Kul 3am wa entum b5eer

Zahlen und Buchstaben zusammen finden die meisten Menschen seltsam. Ich finds gut. Wenn ich Arabisch in lateinischen Buchstaben schreiben will, gibt es eben nicht genug Buchstaben, also nehmen wir uns Zahlen zuhilfe. Ist ja klar.

Frohe Weihnachten oder so.

Heute gibt es nur Wasser. Aber dafür gab es Nudeln und türkischen Kaffee zum Frühstück. Und D. Was will mensch mehr an einem Weihnachtsmorgen?

Weihnachten war unglaublich viel entspannter als erwartet! Wow! Ich war brunchen, da gibt’s immer nur Essen, was ich nicht vertrage, aber da ich das ganze Wochenende in Weimar auch nur Essen gegessen habe, das ich nicht vertrage, kann ich mich nicht beschweren. Abgesehen davon war das Essen gut und lecker und es war aufregend, mit altbekannten, lang nicht gesehen Menschen rumzuhängen. (Hört, hört!) Ich habe dann gekocht, für meine Familie. Mein Bruder stand dabei und hat geguckt. Manchmal hat er auch getan, aber meist nur geguckt und geredet. Das war nett. Wir haben uns sehr lieb, mein Bruder und ich. Ich glaube, so soll das auch sein, und das ist ja immer die Hauptsache.

Es gab nur Gemüse! Erst gab’s Süßkartoffelsuppe (sehr süß!), dann gabs Gemüseschnitzel mit Ofengemüse (Pastinaken, Kürbis und Kartoffel) und Salat, und am Ende gab’s Bratäpfel. Es ist ein Wunder, dass wir alle satt geworden sind, so ganz ohne tierisches Protein. Das soll ja eigentlich gar nicht möglich sein.

Als meine Eltern (ich wollt Kino schreiben, aber das ist falsch) in der Kirche (!!) waren, haben mein Bruder und ich Gone Girl geguckt. Was für eine Mindfuckery! Ich mochte original nur die Schwester, die Polizistin und den Anwalt. Die Hauptcharaktere waren alle furchtbar unerträglich. Aber sehr ästetisch, der Film. Ziemlich ästethisch.

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Vor allem, als sie den Typen umgebracht hat. Also, furchtbar ekelig und erschreckend und sehr sehr unsympathisch (wer bringt schon NPH um?), aber auch sehr sehr gut gemacht. Wow wow wow. Wow.

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Spät spät in der Nacht gabs dann Geschenke. Ich hab Fahrradtaschen bekommen. Bald also Radtour. Bald bald. L. hat nämlich nen Campingkocher bekommen, mit Topf und so. Ein Zelt hab ich auch (leider ist es nicht gut zu transportieren, vielleicht brauche ich also doch ein anderes). Es kann losgehen! Mit dem Rad nach Istanbul! Oder so.

Gestern war ich bei der ganzen anderen Familie. Oppas, und Ommas, und Tanten und Onkel und Cousinen und Cousins. So viel Liebe! So viel Lärm! Und mehr Liebe! Und mehr Lärm! Diese Familie ist nicht unkompliziert, und deswegen ist auch Weihnachten nicht ohne Traurigkeit, aber das ist auszuhalten, weil es auch lustig ist und laut und nett. Auch anstrengend, denn bekanntlich kommen Menschen an Weihnachten ja nicht um rassistische Aussagen herum, aber das ist ja so. Meine Familie weiß auch eigentlich ganz genau, dass es rassistisch und scheiße ist, deswegen sagen sie schon immer „Das gefällt Anna jetzt gar nicht“. Ne. Habt Ihr gut erkannt. Bleibt immer nur die Frage, warum Menschen es dann trotzdem sagen, aber das werde ich sowieso nie nie verstehen in meinem Leben.

Heute bin ich wieder zuhause, Zuhause. Ha! Ich sitze in L.s Zimmer, mit Blick auf den Balkon, mit der anderen L. (ja, hier wohnen mehrere Ls). Wir warten eigentlich nur darauf, dass es dunkel wird. Dann machen wir Waffeln und gucken einen Film. Außerdem bekomme ich Besuch. C. kommt. Ne güzel! Es wird ein Waffelfest! Wir freuen uns alle sehr!

