Linkschau #3

Ich sag, ich schaffe das nicht jede Woche, hier also die Fundstücke aus den letzten zwei Wochen. So viel habe ich nicht gelesen, was ich teilen möchte. Lag vielleicht daran, dass ich unterwegs war, viel arbeiten musste und/oder die Masterarbeit voran treibe. Oder alles zusammen.

Gerade schrieb Julie über die Zeitumstellung und ich bin ziemlich mit ihr d’accord. Ich kann das auch nicht gut, weil mir die Stunde einfach fehlt. Und wenn ich arbeit komme ich nicht darüber hinweg, dass eigentlich 5.30 Uhr ist. Und das ist viel zu früh!

In der taz schrieb Annabelle Seubert über das Schwimmbad in Neukölln, aber eigentlich doch über unsere Gesellschaft und wie wir sie wollen.

Accalmie schrieb bei der Mädchenmannschaft über die AfD, und es ist nicht zum Lachen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich Shonda Rhimes mag. Nicht, dass ich sie kennen würde, aber ich gucke seit Jahren Grey’s Anatomy (ich gucke das schon so lange, das ist wie nach Hause kommen) und seit letztem Jahr auch How to Get Away with Murder. Ich mag also, was die Frau produziert, und auf einem TEDTalk redet sie über die Liebe. Damit beschäftige ich mich ja gerade sowieso. Passt also alles.

Bei kleinerdrei schrieb Simone über Fehlgeburten. Das war hiermit eine Trigger Warnung.

Und das war’s auch schon wieder. Bald ist Berlin vorbei und ich wieder zuhause. Das ist schön und traurig zugleich.

Vogelgezwitscher

Im Moment habe ich emotional sehr viel zu tun. Ich arbeite an mir selbst, hinterfrage sehr viel und denke allgemein sehr viel über mein Leben und meine eigenen Gefühle nach. Ich merke immer wieder, dass ich sehr schnell in co-dependency zu anderen Menschen komme. Das gefällt mir selber gar nicht so gut, weil ich merke, dass ich dann sehr schnell abhängig werde von den Launen, Bedürfnissen und Gefühlen anderer Menschen und es mir schwer fällt, auf mich zu achten, bei mir zu bleiben und meine Strategien anzuwenden, um mit mir selbst klarzukommen.

Heute war es wieder eher schwierig. Und weil es so schwierig war, habe ich eine andere Strategie entdeckt, mit der es mir gut geht. Die ist eigentlich auch gar nichts Neues. Als ich in Litauen gewohnt habe, habe ich schon gemerkt, dass es mir gut tut, einfach rauszugehen und mich zu bewegen, wenn ich von meinen Gefühlen überfordert bin oder einfach alles was mit Menschen zu tun hat (wenn ich also übermenscht bin) viel zu viel ist. Das habe ich heute auch wieder gemacht und war fast zwei Stunden draußen. Das Wetter ist zwar ein bisschen grau, aber nicht allzu kalt und es regnet nicht, was wirklich schon ziemlich gut ist.

Ich bin einfach durch die Landschaft gewandert. Es dauert gar nicht so lange, bis mensch aus den Häusersiedlungen rauskommt und es zumindest ein bisschen Natur gibt. Dort gibt es Vogelgezwitscher, Schafe und hübsche kleine Häuser. In eins davon würde ich auch ziehen, wenn ich könnte, aber es ist eindeutig bewohnt. Na ja. Irgendwann ziehe ich einfach in ein weißes Haus mit blauen Fenstern. So.

Heute ist mir auch aufgefallen, dass ich beim nächsten Mal einfach meine Kamera mitnehmen sollte. Es fehlt mir manchmal zu fotografieren und so ein Spaziergang ist ja auch eine gute Gelegenheit. Und es würde mir gefallen, meine Kamera wieder mehr zu gebrauchen, neue Dinge zu lernen und vielleicht tatsächlich mal auf ein Objektiv, das mir gefällt, oder einen externen Blitz zu sparen.

Also. Mehr Klarheit im Kopf, mehr emotionale Ruhe und ein paar gute Ideen für die nächste Zeit reicher sitze ich jetzt wieder an dem Monster, das sich Masterarbeit nennt.

