Linkschau #5

Here we go again. Bevor ich anfange zu transkribieren.

Bintou schrieb bei umstandslos über FGM (female genital mutilation). Das war hiermit eine Trigger Warnung.

Bei an.schläge führte Brigitte Theißl ein Interview mit Brigitte Kratzwald und zwar zu Commons. Sehr spannend und anregend.

In der taz schrieb Giacomo Maihofer zu der Entstehung der Sonderpädagogik in Deutschland und den Verbindungen zum Nationalsozialismus. Sehr lesenswerter Artikel, und immer noch ein sehr wichtiges Thema.

Hannah schrieb über die Müdigkeit am Aktivist*innen-Dasein und den Wunsch danach, auch mal Fehler machen zu dürfen. (Was ich wirklich sehr gut verstehen kann.)

Auf fuckermothers schrieb Iro Abendrot darüber, was sie (falls falsch gegendert, bitte Bescheid sagen) an dem Begriff „Regretting Motherhood“ stört und warum unsere Energie besser als Kritik an der Gesellschaft und nicht an der Mutterschaft aufgehoben ist. Wirklich empfehlenswerter Artikel.

Bei der Mädchenmannschaft schrieb Julia zu wissenschaftlichem Schreiben und Klassismus. Ein Thema, das an der Uni, zumindest an meiner, wenig bis gar nicht besprochen wird, aber dennoch wichtig ist.

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2016 III/…

Eigentlich wollte ich einen ganz anderen Beitrag schreiben, über’s Lieben. Aber dann hat Hannah einen Beitrag zu „Heilung“ veröffentlicht, den ich sehr spannend fand. Viele spannende Gedanken und Überlegungen, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Und da ich ja mein Motto dieses Jahr (haha, als ob ich jemals vorher ein Jahresmotto hatte) zu „healing, growing, loving“ gemacht habe, finde ich, dass ich auch mal meine Gedanken dazu aufschreiben kann, was „Heilung“[1] eigentlich genau ist.

In meiner WG und meinem sozialen Umkreis gibt es schon seit ein paar Wochen (vielleicht sogar Monaten) Diskussionen über „Gesundheit“ und „Krankheit“. Eine meiner Mitbewohnerinnen studiert Psychologie und da ging es sehr schnell um Antonovsky und Salutogenese.[2] Kurz gesagt, in meinen fachfremden Worten, geht Antonovsky nicht davon aus, dass „Krankheit“ oder „Gesundheit“ Zustände sind, sondern dass sich beide als Endpunkte auf einem Spektrum befinden und Menschen niemals ganz „gesund“ oder „krank“ sind, sondern sich immer dazwischen befinden. Ich persönlich finde das sehr logisch und finde das sehr schnelle zu „Kranken“ erklären von Menschen suspekt. Ich gehe irgendwie davon aus, dass jede*r Mensch andere Umstände und Hilfestellungen in seinem*ihrem Leben braucht, um gut klarzukommen. Für manche Menschen ist die Welt so ausgelegt, dass sie an sich ganz gut klar kommen, für manche Menschen sieht das anders aus. Meiner Meinung nach liegt das aber an der Beschaffenheit von unseren Gesellschaften, und nicht an den einzelnen Menschen.

Wenn ich aber davon ausgehe, dass wir uns alle auf einem Spektrum von „gesund“ und „krank“ befinden, können wir dann „heilen“ oder „geheilt“ werden?

Vielleicht ist „Heilung“ im konventionellen Sinne gar nicht möglich. Vielleicht gibt es einfach nur Dinge, die unser Leben einfacher zu leben machen, und Dinge, die uns (be-)hindern.[3]

Was bedeutet dann für mich „Heilung“? Ich glaube, zu „heilen“ bedeutet für mich, meinen Zustand, meine Situation und vergangene Erlebnisse erstmal akzeptieren und als Teil von mir annehmen zu können sowie das Gefühl, mein Leben in Abhängigkeit von der Vergangenheit, aber nicht davon bestimmt, gestalten zu können. Wenn ich ehrlich bin, dreht es sich vor allem um das Annehmen von vergangenen Situationen und Erlebnissen und zu lernen, damit in meinem Leben umzugehen. Mir ist klar, dass das nicht das allgemeine Verständnis von „Heilung“ ist, aber gerade auch in Hinblick auf dieses „Jahresmotto“ ist „Heilung“ genau das für mich. Die Fähigkeit, meine Vergangenheit anzunehmen, damit zu arbeiten und mein weiteres Leben zu gestalten. Dass die Vergangenheit immer wieder zurückkommen wird, davon gehe ich aus. Deswegen denke ich, dass es immer wieder nötig sein wird, die Vergangenheit neu und immer wieder anzunehmen und das „Heilung“ ein stetiger, nie aufhörender Prozess ist.

Vielleicht wäre es aber auch nötig, einen anderen Begriff für mein Verständnis von „Heilung“ zu finden.

[1] Ich verwende das Wort mal in Anführungsstrichen, weil ich es glaube ich nicht so verwende, wie es im Mainstream verwendet wird.

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Salutogenese

[3] Nach einem kurzen Überfliegen von Antonovskys Wikipediaseite würde ich vermuten, dass das auch sein Ansatz ist, aber ich behaupte das eigentlich nur, weil ich mich nie näher mit ihm beschäftigt habe.

Linkschau #4

Über die letzten zwei/ zweieinhalb Wochen haben sich wieder einige interessante, spannende, anregende Dinge angesammelt. Für mich ist das Leben gerade weiterhin sehr aufregend und mit vielen Gedanken beladen, deswegen komme ich nicht so regelmäßig hierher. Das ändert sich aber auch wieder, vermute ich.

Alexander Nabert schreibt in der Jungle World über Antisemitismus in Deutschland.

Zen Pencils hat in seinem neusten Comic einen Ausschnitt aus einem Brief von Rilke an Kappus illustriert (leben Sie die Fragen) und das passt gerade sehr gut zu meinem Leben.

Khaldun Al Saadi schreibt bei kleinerdrei zu Islam und Islamkritik. Auf jeden Fall nachdenkenswerte Anstöße.

Im Lower Class Mag gab es ein Interview mit den Campus Hexen, einer feministischen Organisation in der Türkei.

Hein-Jürgen Voss schrieb im Tagesspiegel, dass in der Biologie mittlerweile die Meinung vorherrscht, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Wir wussten das zwar schon, aber wenn die Biolog*innen das sagen, glauben das jetzt vielleicht mehr Menschen.

Bei umstandslos schrieb Lisa über das Haus, in dem sie lebt und ich war davon sehr berührt.

Und bei kleinerdrei schreibt Svenja, warum gendergerechte Sprache wichtig ist.

Ich verabschiede mich hiermit erstmal wieder und verschwinde in der Versenkung. Vielleicht schaffe ich es aber auch, in den nächsten Tagen in paar meiner Gedanken zu formulieren.