You have always worn your thoughts upon your sleeve

To-Do-Listen sind doch was Schönes. Ich habe so ewige To-Do-Listen auf meinem Computer als Notizen, an denen ich jeden Tag sehen kann, was ich noch erledigen muss. Und ich habe heute eine To-Do-Liste auf Papier, weil L. auszieht und ich noch so viel machen muss. Nicht nur deswegen, aber auch.

Alle anderen Dinge, die ich machen muss, haben was mit der Uni zu tun. Und mit Jobs. Ha!

Ansonsten bin ich gerade erst wieder aus dem Bei-den-Eltern-Modus herausgekommen, denn dort bin ich immer irgendwie langsam. Ich schaffe auch nichts, wenn ich dort bin. Ich nehm es mir immer vor, aber dann passiert doch nie was. Warum weiß ich nicht genau. Vielleicht weil ich in so einen relaxten Modus komme bei den Eltern. Hier zuhause bin ich nun wieder im aktiven Modus. Wie mensch unschwer an den To-Do-Listen erkennen kann.

Ich habe heute schon fünf Sachen abgehakt und zusätzlich habe ich noch Mödel in den Keller getragen. Ich fühle mich nun sehr produktiv. Deswegen gehe ich gleich erstmal Mittagessen und bespreche Unikram. Alles ist so aufregend! In einem bisschen melancholischen Sinne, denn es ist ziemlich betrübend, dass L. auszieht. Ich glaube, das betrübt uns alle sehr und wir sind alle sehr traurig darüber und morgen frühstücken wir nochmal zusammen, aber dann ist es vorbei und L. ist weg und wir haben eine Mitbewohnerin weniger, weil das Zimmer noch nicht neu besetzt ist. Da fällt mir ein, was nicht auf der Liste steht: ich muss Bewerber*innen einladen. Das mache ich mal besser jetzt sofort, denn sonst vergesse ich das wieder und wir bekommen nie neue Mitbewohner*innen. So.

Bis bald!

Can I take ya home?

Ich bin nicht so gut darin, Nichts zu tun. Das musste ich mal wieder feststellen. Eigentlich wusste ich das schon, glaube ich. Ich hab das in der Vergangenheit schon mal gemerkt, aber wahrscheinlich immer wieder verdrängt. Wie so vieles.
Letzte Woche war ich krank, so richtig mit Virus und Schüttelfrost und fiesen Gliederschmerzen. Ich lag fast eine Woche im Bett, die ersten vier Tage davon hab ich eigentlich nur geschlafen und irgendwelche Medikamente genommen, gefroren, geschwitzt und gehustet. Abgesehen von dem offensichtlichen Krankheitsgefühl war das alles noch in Ordnung. Aber danach ging es mir langsam besser. Und das bedeutete, dass mir langweilig wurde. Gestern bin ich früh aufgestanden, um bei einem Umzug zu helfen, und dann bin ich wieder zurück gegangen und D. ist erst ganz langsam aufgestanden und das war für mich unerträglich, weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, dass ich so viel Zeit irgendwie vergeude. Dabei muss ich mich gerade mit gar nichts beeilen. Ich habe Zeit, eigentlich. Ich muss nicht arbeiten, und ich habe nur eine einzige Deadline, die ich locker einhalten kann. Ich muss gar nicht. Aber irgendwie schaffe ich es dann, mich selbst unter Druck zu setzen. Das geht immer ganz gut.
Gestern bei einem Telefonat habe ich festgestellt, dass ich mich schon immer für Dinge entscheide, die ich cool und spannend finde, aber wenn ich sie dann beginne, dann gerate ich irgendwann unter riesigen Druck und nichts macht mir mehr Spaß. Ich glaube, mir erscheint der Druck dann einfach so groß, dass ich mich selber unter Druck setze jetzt irgendwas schaffen zu müssen bis zu einem bestimmten Datum, alle Anderen schaffen das ja auch, und die sehen dabei noch so entspannt aus! Nur ich nicht.
Ich glaube, es wird endlich Zeit, dass ich lerne, mir selber zu vergeben. Mir selber Zeit zu geben. Mich selber nicht mehr unter Druck zu setzen. Weil wenn ich ganz ehrlich bin: ich muss ja tatsächlich nichts. Ich schulde niemenschen irgendwas. Weder der Uni noch dem Staat noch der Familie noch meiner WG noch Freund*innen. Ich schulde nur mir was, und vielleicht wird es Zeit, das jetzt auch mal so umzusetzen. Ich muss doch eigentlich ganz ehrlich und grundsätzlich nur das schaffen, was ich schaffen möchte. Und alles Andere ist doch egal. Es gibt mir ja auch niemensch was dafür. Was bekomme ich denn, wenn ich mein Studium in Regelstudienzeit schaffe? Ein Sternchen? Ein besonderes Abzeichen? Eine Anerkennung? Einen Job? Tja. Ich glaube gar nichts davon. Also warum nicht alles ein bisschen langsamer machen und dabei dann öfter spazieren gehen und mehr backen? Mehr liebe Menschen sehen und schöne Dinge machen? Das klingt doch um einiges gesünder.
Jetzt muss ich das nur noch lernen. Das wird sicher ein Kinderspiel.