Von Bärten

Ich habe sehr lange versucht, einen Beitrag zu Körperbildern und Sexismus und gesellschaftlichen Normen zu schreiben, aber es wollte/will mir nicht gelingen. Ob es jetzt klappt und ich damit zufreiden sein werde, das bleibt noch zu sehen.

Fest steht: Es gibt sehr konkrete gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie Frauen auszusehen haben. Ja, die gibt es auch für Männer, aber für Männer gilt vor allem, dass sie nicht feminin zu sein haben. Also wieder eine Abwertung von Weiblichkeit/Femininität. Frauen treffen sexistische Vorstellungen und teilweise konkrete Forderungen von anderen Menschen oder sogar Partner*innen meist mehr als Männer. Welchen Einfluss z.B. auch die Medien auf unser Bild von Schönheit haben, kann mensch sehr gut in der Dokumentation Killing Us Softly sehen, die mir letztens eine Freundin empfohlen hat.

Was ist nun damit zu tun? Welche Effekte haben diese Schönheitsideale?

Wie immer gibt es keinen Plan, dem mensch folgen kann. Keine Anleitung. Keine Musterlösung. Kein Patent.

Um zu verdeutlichen, welche Effekte diese Schönheitsideale haben, kann ich ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Ich bin was Schönheitsideale betrifft nur von Kleinigkeiten betroffen, würde ich behaupten. Schließlich bin ich weiß, schlank und able bodied. Welche Aspekte betreffen mich also? Sagen wir mal so: In der Grundschule wurde ich für meine Brille gehänselt, was mich mit 15 oder 16 Jahren dazu bewogen hat, Kontaktlinsen auszuprobieren. Durch Allergien und Hautkrankheiten war es eine Qual, die ich über ein Jahr durchgehalten habe. Dann habe ich aufgegeben und bin seitdem meiner Brille treu geblieben. Ich mag meine Brille, zumindest die, die ich jetzt besitze. Meine Brille passt zu meinem Gesicht und ich bin so daran gewöhnt, dass ich mein Gesicht ohne Brille ziemlich leer finde.

Später, als ich schon auf dem Gymnasium war, wurde ich für meinen Damenbart gehänselt. Von Freund*innen. Die Tatsache, dass es Menschen waren, von denen ich dachte, dass sie meine Freund*innen seien, die sich über mich lustig gemacht haben (wohl bemerkt hinter meinem Rücken), war vielleicht das Schlimmste. Seitdem habe ich Schwierigkeiten damit, Menschen zu glauben, wenn sie sagen, dass sie mich schön oder toll finden. Ich lerne, solche Aussagen zu akzeptieren. Und es ist ein konstanter Kampf, solche Dinge einfach mal stehen zu lassen ohne abzuwinken oder es abzutun.
Kommen wir zurück zum Damenbart. Mehr als zehn Jahre (die genauen Jahre kann ich nicht sagen; vielleicht sind es neun oder elf) habe ich mir den Damenbart abrasiert. Woche für Woche. Weil ich mich geschämt habe. Es gab Menschen in meinem Leben, die dieses Denken, dass ich mich schämen sollte, auch im Nachhinein noch unterstützt haben. Heute kann ich darüber sprechen ohne mich zu schämen, und dafür habe ich viele Jahre gebraucht. In den letzten Wochen habe ich ein Experiment gemacht, das mir dabei glaube ich sehr viel geholfen hat: Ich habe aufgehört, den Bart wegzurasieren. Und gleichzeitig habe ich angefangen, darüber zu sprechen. Und, oh Wunder, die Welt ist nicht zusammen gebrochen, Menschen haben nicht auf einmal aufgehört, mich attraktiv oder schön zu finden. Und überhaupt und sowieso ist mein Leben einfach weiter gegangen. Wer hätte das gedacht?

Ich habe mich damit nicht besonders wohl gefühlt, und habe ein interessantes Gespräch mit D. darüber geführt. Denn wie gehe ich am besten mit solchen Normen und diesem gesellschaftlichen Druck um? Ist es sinnvoll, einfach das Gegenteil von dem zu machen, was die Gesellschaft erwartet? Ist das dann Feminismus? Ist es immer noch sinnvoll, wenn ich mich jeden Tag unwohl damit fühle? Kann ich nicht manchmal dem Druck nachgeben und ihn trotzdem kritisieren?

