It’s always darkest before the dawn

TW: Depression, Psychische Gesundheit/Krankheit

Ich habe eine überlange To-Do-Liste, und weil ich keine Lust habe, mit den anderen Dingen anzufangen, blogge ich. Wenn nur alles so einfach wäre!

Diesmal gibt es keinen Tee, und eigentlich würde ich am liebsten in meinem Bett liegen und nicht wieder rauskommen. Ich kenne dieses Gefühl, das Gefühl, einfach nur liegen zu bleiben und nicht mehr aufzustehen. Nicht für einen Tag. Für immer. Sich nicht mehr zu bewegen, unter der Decke zu bleiben und den Rest der Welt zu ignorieren. Ich weiß auch ganz genau, was das für mich bedeutet: Depression. Ich komme in eine Starre, aus der ich nicht weiß, wie ich wieder herauskommen soll. Ich sitze vor meinem Computer oder meinen Artikeln, und ich sehe nichts mehr, sondern starre einfach nur noch. Die Welt gerät aus dem Fokus und alles ist unwichtig. Nur noch Starre. Bis ich merke, was ich tue, und daraus wieder hervorkomme. So fühlt es sich für mich an. Und es ist noch gar nicht schlimm. Ich merke es ja sogar. Dass ich abrutsche in Depression, dass ich die Kontrolle darüber verliere, was getan werden muss und was nicht so wichtig ist. Dass ich mich ständig zum Heulen fühle.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Menschen wie ich, mit der Diagnose anfällig für Depressionen, davon nicht richtig wegkommen. Es war seit Jahren nicht so schlimm wie dieses Jahr, aber dieses Jahr ist es anstrengend. Ich habe Mechanismen: ich habe Menschen, die mich aus der Isolation holen, und eine WG, der es auffallen würde, wenn ich mein Zimmer nicht mehr verlassen würde. Ich HABE To-Do-Listen, weil ich sonst den Überblickt verliere, und die Geduld. Weil ich nämlich sonst in Panik verfalle, und dann wird der Wunsch, einfach die Welt die Welt sein zu lassen, unerträglich.

Abgesehen davon habe ich nur meinen gesunden Menschenverstand, und das Wissen, dass ich wichtiger bin für mich selbst als alle anderen. Dass der einzige Mensch, den ich diesen Winter retten muss, ich selbst bin. Dass ich vernünftig essen muss. Dass ich genug schlafen muss. Und dass es Dinge gibt, die ich nicht schaffen kann, und dass auch das okay ist.

Depression ist beängstigend, und ich kann das nicht wirklich teilen. Die leise Panik, dass es mir immer nur schlechter gehen wird in diesem Winter, ist schon da, und die Angst, dass Depression auch die Neurodermitis verschlimmert und ich mich noch schlimmer kratzen werde, die ist auch schon da. Wahrscheinlich ist diese Angst nicht mal unbegründet. Diese Woche war auch eine schlimme Hautwoche.

Ich gehe jetzt, und arbeite an meiner To-Do-Liste, damit ich nicht wieder anfange, nur den Bildschirm anzustarren. Und dann gehe ich heute Abend was essen mit D., und wenn ich Glück habe, schaffen wir es sogar ins Theater. Wenn nicht, dann habe ich morgen L., die mich mit auf den Markt nimmt, und dann war ich zumindest schon mal draußen.

Alles Liebe,
Anna

PS: Die Worte „müde“ und „fertig“ schaffen es nicht mal ansatzweise zu beschreiben, wie es mir geht, aber wie erkläre ich sonst, wie es mir geht, ohne gleich allen meine Krankheitsgeschichte zu erklären? Ist es überhaupt wichtig? Je schlimmer die Depression, desto weniger will ich eigentlich darüber reden, wie es mir geht. Vielleicht ist auch das eigentlich logisch.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s