Diese Woche war ich auch im türkischen Konsulat. Ich wollte das nur kurz mitteilen, damit ich sagen kann, wie furchtbar es war. Voll und voller Menschen und vollkommen unorganisiert und niemensch dort war freundlich und alle waren auf sich selbst gestellt und dann haben sie nicht mal gemacht, weswegen wir gekommen sind. D. war frustriert, und es war ein schlimmer Tag. Anstrengend, so so anstrengend. Was soll ich dazu sonst sagen? Bürokratie ist scheiße, und Staaten auch. So. Da habt Ihr endlich, was Ihr sowieso schon die ganze Zeit hören wolltet. Ich gehe jetzt weiter Abstracts formatieren. Das ist eine sehr wichtige Tätigkeit.

Gute Nacht.

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Born from dark water*

Es gibt kein Wort für „solidarisch“ auf Englisch. Was das bedeutet, darüber muss ich nochmal nachdenken.

Heute gibt es nicht nur Tee, sondern auch selbst gepressten Orangensaft. Heute ist außerdem erst Donnerstag, aber ich schummle ein bisschen, weil ich morgen um 7 Uhr im Zug nach Weimar sitze und keinen Laptop mitnehme (ach Du Schreck!). Deswegen schreibe ich schon jetzt, aber lesen könnt Ihr doch erst Freitag. Wie fies und gemein!

Mein allerliebstes Weimar. Morgen Mittag bin ich wieder da. Ich freu mich so. In den letzten Jahren war ich nur in Jena und Erfurt, nie wieder in Weimar, dabei mag ich Weimar doch so gerne. Weimar und ich, wir sind gute Freundinnen. Ich habe dort so gerne gelebt, und jetzt ist Weihnachtsmarkt und bestimmt leider kein Schnee (vielleicht sollte ich mir die Wettervorhersage nochmal anschauen), aber egal. Mit oder ohne Schnee, Weimar ist immer toll. D. und ich werden da son bisschen abhängen und Menschen aus meinem früheren Studentinnenleben treffen (jaja, das wilde Leben in Thüringen). Nichts könnte schöner sein! Spürt Ihr meine Freude? Sie wird nur dadurch getrübt, dass ich morgen so früh aufstehen muss, aber ich schlafe einfach im Zug. Außerdem gibt es jetzt schon ganz viel Wegproviant (sowas ist immer wichtig) und gepackt ist auch so halb und der Kameraakku ist voll, der zweite auch, auf der Karte ist noch Platz und die richtige Begleitung ist auf jeden Fall auch am Start.

Ansonsten. Habe ich erwähnt, dass ich Weihnachten doof finde? Die Kommunikation funktioniert nicht so dolle, deswegen mache ich jetzt alles alleine, aber ich bin dazu fähig. Im Gegensatz zu anderen Menschen bin ich schon groß, und habe einen Mund und zwei Hände, die ich sehr gut benutzen kann. Auch wenn es gerade an manchen Tagen schwer ist mehr zu tun als sich im Bett umzudrehen. Heute hat es sehr gut geklappt. Ich bin voller Elan! Ich habe auch an der Studie meiner Mitbewohnerin teilgenommen. Auf dass sie eine gute BA schreibe!

Dass ich nicht zur inneren Clique des Studienganges gehöre ist ja kein Geheimnis. Gestern wurde es mir sogar ins Gesicht gesagt. Das war sehr amüsant (für mich). Für andere Menschen nicht, zumindest sahen sie leicht betreten aus. Andere waren wohl davon ausgegangen, dass ich doch dazu gehöre. Hihi. Ich hatte eh Besseres zu tun, was mir auch viel Spaß bereitet hat.

Jetzt ist allerdings langsam gut. Ich muss noch packen und mich ausruhen, heute Abend muss ich nämlich auch noch arbeiten, und da sollte ich zumindest freundlich sein. Das ist nicht immer so einfach, glaubt mir.

