das heißt weder, dass Mia und Sebastian am Ende des Films todunglücklich sind (eher das Gegenteil), noch dass sie einander nicht geliebt haben. Mia und Sebastian haben die andere Person gehen lassen, weil sie sie geliebt haben. All das sagt auch schon der Film, dafür muss ich nicht lange heruminterpretieren. Die Endsequenz in der Bar inklusive Traumsequenz sagt nichts Anderes als das, was ich gerade ausbuchstabiert habe. Lieben heißt ja nicht, die andere Person auf Teufel komm raus festzuhalten. So wird keine*r von uns glücklich. Und so wird Liebe zu Zwang.

Politisch verstehe ich die Kritik am Film auch, und stimme voll zu. Die Medien sind zu weiß, und müssen sich weiter öffnen, für andere Geschichten, Gesichter, Wahrheiten. Das ist klar. Aber heißt das, dass wir jetzt keine Kunst mehr mögen dürfen, die von weißen Küstler*innen kommt? Ist es nicht heuchlerisch zu behaupten, dass wir keine Kunst von weißen Künstler*innen mögen? Ist die Lösung unserer Probleme, nur noch Kunst von POC und Schwarzen Künstler*innen zu konsumieren? Oder kann ich nicht die Kunst weißer Menschen ebenso mögen, und sie immer wieder darauf hinweisen, dass ihre Kunst nur ein Aspekt, eine Perspektive darstellt, und sie sich bemühen sollten, andere Perspektiven zu unterstützen, fördern, einzubeziehen? Sollte es mir nicht ein Anliegen sein, zu hinterfragen, von wem die Kunst kommt, die ich konsumiere, und mein eigenes Konsumverhalten diverser zu gestalten?

Ich für mich schlage mich immer wieder mit dieser Frage herum. Ich versuche, Bücher von unterschiedlichen Autor*innen zu lesen, Filme und Serien von unterschiedliche Macher*innen und mit unterschiedlichen Schauspieler*innen zu schauen und Musik von verschiedenen Künstler*innen zu hören. Aber ich würde lügen und in dem Sinne auch nicht helfen, wenn ich behaupten würde, dass ich Kunst, die von weiße Menschen kommt, immer scheiße und boykottwürdig finde.

Wie seht Ihr das? Habt Ihr dazu eine Meinung? Mir ist klar, dass meine Perspektive auf dieses Thema auch beeinflusst ist von meiner Stellung als weiße Frau, deswegen freue ich mich über Input zu diesem Thema.

PS: Gerade bin ich über diesen Artikel gestolpert, und was darin gesagt wird, scheint mir auch für alle anderen Arten von Kunst zu gelten.

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