Oynama şikedim şikedim

Freitage und ich sind vielleicht doch keine so gute Kombnination. Zumindest nicht in letzter Zeit. Es stellt sich heraus, dass auch Freitage eine Quelle von Stress sind und es nicht erlauben, in die Sauna zu fahren oder mal gepflegt Tee zu trinken. So traurig ist das. Aber jetzt ist das Semester endlich zu Ende, und dann ändert sich auch alles Andere.

Ich habe sehr offiziell alle meine Seminare nun hinter mir. Ich bin quasi Scheinfrei, denn sowas haben wir bei uns noch. Ich muss zwar noch ein paar Scheine unterschreiben lassen und dafür Essays schreiben, aber abgesehen davon, bin ich scheinfrei. Fehlen also nur noch zwei Hausarbeiten und ein Praktikum und die Masterarbeit, und dann bin ich auch schon fertig. Irgendwie quasi. Darüber will ich nicht weiter reden.

Ich habe ein Praktikum in Ramallah ausgeschlagen. Mein Papa war ganz überrascht. Ich nicht so. Ich bin ganz erleichtert. Ich mache dieses Semester jetzt weniger Stress und mehr Anna. Was nützt mir der Lebenslauf, wenn ich nicht mehr atmen kann? Ich glaube mittlerweile, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als Praktika und Stationen im Lebenslauf. Ich kriege sowieso keine Rente, also muss ich auch nicht arbeiten. Das finde ich sehr logisch, und nach diesem Prinzip werde ich jetzt einfach weiter leben.

D. und ich haben noch sechs Monate. Die müssen wir nutzen. Wir wollen nordische Ausflüge machen: Nordsee, Bremen, Hamburg. Vielleicht Göttingen, Hannover, Lübeck? Ich plane außerdem eine Radtour durch das Ruhrgebiet. Mensch muss ja wissen, wie es da aussieht, wo sie später leben will. Das Ruhrgebiet ist eh schick, das weiß ich ja schon, aber mit dem Rad ist es bestimmt noch schicker.

Abgesehen davon schreibe ich Hausarbeiten, die bestimmt ganz wundervoll und supertoll werden. Ich muss noch C. fragen, ob wir zusammen eine Hausarbeit schreiben. Das wäre so famos! Aber ich glaube, das will sie nicht. Traurig, aber wahr.

Heute Abend gehe ich auf ein geheimstes Geheimkonzert, exklusiv und so. Ich freue mich schon sehr. Vielleicht gehe ich vorher spazieren, das Wetter ist so schön. Das muss mensch ausnutzen! Vielleicht wird bald Frühling, das wäre ja mal was.