Alles Liebe,
Anna

* Ist schon mal jemensch aufgefallen, dass fast alle meine Titel aus Florence and the Machine Songs stammen? Nein? Gut.

I promise to be good

Heute gibt es Datteln, und Schokolade, das ist viel besser als Tee. Zumindest an manchen Tagen. Eigentlich wollte ich über Weihnachten schreiben, aber ich weiß gar nicht, ob das so interessant ist. Was mir auf jeden Fall durch den Kopf gegangen ist, ist Folgendes:

Die wenigsten Leute in meinem Umfeld sind religiös. Wenn ich so überlege, fallen mir vielleicht zwei Menschen, die mir nah sind, ein, die religiös sind (meine Familie jetzt mal ausgenommen). Aber wir feiern alle Weihnachten. Der gedankliche Sprung zu „Weihnachten hat nichts mit Religion zu tun“ ist da. Juhu! Da wollten wir alle schon mal hin. Ist ja auch irgendwie nicht so, als wäre das eine grandiose Erkenntnis oder so.

In der WG haben wir einen gemeinschaftlichen Adventskalender, was uns allen sehr viel Freude bringt. Jede*r bekommt drei Geschenke, und am Ende gibt’s noch Geschenke für die WG insgesamt. Da ich die erste war, die Geschenke bekommen hat, ist es für mich bald vorbei mit Auspacken, aber dann kommt ja noch Weihnachten selbst. Also kein Grund zur Sorge. (Ich habe übrigens eine ganz wundervoll flauschige Kinderwärmflasche mit Pinguinen bekommen und ein spannendes französisches Buch über Revolution. Revolution!)

Auf dem Küchentisch stehen Kerzen, und der Adventskrank to go von meiner Omma. Licht ist also auch da. Genug, um uns in dieser furchtbaren, kalten und deprimierenden Zeit über Wasser zu halten. Alle Menschen um mich herum wünschen sich nette Dinge. Vom Studiengang aus gibt es eine Wichtelaktion und mit ein paar Kommilitoninnen gibt es ein Weihnachtsfrühstück. Alles scheint auch in der Uni ein bisschen gechillt zu sein. Klar, Dinge müssen immer noch erledigt werden. Aber keine*r drängt besonders.

Wir essen viel Schokolade und Schokolade und trinken Tee in Massen. Ich laufe quasi permanent mit Wärmflasche rum und die Playlist mit Weihnachtsmusik läuft ganz oft im Hintergrund (gerade nicht, ich probiere grad ne neue Band aus). Aber all das hat für uns alle sehr wenig mit Weihnachten zu tun. Ich kann nicht sagen, was es für andere Menschen bedeutet, aber für mich bedeutet es, eine Zeit, in der ich sehr dankbar für Menschen bin, die ich liebe und die für mich da sind. Es bedeutet Zeit mit Familie (und ich benutze dieses Wort im weitesten Sinne, den ich mir vorstellen kann, weil es genau das ist, was es für mich bedeutet). [„There’s an old proverb that says you can’t choose your family. You take what fate hands you. And like them or not, love them or not, understand them or not, you cope. Then there’s the school of thought that says the family you’re born into is simply a starting point. They feed you, clothe you, and take care of you until you’re ready to go out into the world. There you find your own tribe.“] Es beudetet Schenken, vor allem Zeit und Geduld. Und es bedeutet Vergeben, auch wenn ich darin nicht sonderlich gut bin.

Weihnachten bedeutet auch immer Stress, und es bedeutet eine Melancholie, die ich nicht erklären kann. Dieses Jahr bedeutet es auch, dass die Depression und die Neurodermitis wieder da sind. Zwei treue und nicht sonderlich hilfreiche Begleiter. Ich habe ja schon über Depressionen gesprochen, und trotzdem sehr lange mit mir gehadert, ob es wieder so weit ist, aber mittlerweile bin ich mir sicher, dass es wieder so weit ist. Manche Tage sind leichter als andere. Aber es ist wieder so weit. Schließlich ist Weihnachten.