2016 III/…

Eigentlich wollte ich einen ganz anderen Beitrag schreiben, über’s Lieben. Aber dann hat Hannah einen Beitrag zu „Heilung“ veröffentlicht, den ich sehr spannend fand. Viele spannende Gedanken und Überlegungen, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Und da ich ja mein Motto dieses Jahr (haha, als ob ich jemals vorher ein Jahresmotto hatte) zu „healing, growing, loving“ gemacht habe, finde ich, dass ich auch mal meine Gedanken dazu aufschreiben kann, was „Heilung“[1] eigentlich genau ist.

In meiner WG und meinem sozialen Umkreis gibt es schon seit ein paar Wochen (vielleicht sogar Monaten) Diskussionen über „Gesundheit“ und „Krankheit“. Eine meiner Mitbewohnerinnen studiert Psychologie und da ging es sehr schnell um Antonovsky und Salutogenese.[2] Kurz gesagt, in meinen fachfremden Worten, geht Antonovsky nicht davon aus, dass „Krankheit“ oder „Gesundheit“ Zustände sind, sondern dass sich beide als Endpunkte auf einem Spektrum befinden und Menschen niemals ganz „gesund“ oder „krank“ sind, sondern sich immer dazwischen befinden. Ich persönlich finde das sehr logisch und finde das sehr schnelle zu „Kranken“ erklären von Menschen suspekt. Ich gehe irgendwie davon aus, dass jede*r Mensch andere Umstände und Hilfestellungen in seinem*ihrem Leben braucht, um gut klarzukommen. Für manche Menschen ist die Welt so ausgelegt, dass sie an sich ganz gut klar kommen, für manche Menschen sieht das anders aus. Meiner Meinung nach liegt das aber an der Beschaffenheit von unseren Gesellschaften, und nicht an den einzelnen Menschen.

Wenn ich aber davon ausgehe, dass wir uns alle auf einem Spektrum von „gesund“ und „krank“ befinden, können wir dann „heilen“ oder „geheilt“ werden?

Vielleicht ist „Heilung“ im konventionellen Sinne gar nicht möglich. Vielleicht gibt es einfach nur Dinge, die unser Leben einfacher zu leben machen, und Dinge, die uns (be-)hindern.[3]

Was bedeutet dann für mich „Heilung“? Ich glaube, zu „heilen“ bedeutet für mich, meinen Zustand, meine Situation und vergangene Erlebnisse erstmal akzeptieren und als Teil von mir annehmen zu können sowie das Gefühl, mein Leben in Abhängigkeit von der Vergangenheit, aber nicht davon bestimmt, gestalten zu können. Wenn ich ehrlich bin, dreht es sich vor allem um das Annehmen von vergangenen Situationen und Erlebnissen und zu lernen, damit in meinem Leben umzugehen. Mir ist klar, dass das nicht das allgemeine Verständnis von „Heilung“ ist, aber gerade auch in Hinblick auf dieses „Jahresmotto“ ist „Heilung“ genau das für mich. Die Fähigkeit, meine Vergangenheit anzunehmen, damit zu arbeiten und mein weiteres Leben zu gestalten. Dass die Vergangenheit immer wieder zurückkommen wird, davon gehe ich aus. Deswegen denke ich, dass es immer wieder nötig sein wird, die Vergangenheit neu und immer wieder anzunehmen und das „Heilung“ ein stetiger, nie aufhörender Prozess ist.

Vielleicht wäre es aber auch nötig, einen anderen Begriff für mein Verständnis von „Heilung“ zu finden.

[1] Ich verwende das Wort mal in Anführungsstrichen, weil ich es glaube ich nicht so verwende, wie es im Mainstream verwendet wird.

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Salutogenese

[3] Nach einem kurzen Überfliegen von Antonovskys Wikipediaseite würde ich vermuten, dass das auch sein Ansatz ist, aber ich behaupte das eigentlich nur, weil ich mich nie näher mit ihm beschäftigt habe.

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4 Gedanken zu “2016 III/…

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