Digitaler Herzschlag

Heute las ich in der Missy (auf Papier und so) was davon, dass „wir“ im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind. Daran bin ich irgendwie hängen geblieben.

Ich habe in der Vergangenheit mit Ex-Mitbewohni L. schon mal darüber diskutiert, ob das auf uns zutrifft. Sie verneint das ja konsequent, aber ich bin mir da nicht sicher. Vielleicht sollte ich also mal von vorne anfangen.

Klar ist: Ich saß nicht als Vierjährige an einem Smartphone oder Tablet und habe da Spiele gespielt oder den Freund*innen meiner Eltern whatsapp-Smileys geschickt. Aber mit sechs saß ich an dem C64 meines Vaters und habe dort Spiele gespielt. Unter anderem Batman, Superman, Sonic the Hedgehog und irgendein seltsames Spiel mit Donald Duck und Micky Mouse, an das ich mich bis heute sehr gut erinnere. Ich kann mich auch an den C64 erinnern, der in dem Zimmer stand, das ich mit Bruderherz damals geteilt habe. Wir hatten sogar einen Joystick! Sehr praktisch, um Spiele zu spielen. Der C64 lief damals noch auf DOS und ich konnte da sogar einfache Befehle eingeben. Wir hatten tolle große Disketten, auf denen die Spiele waren und zwar einen ganzen Kasten voller Disketten.

Von meinem Kommunionsgeld habe ich mir einen N64 gekauft. Mein erstes Spiel war Wave Race und direkt danach habe ich mir Super Mario 64 besorgt. Mein Lieblingsspiel war immer Zelda, aber ich kann mich auch an sehr lange Mario Kart-Spiele erinnern. Ich habe den N64 heute noch (irgendwann mussten wir mal einen zweiten ausgedienten besorgen, um meinen wieder fit zu machen) und ich besitze sogar einen Adapter für Gameboy-Spiele. Wann ich meinen Gameboy Color hatte, weiß ich nicht mehr so genau. Ich erinnere mich, dass ich, vor meinem eigenen, immer an dem alten Gameboy von meinem Cousin gespielt habe und Bruderherz auch einen Gameboy VOR mir besaß, obwohl er jünger ist. Für den Gameboy hatten wir auf jeden Fall auch eine ganze Batterie an Spielen. Irgendwann hab ich meinen verkauft, aber als ich im Bachelor war, habe ich mir wieder einen gekauft, und zwar genau den gleichen, den ich vorher auch hatte: einen lila-durchsichtigen.

Der Familiencomputer, den wir früher besaßen, stand im Arbeitszimmer meines Vaters, und ich vermute, dass ich so mit dreizehn meinen eigenen ersten Computer (natürlich ein alter von meinem Vater) in meinem Zimmer stehen hatte. Ungefähr zur selben Zeit habe ich angefangen zu bloggen (der Blog existiert hoffentlich nicht mehr). Und mit ungefähr 14 habe ich mich in meinem ersten richtigen Forum angemeldet. (Vorher war ich in diversen Chats angemeldet, wo ich mich regelmäßig rumgetrieben habe.) Das Forum, das von sich selbst als Grüne Hölle spricht, existiert heute noch, ich bin seit ca. fünf Jahren aber nicht mehr aktiv dort.

Seit ich 13/14 bin, habe ich mehr oder weniger regelmäßig gebloggt. Die Art und Weise zu bloggen hat sich für mich seitdem geändert. Das Medium ist geblieben und begleitet mich nun schon seit mehr als der Hälfte meines Lebens. Ich weiß, wie Internetforen funktionieren. Ich kenne mich aus mit RPGs und mit Fanfiction, weil ich beides selber konsumiert und produziert habe. Ich habe mehr als einen tumblr-Blog. Und ich habe auf so vielen Seiten einen Account, die ich halbwegs regelmäßig nutze, dass ich selber manchmal den Überblick verliere. Ich besitze einen Twitter-Account, den ich vor allem nutze, um manchmal bei bestimmten Themen auf dem neusten Stand zu bleiben. Ich habe Instagram ausprobiert und auch Pinterest, aber kann damit nichts anfangen. Mein Lieblingsmedium bleibt das Blog (hier UND auf tumblr).

