2016 IV/…

Es gibt Tage, wie heute, an denen ich morgens arbeiten muss, und dann bedarf es erstmal eines ordentlichen Mittagessens, eines Kaffees, Yoga, und ein bisschen Entspannung, bis ich mich überhaupt wieder an den Schreibtisch setzen kann. Ich ließ mir sagen, oder vielleicht sage ich es mir auch nur selbst, dass das normal ist.

Wie gesagt gibt es mehrere Themen, über die ich irgendwie immer mal wieder schreiben wollte, und die mir so im Kopf rumschwirren, und heute ist so ein Tag, an dem ich vielleicht mal damit anfange, diese Gedanken niederzuschreiben.

Es gibt diese sehr untauglichen Sprüche oder Redwendungen, dass mensch nur geliebt werden kann wenn mensch sich selbst liebt. Dieser Spruch hat sehr viele problematische Implikationen. Die ganz offensichtliche ist nur eine davon. [1]   Der Spruch schließt aber auch Menschen aus, die ein problematisches Bild von sich selbst haben, zum Beispiel aufgrund von psychischen Krankheiten. Diesen Menschen soll also verwehrt sein, Liebe zu erfahren? Bullshit.

Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch verdient, geliebt zu werden und auch Liebe erfahren kann, ganz unabhängig davon, ob sie*er sich selbst liebt oder wieviel sie*er sich selbst liebt. Ich wurde auch geliebt, als ich mich selbst ziemlich scheiße fand und als ich Depressionen hatte und ich find mich heute manchmal immer noch ziemlich scheiße. Das ist auch normal. Kein Mensch kann sich selbst immer lieben, genauso wenig wie kein Mensch einen anderen Menschen immer lieben kann. [2]

Die letzten Monate habe ich sehr viel über mich selbst gelernt. Ich habe viel reflektiert über mich und die Vergangenheit und dieser Prozess wird auch lange nicht abgeschlossen sein. Ich bin mittlerweile an einem Punkt, wo ich mich selber immer wieder hinterfrage und auch die Erwartungen, die ich an andere Menschen richte. Sind diese Erwartungen gerechtfertigt? Was für ein Bedürfnis steckt dahinter? Welche Bedürfnisse hat die andere Person? Welche Erwartungen hat die andere Person? Werden diese geäußert?

Ich lerne mehr und mehr, meine eigenen Bedürfnisse auszusprechen. Und meine Erwartungen zu hinterfragen. Das Bedürfnisse aussprechen hilft total in der Kommunikation mit Anderen. Und das Erwartungen hinterfragen hilft total im Umgang mit mir selbst. Und auch in der Akzeptanz meiner selbst.

Ich würde nicht behaupten, dass ich mich mehr liebe als früher. Ich würde eher sagen, dass ich gelernt habe, besser zu mir zu sein und mich selbst auch so sein zu lassen, wie ich bin. Mit den Erwartungen (die ungerechtfertigt sein mögen), und den Ängsten und den Zweifeln. Und dass ich gelernt habe, besser zu Anderen zu sein. Ihre Bedürfnisse eher wahrzunehmen und zu akzeptieren und nicht nur zu verlangen, dass meine Bedürfnisse erfüllt werden mögen, egal was die andere Person gerade will.

Ich würde auch nicht behaupten, dass ich jetzt mehr Liebe verdient habe oder mehr Liebe bekomme. Ich merke hingegen, dass ich die Liebe, die mir gegeben wird, leichter und besser annehmen kann, und dass ich selber mehr und freier lieben kann. Insofern hat der Spruch oben für mich nicht mehr Wahrheit als vorher, und auch nicht mehr Relevanz. Ich finde eher, dass Liebe leichter fällt, wenn mensch auch gut zu sich selbst sein kann. Ob das universell [3] so ist, sei mal dahin gestellt.


 

[1] Also die Tatsache, dass mensch nur geliebt werden kann oder verdient, geliebt zu werden, wenn mensch sich selbst liebt. Also. Bitte. Wer denkt sich denn sowas aus?
[2] Was sollen auch eigentlich diese ultimativen Aussagen? Wissen wir nicht bereits, dass nichts ultimativ und immer und nie ist?
[3] ;)

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Ein Gedanke zu “2016 IV/…

  1. ja find ich auch, ein blöder Spruch… man verändert sich ja auch dauernd…und hat auch verschiedene Anteile…also so absolutistisch is schon schräg, das Leben ist anders

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