Am Ende (haha, als ob es eine Ende gäbe; sagen wir für’s Erste) habe ich beschlossen, den Bart nicht zu behalten, weil ich mich ohne besser fühle. Ich habe mir dafür beigebracht, wie mensch Haare mit dem Faden entfernt (ich bin noch sehr schlecht darin, aber es gibt ja für alles Tutorials auf youtube) und etwas Neues gelernt. Ich sehe aus, wie ich mich wohl fühle, und kann trotzdem ohne Scham über meine Erfahrungen sprechen.

Vielleicht gibt es jetzt Feminist*innen, die mich dafür kritisieren möchten, dass ich mir den Bart doch wegmache und nicht „dazu stehe“. Vielleicht auch nicht. Für mich bedeutet Feminismus immer noch, dass Frauen machen und entscheiden können sollen, was sie tun möchten. Und dazu gehört vielleicht auch, dem gesellschaftlichen Bild in manchen Aspekten zu entsprechen. Ich habe auf jeden Fall das getan, was sich für mich richtig anfühlt. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass es sich wahrscheinlich auch besser anfühlt, weil es den gesellschaftlichen Erwartungsdruck gibt und ich dem entgehe, indem ich ihm entspreche. Trotzdem finde ich es okay, denn meiner Meinung nach geht es darum, dass ich mich bewusst für etwas entscheide, was ich vertreten kann und womit es mir gut geht.

Linkschau #2

Und zum Zweiten.

Ralf Pauli schrieb in der taz darüber, was Kinder in der Schule über Migration lernen. Und wie erwartet ist das Ergebnis erschreckend.

Im Lower Class Magazine schrieb Anna Kolumna über (militanten) Feminismus in Kurdistan und wie wir davon etwas nach hierher übertragen können.

Katie Dupere schreibt darüber, dass auch Frauen so sozialisiert sind andere Frauen als Konkurentinnen zu sehen anstatt als Freundinnen und Mitstreiterinnen. Deswegen lässt sie Femnistinnen zu Wort kommen, die erzählen, was sie von anderen Frauen gelernt haben.

Für den Mediendienst Integration hat Carsten Janke zusammen getragen, wie das Herkunftsland sich auf den Verlauf des Asylverfahrens niederschlägt und dass diese Praxis das Gebot der Gleichberechtigung verletzt.

Und Hannah schreibt über eigene Opfererfahrungen und wie wichtig es ist, darüber zu reden und sie zu einem Teil des Lebens zu machen, damit Opfer nicht immer die bleiben, die bemitleidet werden und mit denen ehrliche und gleichberechtigte Gespräche deswegen nicht mehr möglich sind.

Linkschau #1

Ein neues Konzept! Juhu! Ich weiß nicht, wie lange ich das durchhalte, aber das spielt auch keine Rolle, glaube ich. Ich möchte Dinge mit Euch teilen, die mich bewegen, ob im Guten oder im Schlechten sei mal dahin gestellt. Letzte Woche waren das folgende Dinge:

Barbara schrieb bei kleinerdrei sehr ehrlich über ihre erste Geburt, und darüber, dass Frauen, die schon geboren haben, nicht viel mit Frauen, die noch nicht geboren haben, darüber reden. Und dass sich das ändern sollte.

Im Missy Magazine schrieb Leyla Yenirce über Klasse, Aufstieg und Scheiße.

Ein Artikel, der mich sehr berührt hat, vielleicht weil ich eh gerade viel darüber nachdenke, war der von Alexa bei umstandslos. Sie schreibt über Feminismus und feministische Männer und warum es so schwierig ist für Männer und Frauen gleichberechtigte heterosexuelle Beziehungen zu führen.

Und Julia Martin schrieb bei an.schläge darüber, dass Femininität auch in feministischen und queeren Kontexten abgewertet wird.

Mich haben zumindest alle diese Texte zum Nachdenken gebracht und das wollte ich Euch nicht vorenthalten. Ob ich das jede Woche schaffe, weiß ich nicht, aber ich sammel einfach fleißig weiter kluge Texte und dann schaffen sie bestimmt den Weg zu Euch.