Ich kann Internetsprech (bis zu einem gewissen Grad) und kann auch bis zu einem gewissen Grad in html-Codes rumpfuschen. Ich habe mir schon die Nutzung so vieler Programme selber beigebracht, dass ich die Hälfte wahrscheinlich schon wieder vergessen habe. Ich kann Bildbearbeitung und Videoerstellung. Ich kann GIFs machen und youtube-Videos editieren. Mein Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit habe ich bei tumblr entwickelt und dank meiner akademischen Ausbildung kann ich viele Argumente gut auseinander nehmen; die meisten „wichtigen“ akademischen Texte habe ich trotzdem nicht gelesen. Ich habe genauso viele youtube-Channels abonniert wie ich bloggenden Menschen folge. Und Netzgerechtigkeit ist mir genauso wichtig wie soziale Gerechtigkeit in der „richtigen“ Welt, was auch immer das bedeuten soll.

Einen meiner Ex-Partner habe ich online kennen gelernt und auch sehr viele andere spannende, interessante und wichtige, prägende Menschen in meinem Leben. Dass digital und analog sich überschneiden, ist für mich schon immer selbstverständlich gewesen. Mit Online-Freund*innen habe ich Briefe geschrieben und mit analogen Freund*innen habe ich schon immer Mails getauscht. Freund*innen waren schon immer Freund*innen, ganz gleich woher. Auch wenn ich mich erst daran gewöhnen musste, mich nicht für meine online geknüpften Kontake zu verteidigen als wären sie weniger wert als solche, die ich in der Schule, Uni oder bei irgendeinem Hobby kennen gelernt habe.

Nach dieser intensiven Betrachtung würde ich also sagen: ich bin in der digitalen Welt aufgewachsen. Und ich kann mir mein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen.

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Linkschau #6

Also. Mal wieder ist viel Zeit vergangen. Deswegen dieses Mal viele Fundstücke aus dem Netz aus den letzten drei (?) Wochen.

Ich bin ja ein Fan von TED Talks. Es gibt einfach so viele gute davon. Unter anderem Reshma Saujani, die dazu aufruft, Mädchen Mut beizubringen anstatt einen Willen nach Perfektion. Das kann ich nur unterstützen.

Schwarzrund schreibt im Missy Magazine einen Artikel zu veganem Lebensstil und Körperbildern bzw. genauer: dass Menschen nicht verstehen, dass vegan sein nicht heißt, eine Diät machen und dass der Gedanke hinter der veganen Ernährung nicht zum Ziel hat, sein Gewicht zu ändern, sondern die Welt zu revolutionieren.

Beim Mediendienst Integration schreibt Ferda Ataman über die Kategorie „Migrationshintergrund“ und die kommende Gesetzesreform, die sich mit dieser Kategorie beschäftigen muss.

Auf der re:publica hat Gübra Gümüşay eine Rede gehalten zu organisierter Liebe im Netz (als Kontrast zu dem organisierten Hass, der uns allerortens entgegen schlägt). Ein sehr emotionaler Beitrag, der auf den Punkt bringt, was die aktuellen Debatten mit Menschen machen.

Kien Nghi Ha schreibt im Migazin über die Frage, wie rassistisch die Uni sei. Ein sehr lesenswerter und wahrer Artikel, der auf ein Problem hinweist, mit dem wir uns im Uni-Alltag viel zu selten beschäftigen.

Bei Diaspora Reflektionen gibt es einen Beitrag zu „Womanhood“ und der Notwendigkeit, über Leid und Schmerzen zu sprechen, damit wir sie nicht in uns tragen müssen.

Naekubi nimmt gerade an der 30 Days of Blogging Challenge teil und hat im Zuge dessen einige sehr lesenswerte Artikel verfasst. Hier schreibt sie über Träume bzw. den einen Lebenstraum, den viele Menschen zu verfolgen scheinen. Persönlich konnte ich mich mit ihrer eigenen Einstellung, sich für vieles zu interessieren, aber nichts „Großes“ zu verfolgen, identifizieren. Dann schreibt sie einen guten Artikel zu Yellowface im deutschen Fernsehen und was daran problematisch ist. Und einen letzten Artikel zu Glauben und Christentum.

Karolin schreibt bei umstandslos über Kinderlosigkeit; ein Artikel, der mich sehr berührt hat.

Bei an.schläge führt Lea Susemichel ein Interview mit Claudia Haarman über Mütter-Töchter-Beziehungen und Liebe.

Da ist doch bestimmt für alle was dabei. Einen guten Start in die Woche!