Can I take ya home?

Ich bin nicht so gut darin, Nichts zu tun. Das musste ich mal wieder feststellen. Eigentlich wusste ich das schon, glaube ich. Ich hab das in der Vergangenheit schon mal gemerkt, aber wahrscheinlich immer wieder verdrängt. Wie so vieles.
Letzte Woche war ich krank, so richtig mit Virus und Schüttelfrost und fiesen Gliederschmerzen. Ich lag fast eine Woche im Bett, die ersten vier Tage davon hab ich eigentlich nur geschlafen und irgendwelche Medikamente genommen, gefroren, geschwitzt und gehustet. Abgesehen von dem offensichtlichen Krankheitsgefühl war das alles noch in Ordnung. Aber danach ging es mir langsam besser. Und das bedeutete, dass mir langweilig wurde. Gestern bin ich früh aufgestanden, um bei einem Umzug zu helfen, und dann bin ich wieder zurück gegangen und D. ist erst ganz langsam aufgestanden und das war für mich unerträglich, weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, dass ich so viel Zeit irgendwie vergeude. Dabei muss ich mich gerade mit gar nichts beeilen. Ich habe Zeit, eigentlich. Ich muss nicht arbeiten, und ich habe nur eine einzige Deadline, die ich locker einhalten kann. Ich muss gar nicht. Aber irgendwie schaffe ich es dann, mich selbst unter Druck zu setzen. Das geht immer ganz gut.
Gestern bei einem Telefonat habe ich festgestellt, dass ich mich schon immer für Dinge entscheide, die ich cool und spannend finde, aber wenn ich sie dann beginne, dann gerate ich irgendwann unter riesigen Druck und nichts macht mir mehr Spaß. Ich glaube, mir erscheint der Druck dann einfach so groß, dass ich mich selber unter Druck setze jetzt irgendwas schaffen zu müssen bis zu einem bestimmten Datum, alle Anderen schaffen das ja auch, und die sehen dabei noch so entspannt aus! Nur ich nicht.
Ich glaube, es wird endlich Zeit, dass ich lerne, mir selber zu vergeben. Mir selber Zeit zu geben. Mich selber nicht mehr unter Druck zu setzen. Weil wenn ich ganz ehrlich bin: ich muss ja tatsächlich nichts. Ich schulde niemenschen irgendwas. Weder der Uni noch dem Staat noch der Familie noch meiner WG noch Freund*innen. Ich schulde nur mir was, und vielleicht wird es Zeit, das jetzt auch mal so umzusetzen. Ich muss doch eigentlich ganz ehrlich und grundsätzlich nur das schaffen, was ich schaffen möchte. Und alles Andere ist doch egal. Es gibt mir ja auch niemensch was dafür. Was bekomme ich denn, wenn ich mein Studium in Regelstudienzeit schaffe? Ein Sternchen? Ein besonderes Abzeichen? Eine Anerkennung? Einen Job? Tja. Ich glaube gar nichts davon. Also warum nicht alles ein bisschen langsamer machen und dabei dann öfter spazieren gehen und mehr backen? Mehr liebe Menschen sehen und schöne Dinge machen? Das klingt doch um einiges gesünder.
Jetzt muss ich das nur noch lernen. Das wird sicher ein Kinderspiel.
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